Ausgegraben - Neues aus der Archäologie: Tsunami entlastet Poseidon

Von Angelika Franz

Der Meeresgott Poseidon war unschuldig am Tod einer persischen Armee, Steinzeitler aßen Elefanten bis auf das letzte Knochenstück, in Peru blieben Familien auch im Tod zusammen. Ein Überblick über neue Entdeckungen aus der Archäologie.

Fotos
DPA

+++ Poseidon war unschuldig +++

Als im Jahr 479 vor Christus die Perser auf die griechische Stadt Potidaea, das heutige Nea Potidaea zumarschierten, schickte Poseidon eine riesige Flutwelle. Sie spülte die persischen Soldaten einfach fort. So zumindest schildert es der Geschichtsschreiber Herodot. Doch nun hat Klaus Reicherter von der Universität Aachen auf dem Jahrestreffen der Seismological Society of America Hinweise dafür vorgelegt, dass es nicht der Meeresgott war, sondern ein ganz realer Tsunami.

Zum einen beschreibt Herodot sehr genau typische Anzeichen eines Tsunamis. Er schildert, wie das Meer sich zuerst zurückzog - was die Perser als Einladung zum Angriff interpretierten - und danach mit gewaltiger Wucht über das Land hereinbrach. Bei Bohrungen in der Region fand Reicherter Sedimentschichten, die zum fraglichen Zeitpunkt aus dem Meer weit ins Landesinnere hineingetragen worden waren.

Die Abfolge der Schichten sprach dafür, dass es an diesem Küstenabschnitt äußerst turbulent zuging - alles war durcheinandergewirbelt. Anhand von mitgespülten Muscheln konnte der Forscher die Katastrophe auf das Jahr 500 vor Christus datieren, die Fehlermarge liege bei lediglich 25 bis 30 Jahren. Die Arbeit von Reicherter zeigt aber auch, dass die Gefahr noch lange nicht vorbei ist. Auch heute noch könnte das Gebiet von Tsunamis heimgesucht werden.

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1. Natürlich war es Poseidon
hannnns 29.04.2012
Wer außer Poseidon hatte denn 479 v.Chr. das Recht und die Macht, in der Ägäis Tsunamis auszulösen? und insbesondere genau zum richtigen Zeitpunkt.
2. Klar war das Poseidon
4waystreet 29.04.2012
Zitat von hannnnsWer außer Poseidon hatte denn 479 v.Chr. das Recht und die Macht, in der Ägäis Tsunamis auszulösen? und insbesondere genau zum richtigen Zeitpunkt.
Er vergnügte sich mit Aphrodite. Das schlug damals schon hohe Wellen.
3. Enkelados
gothograecus 29.04.2012
Zitat von hannnnsWer außer Poseidon hatte denn 479 v.Chr. das Recht und die Macht, in der Ägäis Tsunamis auszulösen? und insbesondere genau zum richtigen Zeitpunkt.
Sie irren. Für Beben war der unter der Erde schlummernde Gigant Enkelados zuständig. Übrigens ist das mit dem Tsunami auch nichts neues. Reicherter hat lediglich Belege geliefert.
4. So so
gothograecus 29.04.2012
Zitat von sysopDer Meeresgott Poseidon war unschuldig am Tod einer persischen Armee
Komische Weltsicht. "Unschuldig am Tod einer persischen Armee" und vom "Tsunami entlastet". Seit wann gilt die Vernichtung einer Invasionsarmee als unmoralisch oder gar als Delikt?
5.
Kuppelbauer 29.04.2012
Zitat von sysopDer Meeresgott Poseidon war unschuldig am Tod einer persischen Armee
Genau! Dann war Poseidon wohl auch unschuldig an Odysseus' Irrfahrten. Seltsam, was diese Wissenschaftler sich so aus den Fingern saugen... ;)
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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.