Wissenschaft


Ausgegraben - Neues aus der Archäologie: Der König auf der Streckbank

Von Angelika Franz

Richard III. litt unter einer Verkrümmung der Wirbelsäule. Die damaligen Heilmethoden waren auch für Könige alles andere als angenehm: Wahrscheinlich musste er regelmäßig auf die Streckbank.

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4  Bilder
Richard III.: Krummer König

Auch ein König ist vor Krankheiten nicht gefeit: Richard III., dessen Knochen unlängst unter einem Parkplatz in Leicester gefunden wurden, litt zu Lebzeiten an einer ausgeprägten Skoliose, einer Krümmung der Wirbelsäule. Sie war so stark, dass seine rechte Schulter wahrscheinlich deutlich höher lag als seine linke. Zwar ist überliefert, dass der König sportlich sehr aktiv war, auch zeigt ihn keines der Porträts mit deutlicher Schräglage. Es ist aber doch zu vermuten, dass er behandelt wurde. Mary Ann Lund von der University of Leicester, Spezialistin für Geschichte der Medizin, hat untersucht, welche Therapien zu Lebzeiten des Königs zur Verfügung standen. Besonders angenehm kann es dabei nicht zugegangen sein.

Eine Behandlungsart war das Strecken - ähnlich der damals auch gängigen Foltermethode. Dafür wurden Taue unter den Armen und an den Beinen befestigt, der Patient auf ein Brett gelegt und dann die Taue auseinandergezogen, um die Wirbelsäule in die Länge zu ziehen. Das Strecken wird zur Behandlung von Skoliose im Werk des persischen Gelehrten Avicenna aus dem 11. Jahrhundert empfohlen. Da das Werk im mittelalterlichen Europa sehr bekannt war, ist nur wahrscheinlich, dass Richards Ärzte es konsultierten.

Zum Glück empfiehlt Avicenna auch angenehmere Therapien, zum Beispiel Massagen, wie sie in türkischen Bädern angewendet wurden, oder das Auftragen von Kräutersalben. Richards Skoliose hatte sich bereits im Kindesalter bemerkbar gemacht, wahrscheinlich sogar schon im Alter von zehn Jahren. Vielleicht trug Richard auch ein Korsett. Das gehört übrigens heute noch zu den Therapieoptionen bei einer Skoliose.

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insgesamt 6 Beiträge
utrautmann 28.04.2013
Ich denke, dass sitzen auf dem Thron Jahr auf Jahr ist da wohl kaum hilfreich gewesen. Ein Schwimmbad hatte der arme wohl auch kaum... ;-)
Ich denke, dass sitzen auf dem Thron Jahr auf Jahr ist da wohl kaum hilfreich gewesen. Ein Schwimmbad hatte der arme wohl auch kaum... ;-)
dunnhaupt 28.04.2013
Das trifft nicht zu. Die Römer hatten bereits Kochbücher, und ihre Rezepte sind heute noch erhalten.
Das trifft nicht zu. Die Römer hatten bereits Kochbücher, und ihre Rezepte sind heute noch erhalten.
Daniel E. 28.04.2013
Es ist auch nicht die Rede vom ältesten Kochbuch Europas, sondern vom ältesten "mittelalterlichen" Kochbuch Europas. Ich hoffe, Sie kennen die Unterschiede zwischen Antike und Mittelalter.
Es ist auch nicht die Rede vom ältesten Kochbuch Europas, sondern vom ältesten "mittelalterlichen" Kochbuch Europas. Ich hoffe, Sie kennen die Unterschiede zwischen Antike und Mittelalter.
artus2002 29.04.2013
was soll auf dem mond geschützt werden. die amerikaner waren nie aud dem mond.
was soll auf dem mond geschützt werden. die amerikaner waren nie aud dem mond.
Meskiagkasher 29.04.2013
Da fehlt wohl etwas die Bildung, wer Richard III war.
Zitat von utrautmannIch denke, dass sitzen auf dem Thron Jahr auf Jahr ist da wohl kaum hilfreich gewesen. Ein Schwimmbad hatte der arme wohl auch kaum... ;-)
Da fehlt wohl etwas die Bildung, wer Richard III war.
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  • Sonntag, 28.04.2013 – 09:28 Uhr
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Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet, dass Archäologie vielmehr die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
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