Ausgegraben

Ausgegraben Die edlen Sohlen von Napoleons Schwester

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4. Teil: +++ Nächste Suche nach alten Königsknochen +++

Alfred der Große: Sind es wirklich seine sterblichen Überreste, die in der St. Bartholomew Church begraben liegen? Zur Großansicht
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Alfred der Große: Sind es wirklich seine sterblichen Überreste, die in der St. Bartholomew Church begraben liegen?

Kaum haben die Briten den Parkplatz-König Richard III. identifiziert, machen sie sich auf die Suche nach dem nächsten verschollenen Monarchen. Sie vermuten die sterblichen Überreste des angelsächsischen Herrschers Alfred dem Großen (849 - 899) in einem unmarkierten Grab in der St. Bartholomew Church in Winchester in der Grafschaft Hampshire. Die Knochen lagen vormals in den Ruinen der nahen Hyde Abbey und waren bei Ausgrabungsarbeiten im 19. Jahrhundert zu Tage gekommen.

Die Archäologin Katie Tucker von der University of Winchester hat bei der Church of England nun um Erlaubnis für die Exhumierung und Untersuchung des mutmaßlichen Königsskelettes gebeten. Die Identifizierung erhofft sie sich durch eine Datierung der Knochen. Hyde Abbey wurde erst im 12. Jahrhundert errichtet. Wenn dort aber Knochen aufbewahrt wurden, die bereits zwei Jahrhunderte älter waren, dann muss es sich um die Gebeine einer bedeutenden Persönlichkeit gehandelt haben. Ein DNA-Abgleich mit Verwandten, wie bei Richard III., wird indes nicht möglich sein. Zwar wurden die Knochen von Alfreds Enkelin Editha eingehend wissenschaftlich untersucht. Editha war mit Otto I., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, verheiratet und liegt bis heute im Magdeburger Dom bestattet. Eine DNA Analyse gelang bei ihren Überresten jedoch nicht mehr.

Alfred hatte ein bewegtes Leben. Er verteidigte sein Reich erfolgreich gegen Einfälle der Wikinger und erhielt als einziger britischer Herrscher den Beinamen "der Große". Alfred galt als guter und weiser Regent. Am meisten wird er allerdings durch die Episode mit den verbrannten Kuchen erinnert. Der Legende nach fand er auf der Flucht vor seinen Feinden einmal Schutz bei einer Bauersfrau. Die Bäuerin wusste nicht, wen sie da in ihre Hütte aufgenommen hatte und bat den Fremden, auf ihre Kuchen im Ofen aufzupassen. Alfred war jedoch so vertieft in die Probleme seines Königreiches, dass er die Kuchen anbrennen ließ und dafür reichlich Schelte von der Bauersfrau bezog.

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darthmax 10.02.2013
laracroft11 10.02.2013
rosalilla 10.02.2013
rosalilla 10.02.2013
artusdanielhoerfeld 10.02.2013
ijf 11.02.2013
MiniDragon 11.02.2013
Mogamboguru 11.02.2013
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Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.