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Archäologie: Himmelsscheibe von Nebra war nur kurz in Gebrauch

Gerade einmal 100 Jahre war die Himmelsscheibe von Nebra in Benutzung - und den großen Teil davon auch nur als bronzezeitliche Dekoration. Das glauben Archäologen nach neuen Untersuchungen in einer österreichischen Bergbauregion.

Himmelsscheibe von Nebra: "Neue bergbauhistorische Beobachtungen" Zur Großansicht
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Himmelsscheibe von Nebra: "Neue bergbauhistorische Beobachtungen"

Halle - Die Himmelsscheibe von Nebra, ein jahrtausende-alter Kalender, ist nach ihrer Fertigung in der Bronzezeit wahrscheinlich nur etwa 100 bis 150 Jahre genutzt worden. Das ist kürzer als bisher vermutet, Wissenschaftler waren bislang von einer Zeitspanne von 400 Jahren ausgegangen.

Die aktuellen Erkenntnisse basierten "auf neuen bergbauhistorischen Beobachtungen im Zusammenhang mit dem in der Bronzescheibe verwendeten Kupfer", sagt Sachsen-Anhalts Landesarchäologe Harald Meller. Das Material stammt nach Ansicht der Forscher aus Bischofshofen in Österreich. "Dort wurde frühestens vor etwa 3750 bis 3700 Jahren erstmals Kupfer abgebaut." Die Scheibe sei allerdings vor 3600 Jahren vergraben worden. Daraus ergebe sich eine Nutzungsdauer von rund 100 Jahren.

Die bronzene Himmelsscheibe mit Goldauflagen zeigt die älteste konkrete Sternenabbildung der Welt. Sie wurde mehrfach verändert. Auf der rund zwei Kilogramm schweren, fast kreisrunden Bronzescheibe mit einem Durchmesser von 31 bis 32 Zentimetern sind heute als Goldauflagen ein Schiff, Sonne, Mond und 32 Sterne zu erkennen. Meller hält das Stück nach eigenem Bekunden für " einen der wichtigsten Funde der Menschheitsgeschichte".

"Der Erbauer war ein Genie, der auf die Scheibe den Code für einen kombinierten Sonnen- und Mondkalender aufbrachte", sagt der Archäologe. Doch schon kurz nach der Fertigung sei die Scheibe in fremde Hände gelangt. Die neuen Besitzer hätten die ursprüngliche Bedeutung nicht gekannt und die Scheibe nach ihren Vorstellungen umgebaut.

Zwei inzwischen verurteilte Grabräuber hatten die Himmelsscheibe zusammen mit anderen Bronzestücken 1999 auf dem Mittelberg bei Nebra in Sachsen-Anhalt entdeckt. Der Schatz wurde im Februar 2002 von der Polizei bei einer fingierten Verkaufsaktion in der Schweiz sichergestellt.

chs/dpa

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Fälschung
kleopatraselene 14.04.2011
Zitat von sysopGerade einmal 100 Jahre war die Himmelsscheibe von Nebra in Benutzung - und den großen Teil davon auch nur als bronzezeitliche Dekoration. Das glauben Archäologen nach neuen Untersuchungen in einer österreichischen Bergbauregion. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,756919,00.html
*Das glauben Archäologen*... Die wenigsten Archäologen glauben überhaupt noch, dass die Himmelscheibe keine Fälschung ist.
2. Die Erde war eine Scheibe.
mitbürger 14.04.2011
Tolles Teil, aber was ist so besonders daran, den alltäglichen Sternhimmel abzubilden, der damals noch wesentlich eindrucksvoller gewesen sein muss, da keine Lichtverschmutzung den Blick trübte. Übrigens glaube ich nicht, dass es sich um ein Schiff handelt, das passt da gar nicht dazu, sondern um die Milchstraße oder, noch wahrscheinlicher, um ein oder 2 Kometen.
3. ...
Rainer Spass 14.04.2011
Wie man auf ein Schiff kommt ist auch mir schleierhaft, vorallem was hat dieses mit dme Mond und Sternen zu tun. Eventuell eine Navigations-Hilfe? Aber dafuer scheint es mir sehr ungenau, vermutlich eine Art Schmuckstueck oder so. Ich wuerde eher sagen das es dabei um die Mondphasen geht (Vollmond, Halbmond, ...). Rechts und Links sind zwei Haltegriffe oder Befestigungen, vielleicht fuer einen Holzrahmen etc.
4. ...
taggert 14.04.2011
Zitat von kleopatraselene*Das glauben Archäologen*... Die wenigsten Archäologen glauben überhaupt noch, dass die Himmelscheibe keine Fälschung ist.
Achja? Wo steht das? Welche Archilogen denn? Und wie seriös sind ihre Informationsquellen, wenn Sie so etwas behaupten? Zugegeben ich bin kein Experte in Archiologie, ABER ganze EGAL wo ich Nachschlage, ich bekomme immer Texte wie diesen zurück! Zitat Spiegel (aus einem älteren Artikel): --------------------------------------------- CT-Scan widerlegt Fälschungsthese Die Untersuchung mit dem Tomografen dürfte nebenbei die umstrittene These widerlegen, die Himmelsscheibe sei eine Fälschung. Im aktuellen Prozess gegen die Raubgräber, die die Himmelsscheibe 1999 auf dem Mittelberg bei Nebra entdeckten, hatte der Regensburger Archäologie-Professor Peter Schauer das Fundstück als dilettantische Fälschung bezeichnet - ohne die Scheibe jemals in den Händen gehalten zu haben. "Der Scan mit dem Computertomografen hätte Hinweise auf eine Fälschung ergeben können", sagte Wunderlich. "Aber kein ernst zu nehmender Experte hatte überhaupt fundierte Zweifeln an der Echtheit der Scheibe geäußert." Die Fälschungsthese sei nichts weiter als "Spinnerei". Für die Echtheit der Scheibe sprechen dagegen zahlreiche Gutachten. Archäologen und nicht weniger als 18 Naturwissenschaftler haben die Scheibe im vergangenen Jahr eingehend untersucht. Chemische und mineralogische Analysen, Untersuchungen mit dem Rasterelektronenmikroskop sowie Protonen- und Röntgenstrahlenbeschuss ergaben keine Hinweise, dass die Scheibe in der Neuzeit hergestellt worden sein könnte. --------------------------------------------- Also gibt es auch irgendwo seriöse Informationen (keine Verschwörungsblocks) die ihre Behauptung untermauern? Oder wollten Sie damit einfach nur mal provizieren und auffallen umd ein Flamewar zu starten?
5. ...
grasswurzel 14.04.2011
Zitat von mitbürgerTolles Teil, aber was ist so besonders daran, den alltäglichen Sternhimmel abzubilden, der damals noch wesentlich eindrucksvoller gewesen sein muss, da keine Lichtverschmutzung den Blick trübte. Übrigens glaube ich nicht, dass es sich um ein Schiff handelt, das passt da gar nicht dazu, sondern um die Milchstraße oder, noch wahrscheinlicher, um ein oder 2 Kometen.
Es handelt sich in der Tat um keinen Schiff aber auch nicht um einen Kometen sondern um eine Abbildung der "liegenden" Mondsichel wie sie in den ersten Frühlingstagen beobachtet werden kann.
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