Hamburg - Zähne und Knochen enthalten DNA - und wenn die Umweltbedingungen stimmen, kann das Erbgut viele Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende überdauern. DNA-Analysen können daher vielfältige Informationen über die Menschen vergangener Epochen liefern. Beispielsweise versuchen Archäologen, mit Hilfe von Erbgut-Untersuchungen die Verwandtschaftsverhältnisse der ägyptischen Pharaonen zu klären. Das entschlüsselte Erbgut von Neandertaler und Denisova-Mensch lässt Rückschlüsse darauf zu, ob sich unsere Vorfahren mit diesen fortpflanzten. Oder in menschlichen Zähnen vorhandene Bakterien-DNA verrät endgültig die Mikrobe Yersinia pestis als Auslöser des "Schwarzen Todes" im 14. Jahrhundert.
Aber DNA-Proben könnten auch etwas über das Aussehen lange Verstorbener verraten, wie ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Investigative Genetics" berichtet. Sie haben ein Test-System angewendet, mit dem sich Augen- und Haarfarbe von Menschen europäischer Abstammung vorhersagen lassen. Es wurde von Rechtsmedizinern entwickelt und bisher an zeitgenössische Proben getestet. Beispielsweise kann es helfen, Opfer von Naturkatastrophen zu identifizieren.
Mit Hilfe des Hirisplex-Systems können die Forscher bei Europäern mit einer Genauigkeit von rund 94 Prozent prognostizieren, ob jemand blaue oder braune Augen hat. Bei der Haarfarbe liegt die Treffsicherheit etwas niedriger - etwa zwischen 70 und 88 Prozent. Analysiert werden lediglich 24 Einzelbausteine der DNA. Veränderungen an diesen Positionen ermöglichen eine Aussage über Haar- und Augenfarbe, weil diese von relativ wenigen Genen beeinflusst wird.
Augen- und Haarfarbe von Wladyslaw Sikorski ermittelt
Jolanta Draus-Barini vom Forensik-Institut im polnischen Krakau und ihre Kollegen analysierten 21 Zahn- und fünf Knochenproben mit dem sogenannten Hirisplex-System. Einige stammten von Menschen, die in den vierziger Jahren gestorben waren, einige von historischen Funden aus dem 12. und 14. Jahrhundert und ein Teil von vor einem oder zwei Jahren Verstorbenen. In 23 Fällen reichten die Daten für eine Prognose von Haar- und Augenfarbe. Bei den übrigen drei konnten die Forscher lediglich die wahrscheinliche Augenfarbe ablesen.
Unter anderem analysierten sie die DNA aus einem Zahn, der vom polnischen General Wladyslaw Sikorski stammt. Sikorski starb als Ministerpräsident der polnischen Exilregierung im Jahr 1943 bei einem Flugzeugabsturz. Wie die Forscher berichten, zeigte der Test, dass General Sikorski blaue Augen und blonde Haare hatte - so wie er auch auf Porträts dargestellt wurde, die allerdings erst nach seinem Tod entstanden waren. Farbfotos von ihm existierten nicht, so die Forscher.
Obwohl die DNA in den mittelalterlichen Proben schon stärker zerfallen war, konnten die Forscher in zwei von drei Fällen eine Prognose zu Augen- und Haarfarbe abgeben, und in einem für die Augenfarbe. So konnten sie feststellen, dass eine Frau, die in einer mittelalterlichen Krypta nahe Krakau beigesetzt worden war, braune Augen und dunkelblonde oder braune Haare hatte.
wbr
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