Archäologie Polnische Forscher identifizieren Ordensritter

Die Deutsch-Ordens-Ritter beherrschten Teile Polens und des Baltikums. In einer Burg sind nun die Gräber von drei Großmeistern des Ordens identifiziert worden. DNA-Tests und anthropologische Untersuchungen halfen polnischen Forschern, den Leichen ihre Geschichte zurückzugeben.


Im Mittelalter hatten sie einen riesigen eigenen Staat in Teilen Polens und des Baltikums: die Ritter des Deutschen Ordens. Nun ist es polnischen Wissenschaftlern gelungen, die sterblichen Überreste von drei Großmeistern der Ordensgemeinschaft zu identifizieren. Sie stammen aus Gräbern in der Ordensburg von Kwidzyn (Marienwerder) im Norden Polens. Anthropologische Untersuchungen und DNA-Analysen sprechen dafür, dass es sich bei den Überresten um die Großmeister handele, sagte Forschungsleiter Bogumil Wisniewski: "Wir können dies mit 96 Prozent Sicherheit annehmen."

Auf den Spuren der Ordensritter: Experten von Perkun, einem Verein für Archäologie und zum Schutz von Militärdenkmälern, legen eine Fundstelle in der Burg Marienwerder frei.
perkun.com.pl

Auf den Spuren der Ordensritter: Experten von Perkun, einem Verein für Archäologie und zum Schutz von Militärdenkmälern, legen eine Fundstelle in der Burg Marienwerder frei.

Die Särge mit den Skeletten waren im Mai 2007 in einer Krypta unter dem Presbyterium der Kathedrale gefunden worden. Nach den nun vorgestellten Erkenntnissen handelt es sich um die Überreste von Werner von Orseln (Großmeister von 1324-1330), Ludolf König (1342-1345) und Heinrich von Plauen (1410-1413). Bei den Skeletten lagen Stücke von Seidenstoff und kostbare Kleiderspangen, was auf Ordensmitglieder von hohem Rang schließen ließ. Die Untersuchung des Sargholzes ergab den Archäologen zufolge, dass es aus derselben Zeit stammt.

Der Deutsche Orden wurde 1190 während des dritten Kreuzzuges ins Heilige Land von Kreuzfahrern aus norddeutschen Hansestädten gegründet. Im Jahr 1226 rief Herzog Konrad von Mazowien den Orden gegen die Preußen und Litauer zu Hilfe. Die Angehörigen des Ritterordens ließen sich in den eroberten Gebieten nieder und errichtete eine Hauptstadt in Marienburg, dem heutigen Malbork in Nordpolen.

Der Deutsche Orden bildete ein eigenes Staatsgebilde mit einem Netz von 120 Festungen. Im Jahr 1410 begann jedoch der Niedergang der Ordensherrschaft in Preußen - und der Aufstieg Polen-Litauens zur europäischen Großmacht: In der Schlacht von Tannenberg (Grunwald) musste sich der Deutschritterorden dem polnisch-litauischen Heer geschlagen geben. Die Schlacht war ein wichtiger Wendepunkt in der polnischen Geschichte, besonders im Verhältnis zu Deutschland. Im 16. Jahrhundert wurde der Deutsche Ritterorden dann säkularisiert, der Ordensstaat zerfiel. Vom wirken der Ordensritter künden aber noch immer ihre großen Kirchen und Burgen, von denen einige zu den größten Backsteinbauten Europas zählen.

chs/AFP



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