Ausgegraben

Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Nach dem Fell kamen die Farben

Wie alt ist die Kunst des Tätowierens? So alt wie der Verlust unserer Ganzkörperbehaarung, meint eine Anthropologin. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: der Befehl zur Verhaftung des "Fürsten der Dunkelheit", ein neufundländischer Vogelkult und die Rückkehr eines Paar Skier in die Antarktis.

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Tattookunst: Es begann mit dem Verlust des Fells
Wann begannen die Menschen, ihre Haut zu tätowieren? Dieser Frage ging die Anthropologin Nina Jablonski von der Penn State University auf dem Jahrestreffen der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in Boston nach. Vor 1,5 bis zwei Millionen Jahren verloren unsere Vorfahren ihr Fell. Und nutzen schon bald darauf die frei gewordene Fläche als Leinwand, meint Jablonski. Mit den Körperbemalungen verfolgten sie vornehmlich zwei Ziele: das andere Geschlecht zu beeindrucken oder Gruppenzugehörigkeit zu demonstrieren.

Frauen nutzen die Körperbemalung, um sich attraktiver zu machen, zum Beispiel durch die eine scheinbare Vergrößerung der Augen. "Wir können so visuell beeindrucken und einen gänzlich anderen Eindruck hinterlassen als mit undekorierter Haut", sagte die Anthropologin. Doch während Knochen sich lange Zeit erhalten, vergeht Haut relativ schnell - und damit ist der Nachweis von permanenten Tätowierungen und temporären Bemalungen nur schwer zu erbringen.

Indirekte Anzeichen für Körperbemalung gibt es schon sehr früh. So fanden Archäologen beispielsweise eine 100.000 Jahre alte "Werkstatt" zur Herstellung von Farbe in der südafrikanischen Blombos Höhle. In Muscheln hatten die Menschen dort Ocker als Farbe zubereitet und gelagert. Sie vermischten das Pigment mit Fett, Knochenmehl, Quarz und Holzkohle. Die Wände der Höhle waren jedoch nicht bemalt - daraus könnte man schließen, dass die Farbe zur Bemalung von Haut diente.

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22 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
Layer_8 24.02.2013
kulinux 24.02.2013
BettyB. 24.02.2013
terviseks 24.02.2013
terviseks 24.02.2013
skaiser5 24.02.2013
Layer_8 24.02.2013
Tiananmen 24.02.2013
Tiananmen 24.02.2013
pp0813 24.02.2013
phobos81 24.02.2013
weltenfalter 25.02.2013
Layer_8 25.02.2013
Miere 25.02.2013
Greyjoy 25.02.2013
spon-facebook-10000363349 25.02.2013
Mario_4815162342 25.02.2013
mulcahy@gmx.at 25.02.2013
mulcahy@gmx.at 25.02.2013
mulcahy@gmx.at 25.02.2013
mulcahy@gmx.at 25.02.2013
kuestengucker 07.04.2013
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Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
  • Homepage von Angelika Franz

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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.