Ausgegraben

Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Tutanchamuns geheimnisvolle Mutter

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5. Teil: +++ Fahrstuhl in Yorks Vergangenheit +++

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Fahrstuhl in Yorks Vergangenheit: Multikulti in der "dunklen Zeit"
Fahrstuhl in Yorks Vergangenheit

Die Zeit zwischen dem Abzug der Römer im 5. Jahrhundert und der Ankunft der Normannen im Jahr 1066 gilt in England als die "dunklen Jahrhunderte".

Nun hat eine Ausgrabung für einen Fahrstuhlschacht im York Minster ein kleines, aber fundreiches Fenster in diese Zeit geöffnet und etwas Licht in die Dunkelheit bringen können. Unter den Funden waren Knochen aus der Wikingerzeit, normannische Fundamente und eine extrem seltene angelsächsische Münze. Bei der Münze handelt es sich um eine sceatta, eine Silbermünze. Sie wurde für den Erzbischof Eanbald geprägt, der Verbindungen an den Hof Karls des Großen hatte. Die Münze ist so gut erhalten, dass sie wahrscheinlich niemals im Umlauf war. Daraus schließen die Archäologen, dass in unmittelbarer Nähe der Fundstätte geprägt wurde.

Die Münzstätte und der sie umgebende Reichtum könnte die Wikinger in großer Zahl nach York gelockt haben. In den folgenden Jahren ließen sie sich in der Stadt nieder und handelten fleißig mit den Angelsachsen: York war für seine anglo-skandinavische Mischkultur bekannt. Die Wikinger waren es auch, die der Stadt schließlich den heutigen Namen gaben. Die Römer hatten sie noch Eboracum genannt, wahrscheinlich nach dem keltischen Wort *Eborko- für Eibenbäume. Unter den Angelsachsen wurde daraus die Eoforwic, die "Siedlung der Eber". Die Skandinavier aber nannten sie Jórvik - "Pferdebucht".

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16 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
Meskiagkasher 17.02.2013
eschoe 17.02.2013
anchesenamun 17.02.2013
thea666 17.02.2013
ostborn 17.02.2013
uncool.ch 17.02.2013
nenntmichismael 17.02.2013
hans_herodot 17.02.2013
hans_herodot 17.02.2013
kommentariat 18.02.2013
thea666 18.02.2013
mulcahy@gmx.at 18.02.2013
mulcahy@gmx.at 18.02.2013
mulcahy@gmx.at 18.02.2013
thea666 18.02.2013
spon-facebook-10000363349 21.02.2013
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Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
  • Homepage von Angelika Franz

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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.