Ausgegraben

Ausgegraben Die edlen Sohlen von Napoleons Schwester

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5. Teil: +++ Versammlungshaus der Pilgerväter entdeckt +++

Als im Jahr 1620 die Pilgerväter aus England an der nordamerikanischen Küste landeten und Plymouth gründeten, mussten sie zunächst sieben Jahre lang dort ausharren. Das verlangten die Londoner Finanziers von ihnen, damit die neuen Siedler sich nicht in den Weiten des neuen Kontinents verlören. Erst nach Ablauf dieser Zeit durften sie Land außerhalb der ersten Siedlung in Besitz nehmen. Eine der ersten Neugründungen war Duxbury. Dort haben Archäologen nun das erste Versammlungshaus der Pilgerväter entdecken können. Die Familien von Myles Standish, John and Priscilla Alden und Elder William Brewster bauten es im Jahr 1634, weil der Weg nach Plymouth zu weit und anstrengend war, um ihn für jede Andacht zurückzulegen. Bis dahin waren sie noch für jeden Gottesdienst zurück in die erste Siedlung gefahren.

An der Stelle des Versammlungshauses liegt heute der Myles Standish Friedhof. Bei Bodenradarmessungen fanden die Archäologen hier eine E-förmige Struktur, die sie für die Fundamente des Versammlungsbaus halten. In den Tagen der Pilgerväter gab es keine Trennung zwischen Kirche und Staat. Das Versammlungshaus diente gleichzeitig für Gottesdienste und für Gemeindeversammlungen, für Gebete und Gerichtsverhandlungen. "Die Versammlungshäuser des 17. Jahrhunderts standen in der Regel auf Erhöhungen innerhalb der Siedlung", schreibt Ausgräber Craig Chartier in seinem Bericht der Arbeiten. "So sollte das Gebäude strahlen wie eine Stadt auf dem Berg, um den Menschen ein Beispiel zu geben, wie sie ihr Leben führen sollten."

Eine Ausgrabung wird jedoch nicht stattfinden können, weil dadurch die Gräber des Friedhofes gestört werden würden. Die ersten Siedler der neuen Gemeinde wurden in unmittelbarer Nähe des Versammlungshauses bestattet.

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darthmax 10.02.2013
laracroft11 10.02.2013
rosalilla 10.02.2013
rosalilla 10.02.2013
artusdanielhoerfeld 10.02.2013
ijf 11.02.2013
MiniDragon 11.02.2013
Mogamboguru 11.02.2013
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Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
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Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
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Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
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