Ausgegraben

Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Nach dem Fell kamen die Farben

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2. Teil: +++ Vogelkult in Neufundland +++


Rätselhafter Kult: Die Beothuk gelten als große Vogelfreunde Zur Großansicht
British Library/ Robana via Getty Images

Rätselhafter Kult: Die Beothuk gelten als große Vogelfreunde

Neufundland ist sowohl auf dem Land als auch in den Gewässern reich an nahrhaften Tieren: Karibu zum Beispiel oder Seehunde. Doch wie jüngere archäologische Untersuchungen von Abfallhaufen der Beothuk zeigen, hatten diese offenbar eine Vorliebe für Tiere, die ausgerechnet die Luft bevölkern: für Vögel.

Die letzte Beothuk starb 1829, so dass die Anthropologen heute nur noch die archäologischen Hinterlassenschaften des Volkes haben, um ihr Leben zu untersuchen. Und als sie die überraschende Vorliebe der Beothuk für Vögel im Kochtopf festgestellt hatten, begannen sie auch in anderen Bereichen immer mehr Vögel zu entdecken. In der aktuellen Ausgabe des "Cambridge Archaeological Journal" beschreiben Todd Kristensen von der University of Alberta und sein amerikanischer Kollege Donald Holly den Vogelkult der Beothuk. Die Anhänger, die die Beothuk ihren Toten mit ins Grab geben, waren zwar aus Karibu-Knochen geschnitzt - zeigten aber oft Motive wie Vogelfüße oder Federn, die eindeutig von fliegenden Kreaturen inspiriert waren.

"Warum sollte man Seevögel abbilden, wenn es doch Bären und Wölfe und Seehunde und Wale gab?", fragten sich die Forscher. Nach Antworten suchten sie in der Glaubenswelt der Beothuk: "Auch wenn eine watschelnde Ente vielleicht kein glamouröses Tier ist, bedeutete sie doch viel für die Beothuk, weil sie sich mühelos von einer Welt zur nächsten bewegte - von Wasser zu Luft." Die Vögel, meinen die Wissenschaftler, seien "spirituelle Botschafter", die die Seelen der Toten ins Nachleben hinübertragen würden. G

enau werden wir allerdings nie wissen können, welche Rolle die Vögel bei den Beothuk tatsächlich spielten. Nachdem der anglo-italienische Entdecker John Cabot im Jahr 1497 seinen Fuß auf neufundländischen Boden gesetzt hatte, war das Volk in der Folgezeit den Krankheitserregern ausgesetzt, die Portugiesen, Franzosen und Briten in das Gebiet des heutigen Kanada einschleppten. "Archäologen gehören jetzt mit zu den wenigen, die den Beothuk noch ihre Geschichte wiedergeben können", sagt Kristensen.

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22 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
Layer_8 24.02.2013
kulinux 24.02.2013
BettyB. 24.02.2013
terviseks 24.02.2013
terviseks 24.02.2013
skaiser5 24.02.2013
Layer_8 24.02.2013
Tiananmen 24.02.2013
Tiananmen 24.02.2013
pp0813 24.02.2013
phobos81 24.02.2013
weltenfalter 25.02.2013
Layer_8 25.02.2013
Miere 25.02.2013
Greyjoy 25.02.2013
spon-facebook-10000363349 25.02.2013
Mario_4815162342 25.02.2013
mulcahy@gmx.at 25.02.2013
mulcahy@gmx.at 25.02.2013
mulcahy@gmx.at 25.02.2013
mulcahy@gmx.at 25.02.2013
kuestengucker 07.04.2013
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Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
  • Homepage von Angelika Franz

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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.