London - Der junge Teenager hatte einen langen Weg hinter sich, so viel steht fest. Warum er ihn auf sich genommen hatte, das ist hingegen ziemlich unklar. Ein junger Mann, der vor gut 3500 Jahren in der Nähe des rätselhaften Steinkreises Stonehenge beerdigt wurde, stammte aktuellen Forschungsergebnissen zufolge aus dem Mittelmeerraum.
Die chemische Analyse der Zähne verrate die Herkunft des Mannes, erklärte Jane Evans, Chefarchäologin des Britischen Geologischen Dienstes (BGS). Die Strontium- und Sauerstoffisotope im Zahnschmelz geben Aufschluss über die Bodenbeschaffenheit und das Klima der Gegend, in der ein Mensch seine Kindheit und Jugend verbracht hat.
Demnach stammte der schon früher bei Stonehenge entdeckte "Amesbury-Bogenschütze" aus der Kupferzeit 2450 bis 2300 vor Christus höchstwahrscheinlich aus dem deutschen Voralpenraum. Der junge Mann, dessen Skelett in Boscombe Down, rund fünf Kilometer südöstlich von Stonehenge freigelegt worden war, kam hingegen weiter aus dem Süden - aus dem Gebiet des heutigen Spanien, Italien oder Frankreich.
Mit der Radiokarbonmethode hatten Wissenschaftler die Überreste auf die Zeit um 1550 vor Christus datiert, also die frühe Bronzezeit. Der Junge war bei seinem Tod 14 oder 15 Jahre alt. Nach Ansicht der Forscher hatte er eine massive Gehbehinderung. Besonders beeindruckend war freilich sein Schmuck: Er wurde mit einer Kette aus rund 90 Bernsteinperlen um den Hals begraben.
Die Isotopenanalyse in beiden Fällen zeige die unterschiedliche Herkunft der beiden und verdeutliche die Verschiedenartigkeit der Menschen, die von weither in Europa nach Stonehenge gekommen seien, erklärte Evans auf der Web-Seite des BGS.
Das steinzeitliche Monument gilt als frühe bedeutende Kultstätte, obwohl sein genauer Zweck bis heute umstritten ist. Manche Experten vermuten, dass Stonehenge zunächst ein Friedhof war. Bestärkt wurde diese Theorie im Jahr 2009 durch den Fund eines Mini-Stonehenges, das die Forscher "Bluehenge" tauften. In diesem Sommer waren dann ganz in der Nähe von Stonhenge Überreste einer steinzeitlichen Kultstätte aus Holz gefunden worden.
chs/dapd
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