Ausgegraben

Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Steinzeit-Elch ist so groß wie zwei Fußballfelder

Steinzeitmenschen haben im Ural einen Elch von so gigantischen Maßen gebaut, dass er nur aus der Luft zu erkennen ist. Jetzt sind neue Entdeckungen in der Anlage gelungen. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: Munition aus der Zeit Heinrichs VIII. und eine Straße, über die Jesus lief.

 |

Wozu bauten Menschen in der Jungsteinzeit einen riesigen Elch in die Landschaft des Urals? Das Tier am See Zjuratkul ist so groß wie zwei Fußballfelder - aus der Luft sind deutlich seine vier Beine, die längliche Schnauze und die zwei Geweihschaufeln zu erkennen. Bei neuen Untersuchungen in diesem Sommer entdeckten die Archäologen im Bereich der Schnauze und der Hufe Passagen zwischen kleinen Mauern. Auch etwa 40 Steinwerkzeuge kamen zutage.

Elch im Ural: Geoglyph aus der Jungsteinzeit Zur Großansicht
Google Earth

Elch im Ural: Geoglyph aus der Jungsteinzeit

Bei den meisten davon handelt es sich um axtähnliche Grabwerkzeuge aus Quarzit. Mit ihnen gruben die Erbauer des Elches Lehm für die Mauern aus, glaubt Stanislav Grigoriew von der Russischen Akademie der Wissenschaften. Die Bearbeitungsspuren an den Werkzeugen seien typisch für die Kupfersteinzeit, das 4. und 3. Jahrtausend vor Christus, es seien aber auch ältere Exemplare darunter.

Heute ist der Elch von Gras überwachsen. Im ursprünglichen Zustand hob er sich aber mit seinen weißen Mauern vom grünen Grashintergrund ab und war deutlich von der Kuppe eines nahe gelegenen Hügels zu sehen. Das Riesentier gehört zu einer Megalithkultur, die in der Jungsteinzeit im Ural viele Stätten errichtete.

Diesen Artikel...
24 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
Mimimat 21.10.2012
hatomune 21.10.2012
heyheymymy 21.10.2012
snickerman 21.10.2012
bosemil 21.10.2012
Ursprung 21.10.2012
S_Bast 21.10.2012
S_Bast 21.10.2012
haltetdendieb 21.10.2012
alBab 21.10.2012
30-06 21.10.2012
Rahvin 21.10.2012
turuk 21.10.2012
moev 21.10.2012
papayu 22.10.2012
Mimimat 22.10.2012
markus_wienken 22.10.2012
bosemil 22.10.2012
Koda 22.10.2012
taxidriver 22.10.2012
mulcahy@gmx.at 22.10.2012
mulcahy@gmx.at 22.10.2012
Ursprung 23.10.2012
Ursprung 23.10.2012
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Mensch
RSS
alles zum Thema Ausgegraben
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


Buchtipp

Angelika Franz:
Der Tod auf der Schippe
oder Was Archäologen sonst so finden.

Theiss; 176 Seiten; 14,90 Euro.

Einfach und bequem: Direkt im SPIEGEL-Shop bestellen.


Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.
AP
Sie sind Legenden - aber ihre Überreste wurden verstreut, verwechselt, manche gingen verloren. Um letzte Ruhestätten großer Forscher ranken sich viele Geschichten, im SPIEGEL-ONLINE-Quiz erfahren Sie die bizarrsten.