Ausgegraben - Neues aus der Archäologie: Tsunami entlastet Poseidon

Von Angelika Franz

4. Teil: +++ Dicker Abt mit Stachelring +++

Fotos
DPA

In der Hand hielt er noch den Bischofsstab, am Finger steckte sein Ring: In der Abtei von Furness haben Archäologen das unberührte Grab eines Abtes aus dem 12. Jahrhundert gefunden. Der Tote gehörte dem Zisterzienserorden an, der damals der mächtigste Orden Englands war - mit Furness als der wichtigsten Abtei.

Der Tote war demnach zu seiner Zeit einer der mächtigsten Männer Englands. Mächtig war auch sein Körper: Wahrscheinlich war er zu seinen Lebzeiten stark übergewichtig. Zwischen seinen Wirbel sind Verwachsungen, wie sie typisch sind für Fettleibigkeit. Auch die Position seiner Arme im Grab deutet auf einen gewissen Leibesumfang hin - sie lagen nicht auf der Brust gekreuzt, sondern an den Seiten des Körpers.

Der Abt starb im Alter von 40 bis 50. Sein Bischofsstab ist ein Kunstwerk: Den Kopf zieren vergoldete Medaillons, auf denen der Erzengel Michael einen Drachen besiegt. Auch der Ring ist aus vergoldetem Silber. Unter dem großen Bergkristall oder weißen Saphir ist eine kleine Geheimkammer versteckt - womöglich für einen Knochensplitter oder Haare eines Heiligen. Die Kammer drückt den Träger allerdings als Stachel ins Fleisch.

Die Abtei von Furness ist auch für ihre Geister bekannt. Ob es sich bei dem Toten um einen von ihnen handelt, lässt sich allerdings nicht klären: "Ich würde diesen Geistergeschichten gerne einen Riegel vorschieben und die Aufmerksamkeit auf die Realität lenken", kommentiert Susan Harrison von der Denkmalpflegeorganisation English Heritage. Stab und Ring werden am kommenden Wochenende, den britischen Bank Holidays, erstmals in der Abtei ausgestellt.

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1. Natürlich war es Poseidon
hannnns 29.04.2012
Wer außer Poseidon hatte denn 479 v.Chr. das Recht und die Macht, in der Ägäis Tsunamis auszulösen? und insbesondere genau zum richtigen Zeitpunkt.
2. Klar war das Poseidon
4waystreet 29.04.2012
Zitat von hannnnsWer außer Poseidon hatte denn 479 v.Chr. das Recht und die Macht, in der Ägäis Tsunamis auszulösen? und insbesondere genau zum richtigen Zeitpunkt.
Er vergnügte sich mit Aphrodite. Das schlug damals schon hohe Wellen.
3. Enkelados
gothograecus 29.04.2012
Zitat von hannnnsWer außer Poseidon hatte denn 479 v.Chr. das Recht und die Macht, in der Ägäis Tsunamis auszulösen? und insbesondere genau zum richtigen Zeitpunkt.
Sie irren. Für Beben war der unter der Erde schlummernde Gigant Enkelados zuständig. Übrigens ist das mit dem Tsunami auch nichts neues. Reicherter hat lediglich Belege geliefert.
4. So so
gothograecus 29.04.2012
Zitat von sysopDPADer Meeresgott Poseidon war unschuldig am Tod einer persischen Armee, Steinzeitler aßen Elefanten bis auf das letzte Knochenstück, in Peru blieben Familien auch im Tod zusammen. Ein Überblick über neue Entdeckungen aus der Archäologie. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,830299,00.html
Komische Weltsicht. "Unschuldig am Tod einer persischen Armee" und vom "Tsunami entlastet". Seit wann gilt die Vernichtung einer Invasionsarmee als unmoralisch oder gar als Delikt?
5.
Kuppelbauer 29.04.2012
Zitat von sysopDPADer Meeresgott Poseidon war unschuldig am Tod einer persischen Armee, Steinzeitler aßen Elefanten bis auf das letzte Knochenstück, in Peru blieben Familien auch im Tod zusammen. Ein Überblick über neue Entdeckungen aus der Archäologie. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,830299,00.html
Genau! Dann war Poseidon wohl auch unschuldig an Odysseus' Irrfahrten. Seltsam, was diese Wissenschaftler sich so aus den Fingern saugen... ;)
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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.