Aspirin Eine kriminelle Geschichte?

Bisher galt Felix Hoffmann als Entdecker der "Wunderpille" Aspirin. Ein britischer Wissenschaftler behauptet jetzt, das entspreche nicht der Wahrheit.


Eine Aspirinflasche von 1899
DPA

Eine Aspirinflasche von 1899

London - Der jüdische Chemiker Arthur Eichengrün sei für die Entdeckung der Azetylsalizylsäure, besser bekannt als Aspirin, maßgeblich verantwortlich, sagte Walter Sneader von der schottischen Universität Strathclyde am Montag. Eichengrüns Junior-Partner Felix Hoffmann habe die Entdeckung während der Naziherrschaft 1934 zu Unrecht für sich in Anspruch genommen. Hoffmann sei es 1897 zwar als erstem gelungen, den chemischen Stoff zu synthetisieren, aber das nur unter der Anleitung von Eichengrün. Ausserdem habe Hoffmann bei der Synthese von Aspirin Methoden angewendet, die sein Chef entwickelt hatte.

Sneader ist Experte für Medikamentengeschichte. Er hatte mit Erlaubnis der Firma Bayer Laboraufzeichnungen von Felix Hoffmann ausgewertet. Seinen Recherchen zufolge haben die Nationalsozialisten Eichengrün mit erpresserischen Methoden daran gehindert, gegen den Diebstahl seiner Erfindung vorzugehen: Sie drohten ihm mit Rausschmiss aus der eigenen Firma und machten ihn so mundtot. Später kam er ins KZ.

1949 versuchte Eichengrün erneut, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Seine Bemühungen blieben jedoch erfolglos, da er noch im gleichen Monat verstarb. "Meine Hoffnung ist, dass der Mann, der wirklich für die Entdeckung von Aspirin verantwortlich ist, die Anerkennung bekommt, die er verdient", sagte Sneader.

Die Geschichte des Medikaments Aspirin ist eine der großen Erfolgsstorys dieses Jahrhunderts. Seit der Einführung im Jahre 1899 wurden schätzungsweise eine Billion Aspirinpillen eingenommen, um Kopfschmerzen und Fieber zu stillen. Das Medikament wird auch gegen Rheuma und neuerdings als blutgerinnungshemmendes Mittel angewendet.



© SPIEGEL ONLINE 1999
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.