Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Die geplagtesten und kränksten Skelette Ägyptens

3. Teil: Auf Fischfang mit dem Mammutzahn


Sensationsfund Angelhaken: Gefertigt aus dem Stoßzahn eines Mammuts
Sommer

Sensationsfund Angelhaken: Gefertigt aus dem Stoßzahn eines Mammuts

An einem schönen Tag am Seeufer sitzen und gemütlich darauf warten, dass die Fische anbeißen - das genossen unsere Vorfahren offenbar bereits vor 12.300 Jahren. "Wer bisher annahm, dass die Jägerkulturen der ausgehenden Eiszeit ausschließlich mit Harpunen oder Speeren Jagd auf Großtiere wie Rentiere oder Pferde machten, wird eines besseren belehrt - sie angelten nämlich auch schon Hecht!" erklärt der Kieler Privatdozent Robert Sommer, Institut für Natur- und Ressourcenschutz, in einer Presseerklärung der Christian-Albrechts-Universität. Sommer und Kollegen haben gerade in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Journal of Archaeological Science" die Untersuchung von sechs Angelhaken aus der Wustermark im Havelland vorgelegt. Einer davon war sogar eine ganz besondere Überraschung für die Archäologen. Denn er war nicht etwa aus Rentier- oder Elchknochen gefertigt - sondern aus dem Stoßzahn eines Mammuts. "Bisher glaubte man, dass die Angelhaken als Werkzeug zum Fischfang eine typische technische Errungenschaft der Mittleren Steinzeit (Mesolithikum) waren", sagt der Archäologe Bernhard Gramsch aus Potsdam, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. "Die Existenz der Funde aus Brandenburg ist jedoch ein Hinweis dafür, dass das Angeln seine Wurzeln schon in der Späten Altsteinzeit hat. Das Elfenbein konnten die Forscher auf ein Alter von 19.000 Jahren datieren. Aber erst etwa 7000 Jahre später schnitzte ein Angler in der Wustermark sich daraus einen Haken. "Es ist interessant zu sehen, dass die sich ändernden Umweltbedingungen vor rund 12.300 Jahren die Rentierjäger dazu verleitet haben, schon vor dem Ende der Eiszeit ans Angeln zu denken", ergänzt Robert Sommer.

"Aufgrund der Knochen- und Pollenfunde aus der archäologischen Siedlung wissen wir, dass die Menschen in der ausgehenden Eiszeit schon Gewässer in der Landschaft vorfanden, die eine gute Voraussetzung für das Angeln von Hechten waren. Und das betrieben sie offensichtlich auch intensiv, denn das Auffinden von gleich sechs Angelhaken und zahlreichen Knochenresten von Hechten kann kein Zufall sein."



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11 Leserkommentare
terviseks 17.03.2013
wernerz 17.03.2013
Tiananmen 17.03.2013
Stimmviech 17.03.2013
Tiananmen 17.03.2013
Stimmviech 17.03.2013
adam. 17.03.2013
hirnschlacht 17.03.2013
nilaterne 17.03.2013
lalowa 18.03.2013
schimpansengirl 04.04.2013

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