Ausgegraben - Neues aus der Archäologie: Forscher finden 1400 Jahre altes Shoppingcenter

Von Angelika Franz

5. Teil: +++ It's A Man's World: Soziale Ungleichheit in der Steinzeit +++

Früher war alles besser? Von wegen. Archäologen von der Cardiff University haben über 300 Skelette untersucht und dabei festegestellt, dass bereits in der Jungsteinzeit soziale Ungleichheit und gesellschaftliche Benachteiligung von Frauen an der Tagesordnung waren. Einige der neolithischen Bauern wurden mit ihren Werkzeugen, Dechsel genannt, bestattet - andere nicht. Die Forscher führten auch eine Analyse von Strontium-Isotopen der Zähne durch. Sie gibt Auskunft darüber, in welcher Region ein Mensch oder Tier seine Kindheit verbrachte, bis die Zähne vollständig entwickelt sind. Dabei stellte sich heraus, dass die Toten mit den Dechseln sich zu Lebzeiten von Pflanzen ernährt hatten, die auf Lössboden gewachsen waren. Löss ist jener fruchtbare Boden, den sich die frühen Bauern bevorzugt zum Anbau aussuchten. Die Zähne verrieten, dass sie offenbar konstanten Zugang zu den Produkten dieser Böden hatten. Tote ohne Dechsel im Grab hatten dieses Privileg zu Lebzeiten nicht. Die Forscher schließen daraus, dass es bereits vor 7000 Jahren gravierende soziale Ungleichheiten gab.

Auch über die Rolle der Frauen erzählte die Strontium-Analyse einiges. Es war offenbar die Regel, dass Frauen bei der Heirat aus dem Gebiet ihrer Kindheit zu ihrem Ehemann zogen. Dieser Befund spricht für ein sogenanntes patrilokales Gesellschaftssystem: Die Frauen zogen nach der Hochzeit an den Wohnort ihres Mannes. Das wiederum impliziert, dass die Erbfolge über die männlichen Familienmitglieder geführt wurde.

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1.
Tiananmen 02.06.2012
Zitat von sysopN. MolistSchon im Irland des Mittelalters gab es Shoppingcenter - inklusive gefälschter Markenware. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: die ehemalige Piratenstadt Port Royal soll Weltkulturerbe werden und Spuren eines ungewöhnlichen Begräbnisses in Barcelona. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,836506,00.html
Und daraus schließen Sie auf die immer wieder zu beklagende "gesellschaftliche Benachteiligung der Frau"?! Oder ist das schon eine Art pavlow'scher Reflex, sobald bei Frauen etwas anders abläuft als bei Männern? Die Benachteiligung gipfelt ja bekanntlich in der Tatsache, dass Männer sich weigern Kinder zu kriegen. Stöhn.
2. wo denn?
leser47 02.06.2012
Wo steht denn was von Benachteiligung der Frau? Die Reaktion von Tiananmen ist wohl eher ein Reflex nach dem Motto: Da steht irgendwas über das Verhältniss Mann-Frau, da jammer ich doch gleich mal los.
3. Korrektur
leser47 02.06.2012
Muss mich korrigieren, jetzt habe ich es auch gelesen!
4. Hallo -
Tiananmen 02.06.2012
Zitat von leser47Muss mich korrigieren, jetzt habe ich es auch gelesen!
gerade wollte ich mich beschweren. Danke.
5. Ja und?
Skepsis 02.06.2012
Die Annahme, dass mit dem Beginn der Neolithisierung, also der Sesshaftwerdung der Menschen verbunden mit der Entwicklung des Ackerbaus etc., auch eine wachsende gesellschaftliche Stratifizierung und Ungleichheit entstand, hat schon Karl Marx postuliert und wurde seitdem tausendfach diskutiert. Es handelt sich dabei wahrlich nicht um eine neue Erkenntnis. Interessant wäre die Information, wo diese Archäologen ihre Untersuchungen durchgeführt haben - Lössböden gibt es an vielen Orten auf der Welt. Sonst bleibt die Aussage des Artikels völlig allgemein.
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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.