Atommüll-Entsorgung Asse war als AKW-Endlager ausgewiesen

Das Atommülllager Asse war nach Einschätzung der Grünen von Anfang an als Endlager konzipiert. Nach SPIEGEL-Informationen diente das mittlerweile einsturzgefährdete Bergwerk der Atomindustrie bis in die achtziger Jahre als Entsorgungsnachweis für radioaktiven Müll.


Hamburg - Offiziell wurde die Asse stets als reine Forschungsanlage deklariert. Doch zahlreiche atomrechtliche Genehmigungen sprechen eine andere Sprache. In den Unterlagen für das Kraftwerk Krümmel bei Hamburg hieß es nach SPIEGEL-Informationen in den siebziger Jahren aber, die Kapazitäten des Bergwerks als Endlager reichten bis weit über das Jahr 2000. In Dokumenten zu den Atomkraftwerken in Biblis wurde darauf verwiesen, dass in der Asse auch "hochaktive Materialien für Jahrhunderte gelagert werden" könnten.

Sylvia Kotting-Uhl, umweltpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Grünen, hatte die Genehmigungen vom Bundesumweltministerium angefordert. Die Dokumente zeigen auch, dass Asse intern als "Versuchsanlage für Gorleben" galt. Kotting-Uhl wertet die Unterlagen als Beleg dafür, dass Asse II "von Anfang an ein deklariertes Endlager" gewesen sei. Zudem seien die Behauptungen von CDU und SPD widerlegt, es gebe keine Verbindung der Asse zum Salzstock Gorleben.

"Es ging vor allem um billige Entsorgung von Atommüll"

Gorleben ist ein möglicher Standort für ein Endlager für hoch radioaktiven Atommüll. Der Salzstock wird bereits seit Ende der siebziger Jahre auf seine Tauglichkeit untersucht. Im Jahr 2000 wurden die Arbeiten unterbrochen, das Moratorium gilt für höchstens zehn Jahre. Während die Energiewirtschaft, Union und FDP auf eine Fortsetzung der Arbeiten drängen, wollen SPD und Grüne auch andere Standorte prüfen lassen.

Das Atommülllager Asse II ist mittlerweile einsturzgefährdet. Nach diversen Pannen und Versäumnissen unter dem vorherigen Betreiber Helmholtz-Zentrum hatte das Bundesamt für Strahlenschutz zum Jahresbeginn die Verantwortung für die Lagerung der rund 126.000 Fässer Atommüll in dem maroden Salzbergwerk übernommen.

Für das Einlagern ihres Atommülls in der Asse haben Kernforschungszentren, Energieversorger und andere Anlieferer nach einem Bericht der "Braunschweiger Zeitung" lange Zeit nicht einmal bezahlen müssen. Laut einer Aufstellung des Bundesumweltministeriums wurden insgesamt nur rund 16,5 Millionen Mark (8,44 Millionen Euro) bezahlt. Von 1967 bis 1975 seien keine Gebühren für das Einlagern von radioaktiven Abfällen in der Schachtanlage Asse II erhoben worden. Bis dahin sei bereits die Hälfte der Fässer eingelagert gewesen.

"Bei der Asse ging es von Anfang an vor allem um billige Entsorgung von Atommüll", sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) der Zeitung. "Aus allen kommerziellen Atomkraftwerken in Deutschland wurde seinerzeit Müll zu Spottpreisen in die Asse gekarrt." Mit einer Brennstoffsteuer auf Uran könnten die Mitverursacher der Probleme in der Asse aber indirekt zur Finanzierung der Sanierungskosten herangezogen werden, sagte er.

hda/dpa/ddp



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