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Asse: Insgesamt 200 Störfälle bei Atommüll-Einlagerung

Jahrelang wurden Störfälle in Atommüllager Asse bestritten. Doch eine nun bekannt gewordene Liste beweist, dass es beim Einlagern von Fässern über die Jahre rund 200 Mal problematische Ereignisse gegeben hat.

Wolfenbüttel - Meistens waren die Probleme mit radioaktiven Kontaminationen unter oder über Tage verbunden. Das zeigt eine Liste mit dem Titel "Betriebsstörungen bei der Einlagerung", die das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) am Dienstag öffentlich gemacht hat. Erstellt hatte das Dokument noch der frühere Betreiber der Asse, das Helmholtz Zentrum München. Seit Beginn dieses Jahres betreibt das BfS das Atommülllager.

Atommüll in der Asse (Archivbild): "Kontamination durch auslaufende Flüssigkeiten auf der 750-Meter-Sohle"
DDP

Atommüll in der Asse (Archivbild): "Kontamination durch auslaufende Flüssigkeiten auf der 750-Meter-Sohle"

Das Dokument listet Störfälle aus den Jahren 1968-1980 in Stichworten auf. So heißt es unter dem Datum 04.12.1969: "Nukem-Fass Nr.256 mit Loch (Durchmesser 10 cm) im Fassmantel." Für den 19.01.1971 wird eine "Kontamination durch auslaufende Flüssigkeiten auf der 750-Meter-Sohle" beschrieben. Am 04.02.1971 wurde eine "Kontamination an den Fassklammern der Gabelstapler über und unter Tage durch äußerliche Kontamination an Fässern von HMI, Berlin" festgestellt.

In zahlreichen weiteren Fällen wurden Fahrzeuge, Werkzeuge und Arbeitskleidung radioaktiv verstrahlt, mehrmals auch "Schachthallensohlen" und der Förderkorb kontaminiert. Am 10.04.1972 trat aus einem vom Kernkraftwerk Obrigheim angelieferten Fass eine "dicke, gelbgrüne Flüssigkeit" aus. Am 04.03.1974 hieß es: "Fahrer des Wieger-Teleskopbaggers kontaminiert an Kleidung und Haaren." In der Zeit vom 15.04. bis 29.10.1980 wurden 1725 Fässer in andere Kammern umgelagert: "Bei einer dieser Umlagerungsaktionen platzte am 10.09.1980 das Fass, das am 12./13.12.1978 vom KGB Gundremmingen geliefert wurde."

Die Liste datiert vom 15. Dezember 2008. Für ihre Erstellung wertete das Helmholtz Zentrum nach eigenen Angaben unter anderem sogenannte Fasskontrollbücher, Akten des Strahlenschutzes sowie Berichte über Kontaminationen aus.

Grüne fordern neuen Statusbericht

Mit Blick auf die Störfallliste forderten die Grünen im niedersächsischen Landtag Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) auf, einen neuen Statusbericht zur Asse vorzulegen. Offensichtlich seien die bislang vom Ministerium vorgelegten Papiere unvollständig und irreführend, sagte Fraktionschef Stefan Wenzel.

Das ehemalige Salzbergwerk Asse II war von 1967 bis 1978 offiziell als Forschungsendlager genutzt worden, um verschiedene Lagertechniken zu erproben. Auf direktem oder indirektem Weg landete so Müll aus quasi jedem westdeutschen Atomkraftwerk tief unter dem Boden Niedersachsens. Dabei war offenbar von Anfang an klar, dass die einmal eingebrachten Abfälle nicht wieder aus dem Berg entfernt werden sollen.

Bis Ende des Jahres soll das Bundesamt für Strahlenschutz einen neuen Vorschlag machen, wie ein Schließungskonzept für die Asse aussehen könnte. Prinzipiell gibt es drei Möglichkeiten: Das Verfüllen des maroden Gesteins mit Beton und anschließender Flutung, die Umlagerung von Atommüll in tiefere und damit weniger gefährdete Teile des Bergwerks oder die Rückholung der strahlenden Fracht ans Tageslicht - mit späterer Einlagerung im benachbarten Endlager Schacht Konrad. Was auch immer passieren wird, klar scheint, dass der Bund alleine auf den Milliardenkosten für die Sanierung der Asse sitzen bleiben dürfte.

chs/ddp

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