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Ausgegraben

Archäologie Ein Hundeleben im alten Ägypten

Altes Ägypten: Ein Hund, Dutzende Parasiten Fotos
Cécile Callou

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Wer einen Hund hat, kennt das Problem mit den Zecken. Neu ist es nicht. Schon die Vierbeiner im alten Ägypten hatten mit lästigen Blutsaugern zu kämpfen. Ein mumifizierter Welpe war nicht nur von 61 Zecken befallen, sondern auch noch von Fliegen geplagt.

Eine wirklich geplagte Kreatur - einen Welpen - fanden die Ausgräber Françoise Dunand und Roger Lichtenberg von der Universität Straßburg in der Nähe der Oase Kharga. Ein Forscherteam um Jean-Bernard Huchet und Cécile Callou vom Labor für Archäozoologie des Nationalen Naturkundemuseums Paris hat die Mumie des Tieres untersucht und dabei 61 Zecken gefunden - allein 23 davon saßen am linken Ohr.

Bei den Zecken handelte es sich um Vertreter der Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus). Sie kommt ursprünglich aus Afrika und schafft es nur selten über die Alpen nach Norden. In Deutschland ist den Parasiten glücklicherweise meist zu kalt, hier findet man sie nicht in freier Wildbahn, sondern nur in im Winter in kuschelig warm beheizten Räumen.

Hundehalter fürchten die Braune Hundezecke als Überträgerin einer ganzen Reihe von gefährlichen Krankheiten - unter anderem die sogenannte Hundemalaria, Hepatozoonose sowie Canine Infektiöse Anämie. Außerdem verursachen sie Blutarmut, juckende und schmerzhafte Hautverletzungen und schwächen das Immunsystem.

Schon die alten Griechen kannten den "Hundezerstörer"

Schon die alten Griechen wussten, dass die winzigen Zecken einen großen Hund töten können. Aristoteles erwähnt in seiner 335 vor Christus verfassten Historia Animalium einen Hundeparasiten namens kunorhaistès - griechisch für "Hundezerstörer". Homer erwähnt den kunorhaistès, als er Odysseus' alten Hund beschreibt.

Äußerlich scheint der in Ägypten entdeckte, etwa vier bis fünf Monate alte Junghund unverletzt. Anders als bei Katzenmumien, bei denen oft der Hals umgedreht oder der Schädel eingeschlagen ist, hat niemand das Tier umgebracht. Umso wahrscheinlicher wird es, dass es auf natürliche Weise ums Leben kam - vielleicht durch den Biss des Hundezerstörers. 61 Zecken sind eine große Menge für einen kleinen Hund. "Aber da eine Anzahl von Zecken sich bereits aus dem Fell gelöst hatten und während des Verwesungsvorgangs - oder bei vorherigen Störungen des Grabes durch Grabräuber - von der Mumie abgefallen sind, glauben wir, dass der Befall ursprünglich noch viel höher war", schreiben die Forscher im "International Journal of Palaeopathology".

Fliegen in Fell und Wunden

Zecken waren nicht die einzigen Parasiten, die an dem Hund ihr Festmahl hielten. Im Fell steckte ein Exemplar der Lausfliege (Hippobosca longipennis). Die ist vor allem durstig: Alle sechs Stunden saugt sie ihrem Wirt zwischen 1,5 und 4,5 Milliliter Blut ab. Bei einer Lausfliege mag das noch nicht so ins Gewicht fallen - werden es aber mehr, kommt schnell eine größere Menge Blut zusammen. Da Lausfliegen Flügel haben, machen sie sich in der Regel von dannen, wenn ihr Wirt stirbt. Dass sich im Fell des Hundes aus der Oase Kharga eine festhielt, spricht dafür, dass der Hund von einer Menge Lausfliegen befallen war.

Lausfliegen sind eine saisonale Qual. Sie brauchen die Hitze, um sich wohlzufühlen. An den Rändern von Wüsten, wo sie vornehmlich leben, stechen die Insekten zwischen März und Juni zu.

Während die Lausfliegen wegfliegen, sobald ihr Wirt verstorben ist, kommen die Schmeiß- und Fleischfliegen dann erst herbeigeflogen. Besonders häufig fanden die Forscher Schmeißfliegen-Puppen der Gattung Chrysomya albiceps, eine der häufigsten Arten Ägyptens. Mehr als hundert Puppen bevölkerten die Mumie. Diese Fliegenart bevorzugt große Kadaver - und kommt als eine der ersten nach dem Tod. Die Weibchen legen ihre Eier in Wunden, aus denen Körperflüssigkeit austritt. Finde sie keine, nehmen sie feuchte Körperöffnungen. Jedenfalls, wenn der Tod im Sommer kam: Wie die Lausfliege ist auch Chrysomya albiceps nur bei warmen Wetter unterwegs. Damit ist ziemlich wahrscheinlich, dass der Hund sein Leben im Sommer beendete.

Löcher, die wie Schusswunden aussehen

Nach den Schmeißfliegen kommen die Weibchen der Fleischfliegen (Sarcophagidae), angelockt vom eintretenden Verwesungsgeruch. "Die meisten Puppen wurden tief im Fell des Hundes gefunden, wo die Larven post mortem die typischen Löcher in der Haut verursacht haben, die wie Schusswunden aussehen", schreiben die Forscher.

Zwar kamen die meisten Fliegen wohl erst, nachdem der Hund bereits das Zeitliche gesegnet hatte. Doch da sich so viele Insekten in dem toten Tier tummelten, halten die Forscher es für wahrscheinlich, dass einige bereits ihre Eier in offene, entzündete Wunden legten, als der Welpe noch lebte: Ein schönes Leben war dem von Parasiten geplagten jungen Hund wohl nicht vergönnt gewesen.

12 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
aria_di_montagna 23.10.2013
sebastian.teichert 23.10.2013
saeschie 23.10.2013
Hamstedt 23.10.2013
juttakristina 23.10.2013
freiherrvon 23.10.2013
zorga 24.10.2013
Koda 24.10.2013
kraichgau12 24.10.2013
Maria-Galeria 25.10.2013
mirrornutzer 25.10.2013
nothx 25.10.2013

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Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
  • Homepage von Angelika Franz

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