Wildtierhandel der Maya Jaguar günstig abzugeben

Die Maya opferten in ihren Ritualen Wildkatzen, Hirsche, Eulen und Krokodile. Eine neue Studie zeigt jetzt: Sie jagten die Tiere nicht nur, sondern hielten sie als Haustiere, um sie zu verkaufen.

Puma-Schädel aus Maya-Zeiten
N. Sugiyama

Puma-Schädel aus Maya-Zeiten

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Dass die Tiere des Dschungels bei den Maya eine gewichtige Rolle spielten, weiß jeder, der sich mit der alten mittelamerikanischen Kultur ein wenig beschäftigt hat. Egal ob Affen, bunte Vögel wie der Quetzal oder Hirsche - sie alle finden sich in den zahlreichen Inschriften wieder oder wurden als kunstvolle Figuren sowie oder Verzierungen von Vasen gestaltet.

Vor allem der Jaguar hatte es den Einwohnern der verschiedenen Stadtstaaten im Urwald angetan. Die Menschen setzten das mächtige Tier gleich mit Macht, Stärke, Schutz und Kraft. Davon zeugen vor allem die vielen Könige, die sich gern mit dem Begriff "Balam" - das Maya-Wort für die Raubkatze - schmückten.

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Maya-Archäologie: Das Papier aus der Höhle

Zudem findet sich das Tier auch als Motiv auf vielen Herrscher-Insignien wie Schmuck oder anderen symbolischen Darstellungen von Status und Macht wieder. Archäologische Funde zeigen zudem: Die Tiere wurden auch wegen ihres Fells gejagt und für rituelle Zwecke wie Opferungen verwendet.

Doch Archäologen um Nawa Sugiyama von der George Mason University im US-Bundesstaat Virginia haben nun Spuren aus der Maya-Stadt Copán im heutigen Honduras ausgewertet. Sie belegen das, was einige Forscher auch früher schon vermutet hatten: Die Tiere wurden nicht einfach nur gejagt, die Einwohner der Stadt haben wohl auch versucht, sie in Gefangenschaft zu halten. Und das gilt auch für andere Wildtierarten wie Pumas, Hirsche, Eulen oder Krokodile.

Video: Die Archäologin Sofia Paredes Maury über den Mann in der Jaguar-Haut

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Das Team hatte Isotopenuntersuchungen an zahlreichen Tierknochen und Zähnen durchgeführt. Die untersuchten Funde stammen alle etwa aus der Zeit von 400 bis 800 nach Christus. Mit der Methode, die auch in der Rechtsmedizin zur Analyse von Leichenteilen angewendet wird, lassen sich Aussagen über den Ort und die klimatischen Bedingungen, unter denen jemand gelebt hat, machen. Zudem sehr genaue Angaben über seine Ernährungsgewohnheit.

Isotope, unterschiedlich schwere Atomarten eines Elements, nimmt jedes Lebewesen mit Nahrung, Wasser oder der Luft auf, sie lagern sich in Knochen oder Zähnen ein. Über die Untersuchung und den Vergleich von verschiedenen Elementen wie Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff oder Sauerstoff werden etwa individuelle Isotopensignaturen erstellt. Diese erlauben zum Beispiel genaue Einblicke in die Nahrungszusammensetzung und das Nährstoffverhältnis von Kohlenhydraten zu Eiweiß.

Bei ihrer Untersuchung der Zähne und Knochen fanden die Forscher heraus, dass viele der untersuchten Wildkatzenarten, darunter auch Jaguare und Pumas, sich nicht in der Wildnis ernährt hatten, sondern von Menschen gefüttert worden waren. Die Tiere kamen teilweise aus weit entfernten Regionen, habe ein Blick auf die Sauerstoffisotope gezeigt. Hinweise, dass die Tiere für Zuchtversuche gehalten worden sein könnten, fand Sugiyama in ihrer Studie, die im Fachblatt "Plos One" erschien, aber nicht.

Die Ergebnisse bestätigen auch frühere Forschungen: Erst im Frühjahr hatte eine Studie gezeigt, dass sich auch in der Maya-Stadt Ceibal im heutigen Guatemala Spuren von Wildtierhaltung über Isotopenuntersuchungen nachweisen ließen.

Bekannt ist, dass die einzelnen Stadtstaaten teils intensive Handelsbeziehungen unterhielten und Waren wie das Vulkanglas Obsidian, Muscheln und Rochenstacheln über lange Strecken transportierten - teilweise bis ins heutige Costa Rica oder Panama. Auch im Madrider Codex, einer derletzten vier erhaltenen Bilderhandschriften der Maya, ist sogar von "Ek Chuwaj", dem Gott der Händler, die Rede.

Vermutlich sind auch in Gefangenschaft gehaltene Wildtiere über diese Handelswege verkauft worden, vermutet Sugiyama. Für rituelle Zeremonien hätte es in der Gesellschaft der Maya dafür durchaus einen Markt gegeben. In einer früheren Arbeit hatte Sugiyama untersucht, wie Jaguare, Pumas, Wölfe oder Adler in Teotihuacán geopfert wurden.

Das Ausmaß der Haltung von Wildtieren sei bisher von der Forschung unterschätzt worden, glaubt die Archäologin. Dazu könnte auch beigetragen haben, dass sie in Chroniken aus der Zeit der Eroberung ab dem 16. Jahrhundert von den Spaniern nicht erwähnt wurde. Denn da war die große Zeit der Stadtstaaten im Mayatiefland schon lange vorbei.

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jamguy 16.09.2018
1. verkaufen?
Tiere waren magisch bis heilig und jungtiere von getöteten sicher Freund der Besitzer wie Haustiere bloß magisch?
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