Ausgegraben

Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Das blühende Reich im Schatten Ägyptens

Während das alte Ägypten vor 4000 Jahren schwere Krisen durchlebte, erblühte nilaufwärts das Königreich Kerma - dank einer fortschrittlichen Technologie. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: Das Geheimnis um Skelett 180, steinzeitliche Felderdüngung und eine berühmte Festung.

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Bewässerungstechnologie: Besser als die alten Ägypter
Was konnten die Menschen im Königreich Kerma, das die Ägypter nicht konnten? Kanäle bauen. Zu diesem Schluß kamen Geomorphologen von den Universitäten Aberystwyth, Manchester und Adelaide bei jüngsten Untersuchungen im heutigen Nordsudan. In der Bronzezeit war Kerma ein mächtiges Reich, das die große Dürre vor etwa 4200 Jahren weitaus besser meisterte als das alte Ägypten.

Während nilabwärts die Ägypter rund 30 trockene Jahre lang mit Missernten und dadurch bedingten sozialen Unruhen kämpften, überstand Kerma die Dürre relativ unbeschadet. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Geology" berichten die Forscher von ihren Untersuchungsergebnissen.

Das Siedlungsgebiet der Kerma lag oberhalb des zweiten Nilkatarakts. Sie legten ein Kanalsystem an, mit dem sie das Hinterland ausreichend bewässern konnten. "Hier waren die Fluten gerade hoch genug, um die Landwirtschaft zu ermöglichen, aber nicht so hoch, als dass sie die Siedlungen an den Ufern beschädigt hätten", erklärt Jamie Woodward von der University of Manchester. "Es ist erstaunlich, dass die Kerma-Kultur blühen konnte und bemerkenswertes Handwerk und Reichtum produzierte, während im Norden die ägyptischen Rivalen mit umwelttechnischen, sozialen und politischen Problemen kämpften."

Die Wissenschaftler sammelten ihre Daten in tiefen Bewässerungsschächten, die von modernen sudanesischen Bauern gegraben wurden. Ein weiterer Vorteil der Kerma war, dass sie verstärkt Viehwirtschaft betrieben. "Damit waren sie weniger auf den Nilstand angewiesen, mobiler und konnten besser auf Veränderungen der Umwelt reagieren", erklärt Woodward.

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8 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
vhe 06.05.2013
Mogamboguru 06.05.2013
Koda 06.05.2013
thanks-top-info 06.05.2013
meriamun 06.05.2013
oli h 06.05.2013
artusdanielhoerfeld 06.05.2013
dubidui 07.05.2013
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Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
  • Homepage von Angelika Franz

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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.