Ausgrabungen: Madrid ist 300 Jahre jünger als angenommen

Überraschung in der spanischen Hauptstadt: Erkundungen zeigen, dass die Stadt Madrid offenbar erst im zwölften Jahrhundert entstand - bislang galt sie als 300 Jahre älter. Das ergaben Ausgrabungen neben dem königlichen Palast.

Basilica San Francisco el Grande: Entdeckungen unter Madrids Gemäuern Zur Großansicht
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Basilica San Francisco el Grande: Entdeckungen unter Madrids Gemäuern

Madrid ist möglicherweise deutlich jünger als angenommen. Das zeigen Ausgrabungen in der spanischen Hauptstadt, bei denen die Überreste von sechs Gebäuden aus dem zwölften Jahrhundert freigelegt worden waren. Die offizielle Geschichtsschreibung konstatierte bislang, dass die Ursprünge der Stadt im neunten Jahrhundert in der Zeit der arabischen Herrschaft liegen.

"Madrid als Stadt entstand erst im zwölften Jahrhundert, nachdem das Gebiet von christlichen Herrschern zurückerobert worden war", sagte die Archäologin Esther Andréu der Zeitung "El País". Der muslimische Emir Mohammed I. von Córdoba habe in der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts an der Stelle, an der später Madrid entstand, nur eine militärische Festung errichtet, aber keine dauerhafte Siedlung.

"Wir haben aus dieser Zeit keine Spuren von Wohnhäusern gefunden", betonte die Leiterin des Forscherteams. "Die von uns entdeckten Gebäude aus dem zwölften Jahrhundert sind die ältesten Überreste von Madrid als Stadt." Die Ausgrabungen waren unmittelbar neben dem königlichen Palast vorgenommen worden.

Aufstieg begann im 16. Jahrhundert

Im neunten Jahrhundert hatten Mauren eine Burg an der Stelle des heutigen Madrider Königspalastes errichtet. Der Aufstieg Madrids begann im 16. Jahrhundert mit der Verlegung des Parlamentes aus dem nahe gelegenen und deutlich älterem Toledo.

Seither wuchs die Stadt zum politischen und kulturellen Mittelpunkt Spaniens und schließlich zum Sitz der spanischen Regierung. Heute ist Madrid mit rund 3,3 Millionen Einwohnern die Hauptstadt von Spanien. Der Großraum der Stadt zählt mit etwa sechs Millionen Einwohnern zu den größten Metropolen Europas.

In Madrid residieren der spanische König, sowie wichtige Verwaltungs- und Militärbehörden Spaniens. Die Stadt hat als Finanz- und Handelszentrum internationale Bedeutung, zudem verfügt sie über sechs öffentliche Universitäten, weitere Hochschulen sowie zahlreiche Kultureinrichtungen. Die neuen archäologischen Ausgrabungen zeigen nun, dass die Stadt ihre Bedeutung anscheinend in etwa 300 Jahre kürzerer Zeit entfaltete als angenommen.

boj/dpa

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insgesamt 4 Beiträge
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1. .
rubjack 22.02.2011
Zitat von sysopÜberraschung in der spanischen Hauptstadt:*Erkundungen*zeigen, dass die Stadt Madrid offenbar erst im*zwölften Jahrhundert entstand - bislang galt*es als 300 Jahre älter. Das*ergaben*Ausgrabungen neben dem königlichen Palast. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,746858,00.html
Vieleicht sind ältere Überreste auch nur überbaut und nicht auffindbar solange nicht die halbe Innenstadt abgerissen und umgegraben wird.
2. sehr schwierig
albert schulz 22.02.2011
Neben dem Palast wurden demnach keine Wohnhäuser besser deren Fundamente gefunden. Was könnte diese Aussage bedeuten ? Schlechter Baugrund ? Malaria ? Schlechte Straßenanbindung ? Das Alter selbst der Kuhdörfer, aus denen Berlin entstanden ist, wurde aus schriftlichen Erwähnungen bestimmt. Häufig Kauf- oder Lehensverträge. Der Grund ist vermutlich darin zu suchen, daß die Schrift vor über 5.000 Jahren erfunden wurde, und spätestens seit der Römerzeit auch in Spanien oder Deutschland bekannt war. Möglichwerweise sollte man auch die Existenz einer arabischen Spraxche annehmen. Ist vielleicht etwas viel verlangt. Einfacher ist es bestimmt, Madrid völlig umzugraben. Zumal das auch äußerst preiswert ist.
3. Ausgrabungen in Madrid
Niamey 22.02.2011
Über so einen Schmarrn darf man diskutieren und über den Artikel der uns alle in D betrifft nicht: Klage gegen Kündigung - Muslim wollte keinen Alkohol ins Regal sortieren Schwach! Aber das ist natürlich ein unangenehmer Artikel mit einem politisch nicht inkorrekten Thema, oder ?
4. Kunst
albert schulz 22.02.2011
Zitat von NiameyÜber so einen Schmarrn darf man diskutieren und über den Artikel der uns alle in D betrifft nicht: Klage gegen Kündigung - Muslim wollte keinen Alkohol ins Regal sortieren Schwach! Aber das ist natürlich ein unangenehmer Artikel mit einem politisch nicht inkorrekten Thema, oder ?
Sie werden wohl erläutern müssen, was ein "politisch nicht inkorrektes Thema" ist. Nicht inkorrekt wurde ich als korrekt interpretieren. Und was ist an dem genannten Thema korrekt ? Es ist obsolet, auf deutsch voll daneben, eine Ente, eine geschönte oder völlig frei erfundene Geschichte aus dem Urgrund der Dummheit. Da haben also zwei Bildreporter einen armen Hund bestochen, damit sie was zum Schreiben haben. Machen die tagtäglich. Geschichten, die das Leben schrieb. Konfus müssen sie sein. Der sysop haßt es aus tiefster Seele, daß er Themen mit Islam - Bashing immer schließen muß. Wo die doch so schön sind, Lebenselixier der minderbemittelten Oberschicht. Über den Erfinder von Derrick durfte auch nicht diskutiert werden. Was hätte man da schön ablästern können. de mortuis nihil nisi bene. Und was ist mit FJS ? Die Wissenschaft bekommen wir gratis, und zwar nur aus dem Grund, um dumme Witze zu machen. Das ist ihre Lebensberechtigung. Dazu muß man natürlich was bringen, was kein Mensch versteht. Und das ist Kunst. Die Schlagzeile im Express von heute war übrigens: "Gattenmörderin hatte Angst vor ihrem Mann." Gemocht scheint sie ihn nicht zu haben, wenn sie ihren Geliebten anstiftet, den Gatten zu mördern. Eine emanzipierte Frau eben, inmitten des Islam. Unglaublich aber wahr. Bei uns würde sie Vorstandvorsitzende von Siemens. Ganz schön rückständig der Iran, was echte Werte angeht.
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Sie sind Legenden - aber ihre Überreste wurden verstreut, verwechselt, manche gingen verloren. Um letzte Ruhestätten großer Forscher ranken sich viele Geschichten, im SPIEGEL-ONLINE-Quiz erfahren Sie die bizarrsten.

Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
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Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.