SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

26. Mai 2017, 16:48 Uhr

Studie zu Vorurteilen

Attraktive Forscher erscheinen weniger kompetent

Blond gleich blöd? Auch bei Wissenschaftlern haben wir Vorurteile. Eine Studie zeigt: Wir hängen gut aussehenden Forschern an den Lippen. Aber wir nehmen sie nicht so ernst.

Gut aussehende Wissenschaftler werden als weniger kompetent angesehen. Auf diese Kurzform lässt sich eine Studie von Forschern der Universitäten Cambridge und Essex bringen.

Weil Wissenschaftler immer stärker im Rampenlicht stehen, untersuchten die Forscher, wie Testpersonen den Zusammenhang zwischen Aussehen und wissenschaftlicher Kompetenz bewerten. Dabei kam heraus, dass Menschen die Arbeit eines attraktiven Wissenschaftlers zwar eher interessant finden - seine weniger attraktiven Kollegen aber für die besseren Forscher halten.

"Bei Themen wie Klimawandel, Nachhaltigkeit bei Lebensmitteln und Impfungen, die einen wichtigen Einfluss auf die Gesellschaft haben, müssen Wissenschaftler verstärkt mit der Öffentlichkeit kommunizieren", sagt Will Skylark vom Psychologie-Department der Universität Cambridge, der die Studie geleitet hat.

Es gebe Studien, die zeigten, dass politischer Erfolg anhand der Physiognomie von Menschen vorhergesagt werden könne. "Menschen können stärker vom Aussehen einer Person beeinflusst werden als von dem, was sie sagt. Wir wollten sehen, ob das auch für Wissenschaftler gilt."

Attraktive Menschen rufen mehr Interesse hervor

Für ihre Studien haben die Forscher Fotos von insgesamt mehr als 600 Wissenschaftlern von verschiedenen Universitäten aus den USA und Großbritannien zusammengestellt. Sie wollten herausfinden,

Dazu befragten sie eine Gruppe der Studienteilnehmer, wie sie die Personen nach Kriterien wie Attraktivität, Intelligenz, Integrität und dem angenommenen Alter bewerten. Zwei weitere Gruppen mussten angeben, wie interessiert sie daran wären, mehr über die wissenschaftliche Arbeit der betreffenden Personen zu erfahren oder wie sehr die Personen danach aussehen würden, akkurate und wichtige Forschung zu betreiben.

Bei den Befragungen kam heraus, dass die Leute mehr an der Arbeit von Wissenschaftlern interessiert waren, die als attraktiv gelten sowie kompetent und integer erscheinen. Das Interesse an den Themen war bei älteren Wissenschaftlern leicht höher und bei Frauen leicht geringer.

Äußere Erscheinung Quell für Vorurteile

Bei der Frage, ob Wissenschaftler qualitativ hochwertige Arbeit leisten würden, achteten die Studienteilnehmer mehr auf Merkmale wie Kompetenz und Integrität. Je attraktiver eine Person eingestuft wurde, desto weniger betrachteten die Testpersonen sie als Wissenschaftler, der gute Forschung betreibe.

Die äußere Erscheinung sei ein wichtiger Quell für Vorurteile, heißt es in der Studie. Viele Menschen würden Wissenschaftskommunikation als eine Form von Unterhaltung ansehen. Dabei seien emotionale Wirkung und ästhetisches Erscheinungsbild der Wissenschaftler wünschenswerte Merkmale.

Attraktivität werde bei der Kommunikation geschätzt, sage aber nichts über den Erfolg der Forschung aus und könnte sogar kontraproduktiv sein, wenn es darum gehe, ob die Arbeit von der Öffentlichkeit ernst genommen werde, heißt es weiter.

"Es scheint, als nutzen die Menschen Gesichtsmerkmale als eine Informationsquelle, wenn sie Wissenschaftsnachrichten auswählen und beurteilen", sagt Skylark. Noch sei unklar, wie stark die Verbreitung und Akzeptanz wissenschaftlicher Ideen in der Gesellschaft davon beeinflusst werde. Aber das rasante Wachstum bei visuellen Medien bedeute, dass das Thema immer wichtiger werde.

brt

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH