Ausgegraben

Ausgegraben Die edlen Sohlen von Napoleons Schwester

Auch wenn sie von Zimmer zu Zimmer getragen wurde - die Schwester Napoleon Bonapartes verfügte über feinste Schuhe. Die wurden nun durch einen Zufall entdeckt. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: Ein römischer Tempel in London und Pyramidenhysterie im Sudan.

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Zufallsfund: Schuhe von Napoleons Schwester entdeckt
Das Paar Schuhe, das die Museumsmitarbeiterin Louise Wilkie in einer Schublade des Museums an der University of Aberdeen fand, sieht aus, als gehöre es an Puppenfüßchen aus Porzellan. Die edlen Fußkleider aus Seide und Leder sind winzig, nur vier Zentimeter breit und knapp über 10 Zentimeter lang. Und doch gehörten sie einst wahrscheinlich einer Prinzessin aus Fleisch und Blut: Pauline Borghese, Lieblingsschwester von Napoleon Bonaparte. So ist es zumindest auf der Sohle vermerkt: "Pauline Rome" steht dort geschrieben. Und auch zu den Beschreibungen der Prinzessin passen die Schuhe hervorragend: zierlich und zart soll sie gewesen sein - so sehr, dass sie oft von Zimmer zu Zimmer getragen wurde und nicht einmal selber laufen brauchte.

Trotzdem hatte sie es faustdick hinter den Ohren. Pauline war bekannt für ihre außerehelichen Abenteuer und löste einen Skandal aus, als die nackt für den Maler Canova Modell saß. In den Besitz des Museums gelangten ihre Schuhe durch eine Schenkung des Chirurgen Robert Wilson (1787 - 1871), der eine enge Freundschaft mit der Prinzessin pflegte und womöglich auch zu ihren Liebhabern zählte. Es ist bekannt, dass die beiden viel Zeit miteinander verbrachten und die Prinzessin ihm viele Geschenke machte. Darunter ist auch ein Ring, der sich ebenfalls im Besitz des Museums befindet.

Über hundert Jahre lagen die Schuhe unbeachtet im Museum in einer Schublade mit Kleidung, wo Wilkie sie nun entdeckte.

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8 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
darthmax 10.02.2013
laracroft11 10.02.2013
rosalilla 10.02.2013
rosalilla 10.02.2013
artusdanielhoerfeld 10.02.2013
ijf 11.02.2013
MiniDragon 11.02.2013
Mogamboguru 11.02.2013
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Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
  • Homepage von Angelika Franz

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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.