Ausgegraben

Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Nach dem Fell kamen die Farben

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4. Teil: +++ Äxte der Anarchie +++


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Waffentechnologie: Äxte der Anarchie
Als das Weströmische Reich zusammenbrach, änderte sich so einiges - sogar im abgelegenen Skandinavien. Das fand die Archäologin Ingrid Ystgaard von der Norwegian University of Science and Technology heraus, als sie die materiellen Hinterlassenschaften der Zeit studierte.

Zwischen 400 und 600 nach Christus waren einfache Befestigungen aus Stein auf Hügelkuppen oder anderen einfach zu verteidigenden Orten populär. Dann aber wurden sie plötzlich wieder aufgegeben. Ystgaard fragte sich, warum. Auf die Spur einer möglichen Antwort kam sie in den Gräbern jener Zeit. Denn um 500 begann sich die Bewaffnung der Krieger zu ändern. Vorher entsprachen die Waffen eines Germanen in etwa denen eines römischen Legionärs. "Die Waffentechnologie des Römischen Reiches setzte den Standard nicht nur in den Provinzen, sondern auch im freien Germanien und in Skandinavien", erklärt die Forscherin auf der skandinavischen Wissenschaftsplattform "ScienceNordic".

Zum Standard gehörten ein zweischneidiges Schwert, Lanzen, Speere und Schilde. Mit dieser Ausrüstung ließen sich kriegerische Auseinandersetzungen führen, bei denen sich zwei Armeen gegenüberstanden, die nach mehr oder weniger festen Regeln kämpften. Zunächst kamen die Speere zum Einsatz, dann die Lanzen, zum Schluss im Nahkampf das Schwert.

Als sich das Weströmische Reich auflöste, änderten sich auch die Konflikte. Aus organisierten Schlachten wurden überfallartige Scharmützel. Oft waren das Ziel der Aggressionen auch gar keine fremden Armeen mehr, sondern benachbarte Gruppen. Damit wurden um das Jahr 500 die Äxte populär, wie an den Gräberfunden abzulesen ist. Diese Waffe, die auch als Werkzeug gebraucht werden kann, steht für eine ganz andere Art von Kampfhandlungen. Es herrschte kein geordneter Kampf mehr, sondern kleinteilige Anarchie.

Zumindest für ein weiteres Jahrhundert, bis die Befestigungen wieder aufgegeben werden. Um das Jahr 600 scheint die Lage sich wieder beruhigt zu haben - die Herrschaft lag wieder in der Hand von Wenigen, die aber über größere Gebiete herrschten. Erste kleine Königreiche bildeten sich heraus, die Zeit der Axt war vorüber.

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22 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
Layer_8 24.02.2013
kulinux 24.02.2013
BettyB. 24.02.2013
terviseks 24.02.2013
terviseks 24.02.2013
skaiser5 24.02.2013
Layer_8 24.02.2013
Tiananmen 24.02.2013
Tiananmen 24.02.2013
pp0813 24.02.2013
phobos81 24.02.2013
weltenfalter 25.02.2013
Layer_8 25.02.2013
Miere 25.02.2013
Greyjoy 25.02.2013
spon-facebook-10000363349 25.02.2013
Mario_4815162342 25.02.2013
mulcahy@gmx.at 25.02.2013
mulcahy@gmx.at 25.02.2013
mulcahy@gmx.at 25.02.2013
mulcahy@gmx.at 25.02.2013
kuestengucker 07.04.2013
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Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
  • Homepage von Angelika Franz

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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.