Von Angelika Franz
Im Tod lagen sie eng zusammen: 41 Männer und Frauen teilten sich sechs Gräber in 400 Metern Höhe an der windigen Flanke des Berges Cora Cora im Süden Perus. Sie haben auch im Leben vieles miteinander geteilt, wie Forscher von der Universität Warschau und der peruanischen Universidad Catolica de Santa Maria jetzt herausgefunden haben. Bevor die Europäer nach Südamerika kamen, organisierten sich die Menschen dieser Region in sogenannten Ayllu, einer Art Familienverband. Sie nutzen ihr Land gemeinschaftlich und teilten sich auch andere Verantwortlichkeiten. Ihre Toten bestatteten sie in Chullpas - Gemeinschaftsgräber von bis zu zwei Metern Höhe. Die Ergebnisse der Erbgut-Untersuchungen sprechen dafür, dass jeweils eine Ayllu die Toten in einer Chullpas bestattete - und zwar über mehrere Generationen hinweg.
Die Familienbande wurden dabei offenbar über die Männer definiert - die ihre Schwestern mit anderen Ayllus tauschten. Zwei der Chullpas enthielten nur Knochen von Männern mit identischen Y-Chromosomen - also Väter, Söhne, Brüder. Anscheinend gab es aber auch Patchwork-Familien. In einer der Chullpas fanden die Forscher drei männliche Linien. Von den Männern hatten zwei dieselbe Mutter, jedoch verschiedene Väter. Der dritte Mann scheint wiederum ein Halbbruder der Mutter gewesen zu sein.
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