Archäologie: Ägypter nutzten Kräuterwein als Medizin

In Überbleibseln von mehr als 5000 Jahre altem ägyptischen Wein haben Forscher Hinweise auf den Zusatz verschiedener Kräuter gefunden. Mit den Pflanzen sollten offenbar verschiedene Krankheiten geheilt werden.

Washington - Im alten Ägypten war Wein Medizin: Er wurde mit Kräutern wie Melisse, Koriander, Minze oder Salbei versetzt - wohl, um bei Krankheiten Linderung zu verschaffen. Das erklärten amerikanische Wissenschaftler, die in mehr als 5000 Jahre alten Gefäßen Spuren dieser Kräuter entdeckt haben. Die Forscher um Patrick McGovern von der University of Pennsylvania hatten die Zusätze in Weinkrügen aus der Zeit um 3150 vor Christus gefunden.

Die Gefäße stammen aus dem Grab von Skorpion I. Er war einer der ersten Pharaonenherrscher und gehörte der sogenannten 0. Dynastie an. Seine Grabstätte war in der historischen, rund 160 Kilometer nördlich von Luxor gelegenen Stadt Abydos entdeckt worden.

Die Forscher beschreiben im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences", wie sie mit biomolekularen Analysen die Reste der Tongefäße untersucht hatten. Mit Hilfe eines Massenspektrometers hatten sie Hinweise auf chemische Verbindungen entdeckt, die nur als Inhaltsstoffe in bestimmten Pflanzen vorkommen. In die Analyse floss außerdem ein, welche Pflanzen zu der damaligen Zeit in Ägypten heimisch gewesen sein dürften.

Die Kräuter wurden wohl zerrieben oder als Sud gekocht und dann dem Wein beigemengt, vermuten die Wissenschaftler. Sie könnten neben dem Wein auch anderen Lebensmitteln wie Honig, Bier, Milch oder Pflanzenöl zugesetzt worden sein.

Die neuen Ergebnisse zeigten, dass diese bis heute verwendeten traditionellen Heilmittel ihre Wurzeln in den Anfängen der ägyptischen Geschichte haben, erklären die Wissenschaftler. Die ältesten bekannten schriftlichen Dokumente zu einer auf Wein basierenden Medizin gehen auf die Zeit um 1850 vor Christus zurück. Sie beschreiben, dass zum Beispiel mit Koriander versetztes Bier gegen Magenprobleme eingesetzt wurde. Im Kampf gegen Herpes nutzten die frühen Ägypter eine Salbe aus Koriandersamen, Myrrhe und fermentiertem Honig. In dem Dokument ist auch von der heilenden Wirkung von Knoblauch, Zwiebeln und Melonen die Rede.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes war davon die Rede, das die Ägypter auch Avocados genutzt hätten. Das ist falsch. Sie setzten Pflanzen der Gattung Persea ein. Die aus Zentralamerika stammende Avocado gehört zwar zu dieser Gattung, kam aber in Ägypten nicht zum Zug. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

chs/ddp/AP/dpa

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