Archäologie: Stonehenge zog schon zur Bronzezeit Touristen an

Stonehenge sehen und sterben - in früheren Zeiten scheint diese Maxime gegolten zu haben. Britische Forscher haben herausgefunden, dass die britische Kultstätte schon in der Bronzezeit Reisende aus großer Entfernung anzog. Einige wurden in der Nähe bestattet.

Bronzezeit-Grab bei Stonehenge: Der 14 bis 15 Jahre alte Junge kam vom Mittelmeer Zur Großansicht
AP / Wessex Archaeology

Bronzezeit-Grab bei Stonehenge: Der 14 bis 15 Jahre alte Junge kam vom Mittelmeer

London - Der junge Teenager hatte einen langen Weg hinter sich, so viel steht fest. Warum er ihn auf sich genommen hatte, das ist hingegen ziemlich unklar. Ein junger Mann, der vor gut 3500 Jahren in der Nähe des rätselhaften Steinkreises Stonehenge beerdigt wurde, stammte aktuellen Forschungsergebnissen zufolge aus dem Mittelmeerraum.

Die chemische Analyse der Zähne verrate die Herkunft des Mannes, erklärte Jane Evans, Chefarchäologin des Britischen Geologischen Dienstes (BGS). Die Strontium- und Sauerstoffisotope im Zahnschmelz geben Aufschluss über die Bodenbeschaffenheit und das Klima der Gegend, in der ein Mensch seine Kindheit und Jugend verbracht hat.

Demnach stammte der schon früher bei Stonehenge entdeckte "Amesbury-Bogenschütze" aus der Kupferzeit 2450 bis 2300 vor Christus höchstwahrscheinlich aus dem deutschen Voralpenraum. Der junge Mann, dessen Skelett in Boscombe Down, rund fünf Kilometer südöstlich von Stonehenge freigelegt worden war, kam hingegen weiter aus dem Süden - aus dem Gebiet des heutigen Spanien, Italien oder Frankreich.

Mit der Radiokarbonmethode hatten Wissenschaftler die Überreste auf die Zeit um 1550 vor Christus datiert, also die frühe Bronzezeit. Der Junge war bei seinem Tod 14 oder 15 Jahre alt. Nach Ansicht der Forscher hatte er eine massive Gehbehinderung. Besonders beeindruckend war freilich sein Schmuck: Er wurde mit einer Kette aus rund 90 Bernsteinperlen um den Hals begraben.

Die Isotopenanalyse in beiden Fällen zeige die unterschiedliche Herkunft der beiden und verdeutliche die Verschiedenartigkeit der Menschen, die von weither in Europa nach Stonehenge gekommen seien, erklärte Evans auf der Web-Seite des BGS.

Das steinzeitliche Monument gilt als frühe bedeutende Kultstätte, obwohl sein genauer Zweck bis heute umstritten ist. Manche Experten vermuten, dass Stonehenge zunächst ein Friedhof war. Bestärkt wurde diese Theorie im Jahr 2009 durch den Fund eines Mini-Stonehenges, das die Forscher "Bluehenge" tauften. In diesem Sommer waren dann ganz in der Nähe von Stonhenge Überreste einer steinzeitlichen Kultstätte aus Holz gefunden worden.

chs/dapd

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Tourist?
fridericus1 29.09.2010
Da gibt es aber auch noch die Möglichkeit einer anderen Erklärung: Sklave, gekauftes Menschenopfer, Kriegsgefangener ... Es erscheint mir doch sehr unwahrscheinlich, dass ein gehbehinderter Mittelmeerraumbewohner die Strapazen einer damaligen Reise nach Britannien (inkl. Überquerung des Kanals in einem damaligen Boot) freiwillig gemacht habt.
2. Die Menschen damals waren sicher nicht so fußfaul wie wir heute.
Kabe 29.09.2010
Mir kommt es immer seltsam vor, dass man immer mehr oder weniger annimmt, dass die Menschen früher nur auf der eigenen Scholle lebten, wo wir doch für den Großteil der uns bekannten Geschichte das Gegenteil kennen. Sobald es Vorräte irgendwelcher Art und Handel gab, ist der Aktionsradius doch letzlich nur noch durch die Verkehrsmittel begrenzt. Sicher dauerten die Reisen dann auch Monate und Jahre, aber man hatte es auch nicht eilig.
3. Stimmt - Das Beste -beispiel...
seppiverseckelt 29.09.2010
Zitat von KabeMir kommt es immer seltsam vor, dass man immer mehr oder weniger annimmt, dass die Menschen früher nur auf der eigenen Scholle lebten, wo wir doch für den Großteil der uns bekannten Geschichte das Gegenteil kennen. Sobald es Vorräte irgendwelcher Art und Handel gab, ist der Aktionsradius doch letzlich nur noch durch die Verkehrsmittel begrenzt. Sicher dauerten die Reisen dann auch Monate und Jahre, aber man hatte es auch nicht eilig.
... für Ihre These ist ja bekanntlich ÖTZI ! welcher Ethnie gehörte der an bzw. welch weiten Weg ist der gegangen ?? 1.) Österreicher kann er nicht gewesen sein- schliesslich hat man Hirn gefunden ... 2.) Italiener kann er auch nicht gewesen sein- schliesslich kannte er schon Pfeil und Bogen ... 3.) Schweizer hätte er unter Umständen eventuell sein können -schliesslich wurde er sogar von einem Gletscher überholt... 4.) aaaber letztlich gelangt man doch zum Schluss dass Ötzi ein Japanischer Tourist war- schliesslich war er mit Sandalen im Hochgebirge ... ^^ ^^ ^^
4. Au, der ist guuuut...
Kamillo 29.09.2010
Zitat von seppiverseckelt... für Ihre These ist ja bekanntlich ÖTZI ! welcher Ethnie gehörte der an bzw. welch weiten Weg ist der gegangen ?? 1.) Österreicher kann er nicht gewesen sein- schliesslich hat man Hirn gefunden ... 2.) Italiener kann er auch nicht gewesen sein- schliesslich kannte er schon Pfeil und Bogen ... 3.) Schweizer hätte er unter Umständen eventuell sein können -schliesslich wurde er sogar von einem Gletscher überholt... 4.) aaaber letztlich gelangt man doch zum Schluss dass Ötzi ein Japanischer Tourist war- schliesslich war er mit Sandalen im Hochgebirge ... ^^ ^^ ^^
Au ja, sehr schön!
5. Pilgerfahrt?
Teile1977 29.09.2010
Zitat von fridericus1Da gibt es aber auch noch die Möglichkeit einer anderen Erklärung: Sklave, gekauftes Menschenopfer, Kriegsgefangener ... Es erscheint mir doch sehr unwahrscheinlich, dass ein gehbehinderter Mittelmeerraumbewohner die Strapazen einer damaligen Reise nach Britannien (inkl. Überquerung des Kanals in einem damaligen Boot) freiwillig gemacht habt.
Nun ja, eine Pilgerfahrt zu einem Heiligtum um von seiner Krankheit zu genesen? So wie heute der Jakobsweg.
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