Atempause: Silvesternacht dauert eine Sekunde länger
In der kommenden Silvesternacht wird eine Schaltsekunde eingefügt. So wird ausgeglichen, dass sich die Erde nicht ganz so schnell dreht, wie Atomuhren ticken. Dabei rotiert sie im Moment sogar schneller als normal - wegen Erdbeben und Wetterphänomenen.
Im Allgemeinen dreht sich der Planet ein kleines bisschen zu langsam. Deshalb hält man in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig am 1. Januar um 0:59:59 Uhr gewissermaßen für einen Augenblick die Zeit an: Eine sogenannte Schaltsekunde wird eingefügt, um die gemessene Zeit der Erddrehung anzupassen.
Atomuhr der PTB Braunschweig (Archivbild): Die Erde hinkt hinterher
Dennoch liegt die jüngste Schaltsekunde bereits sechs Jahre zurück - wiederum aufgrund der Rotationsgeschwindigkeit unseres Planeten. "In den letzten Jahren drehte sich die Erde etwas schneller", erläutert Wynands. Der Grund für die außergewöhnlich flotte Erddrehung seien Erdbeben und Wetterphänomene. Sie beeinflussen neben Ebbe und Flut die Rotationsgeschwindigkeit. "Das große Erdbeben, das den Tsunami vor einem Jahr auslöste, zeigte sich letztlich auch in einem Sprung der Erddrehung", erklärt Wynands. Ebenso habe der Sturm "El Niño" Zeit-Spuren hinterlassen.
Funkuhr-Besitzern fliegt die Sekunde zu
Bei der Einführung der Schaltsekunde im Jahr 1972 war die globale Atempause besonders lang: 10 Sekunden wurden damals in die Zeit eingefügt. Die diesjährige Schaltsekunde ist inzwischen der 22. weltweite Uhrenstopp.
Taktgeber ist die Zeit im Londoner Stadtteil Greenwich, wo die Schaltsekunde um Mitternacht eingefügt wird. In Deutschland ist es auf Grund der Zeitverschiebung ein Uhr nachts, in Amerika bleiben die Funkuhren bereits am frühen Abend für eine Sekunde stehen. In Deutschland steht die impulsgebende Atomuhr in Mainflingen bei Frankfurt am Main. Besitzern von Funkuhren flattert die zusätzliche Sekunde völlig unbemerkt ans Handgelenk.
Die Entscheidung über Schaltsekunden trifft der Internationale Erd-Rotations-Service in Paris (IERS). Er verfolgt die Drehung der Erde über astronomische Messungen. Weltweit 50 Zeitinstitute, darunter auch das Zeitlaboratorium der PTB, arbeiten mit dem IERS zusammen, um schließlich die genaue Zeit zu bestimmen. Und zu entscheiden, wann die Zeiger das nächste Mal gestoppt werden.
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