Ausgegraben: Die edlen Sohlen von Napoleons Schwester

Von Angelika Franz

3. Teil: +++ Pyramide für Großmutter +++

Fotostrecke

5  Bilder
Sudan: Pyramidenhysterie in Sedeinga

Nicht nur die Ägypter bauten Pyramiden. Offenbar fanden auch ihre Nachbarn im heutigen Sudan den Brauch so ansprechend, dass sie ihn für die eigenen Toten kopierten. In den vergangenen Grabungskampagnen konnte ein Archäologenteam um Vincent Francigny vom American Museum of Natural History in New York mindestens 35 Pyramiden an dem Ort Sedeinga ausmachen.

Dort standen sie dicht gedrängt: Allein 13 davon fanden Francigny und sein Team auf einer Fläche, die nicht viel größer ist als ein Basketballfeld. "Die Dichte ist enorm", sagt Francigny in einem Interview mit der Wissenschafts-Internetplattform LiveScience. "Weil der Trend hunderte von Jahren anhielt, bauten sie mehr, mehr, mehr Pyramiden, und nach Jahrhunderten begannen sie dann, auch noch die Lücken zwischen den Pyramiden zu füllen."

Die Pyramidenhysterie in Sedeinga begann vor rund 2000 Jahren, als im heutigen Sudan ein Königreich namens Kush existierte. Allerdings waren die Pyramiden von Kush deutlich kleiner als ihre ägyptischen Verwandten. Wie Francigny und Kollegen in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Sudan and Nubia" berichten, hatte die größte gerade mal eine Seitenlänge von sieben Metern. Die kleinste, die über einem Kinderbegräbnis errichtet war, maß nur 7,5 Zentimeter.

Interessanterweise sind die Pyramiden alle über einer inneren runden Kuppel errichtet. Vielleicht war diese Form eine Mischung aus alten lokalen Bestattungsriten und neuen Architekturimpulsen aus Ägypten. Die meisten der Gräber wurden bereits in der Antike geplündert. Neben einer Pyramide fanden die Ausgräber jedoch noch einen Opfertisch. Darauf war eine Inschrift in merotischen Hieroglyphen zu lesen: Oh Isis! Oh Isis! Dies ist Aba-la. Gib ihr reichlich Wasser, gib ihr reichlich Brot, tische ihr eine gute Mahlzeit auf. Aba-la könnte ein Kosename für "Großmutter" gewesen sein.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 8 Beiträge
darthmax 10.02.2013
eigentlich interessant, da wird bei Plymouth ein Versammlungsort nicht ausgegraben, um die Totentuhe nicht zu stören, woanders werden Gräber geöffnet und Gebeine untersucht. Von Ägypten bis England. Was ist jetzt Totenruhe ? [...]
eigentlich interessant, da wird bei Plymouth ein Versammlungsort nicht ausgegraben, um die Totentuhe nicht zu stören, woanders werden Gräber geöffnet und Gebeine untersucht. Von Ägypten bis England. Was ist jetzt Totenruhe ? Gibt es da Unterschiede, so eine Art Rassismus der Toten ?
laracroft11 10.02.2013
Die Gesetze sind in jedem Land anders. Generell könnte man sagen dass Gräber auf einem Friedhof nicht aus reiner wissenschaftlicher Neugier geoeffnet werden wenn es noch lebende Verwandte gibt.
Die Gesetze sind in jedem Land anders. Generell könnte man sagen dass Gräber auf einem Friedhof nicht aus reiner wissenschaftlicher Neugier geoeffnet werden wenn es noch lebende Verwandte gibt.
rosalilla 10.02.2013
Bei den Schuhen der Pauline Bonaparte sind Ihnen offenbar die Maße durcheinander geraten. Schuhe in einer Länge von 10 cm (!) passen keiner noch so zierlichen Prinzessin, es sei denn, sie ist ein Baby. Sie entsprechen ungefähr [...]
Bei den Schuhen der Pauline Bonaparte sind Ihnen offenbar die Maße durcheinander geraten. Schuhe in einer Länge von 10 cm (!) passen keiner noch so zierlichen Prinzessin, es sei denn, sie ist ein Baby. Sie entsprechen ungefähr einer Schuhgröße 17, die normalerweise ein Baby von maximal 6 Monaten trägt.
rosalilla 10.02.2013
Eine kleine Ergänzung zu meinem vorigen Kommentar: Auf der britischen Seite "Past Horizons" habe ich einen Artikel über die Entdeckung der Schuhe gefunden. Dort wird ihre Größe mit der britischen Größe 2 angegeben, was [...]
Eine kleine Ergänzung zu meinem vorigen Kommentar: Auf der britischen Seite "Past Horizons" habe ich einen Artikel über die Entdeckung der Schuhe gefunden. Dort wird ihre Größe mit der britischen Größe 2 angegeben, was ungefähr einer deutschen Größe 34 entspricht. Das kommt dann wohl schon eher hin...
"...zierlich und zart soll sie gewesen sein - so sehr, dass sie oft von Zimmer zu Zimmer getragen wurde und nicht einmal selber laufen brauchte." Herzlichen Dank für den Artikel! Jetzt raten Sie mal, was meine Frau [...]
"...zierlich und zart soll sie gewesen sein - so sehr, dass sie oft von Zimmer zu Zimmer getragen wurde und nicht einmal selber laufen brauchte." Herzlichen Dank für den Artikel! Jetzt raten Sie mal, was meine Frau von mir verlangt!
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Mensch
alles zum Thema Ausgegraben

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Sonntag, 10.02.2013 – 10:15 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 8 Kommentare
Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet, dass Archäologie vielmehr die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
  • Homepage von Angelika Franz

Buchtipp
Archäologische Methoden der Datierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.





TOP



TOP