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Australien: Laserangriffe blenden Jet-Piloten bei Landung

Von Brigitte Zander

Plötzlich sahen sie nichts mehr: Mehrfach mussten Piloten beim Landeanflug auf australische Flughäfen durchstarten, weil Laserstrahlen sie blendeten. Derartige Angriffe sind auch in Deutschland denkbar - der Handel mit den leistungsstarken Lichtpistolen ist nicht reglementiert.

Im abendlichen Landeanflug auf den Flughafen Sydney verschwand vor den Augen der Qantas-Piloten plötzlich die breite Betonpiste. Die Männer im Cockpit sahen nur noch hellgrünes Licht. Geblendet von grellen Laserstrahlen wagten sie nicht, die Maschine aufzusetzen, sondern starteten durch. Der Tower wies ihnen dann eine andere Landebahn zu.

Sechs Cockpit-Besatzungen der internationalen Qantas Airways und der inneraustralischen Gesellschaften Qantaslink und Eastern Australia Airlines, die am vergangenen Freitagabend nach 22 Uhr in Sydney landen wollten, meldeten ähnliche Vorfälle: Sie wurden von drei oder vier Laserstrahlen attackiert, die irgendwo aus einem flughafennahen südwestlichen Vorort kamen. Einer der Piloten ortete das blindmachende Licht, "irgendwo in der Nähe eines McDonald-Restaurants in Bexley", fünf Kilometer von der Landebahn entfernt, wie die Zeitung "Sydney Morning Herald" berichtet. Doch die sofort ausrückende Polizei entdeckte dort nichts.

Die Flugsicherheitsbehörde Air Service Australia spricht vom "ersten gebündelten Laserangriff", an dem vermutlich drei oder vier Personen beteiligt waren. Seitdem ist die Fliegerbranche auf dem fünften Kontinent in Aufruhr. Der Polizeiminister von New South Wales, David Campbell, will alle starken Lasergeräte als "illegale Waffen" verbieten lassen. "Diese feigen, hirnlosen Attacken müssen gestoppt werden", sagte er der australischen Zeitung. Im Nachbarstaat Victoria ist der Privatbesitz starker Laserpointer schon verboten.

Terrorangriff oder Dummejungen-Streich?

Der Vorfall in Sydney war der schlimmste, aber nicht der einzige dieser Art. Nach Auskunft der australischen Civil Aviation Safety Authority Casa werden wöchentlich fünf bis sechs solcher gefährlichen Anschläge auf landende Flugzeuge aus dem ganzen Land gemeldet. Casa-Sprecher Peter Gibson: "Die modernen starken Laser können aus fünf Kilometer Entfernung landende Piloten irritieren und kurzfristig erblinden lassen". Ob es sich dabei um Dummejungenstreiche oder Terroranschläge handelt, ist noch ungeklärt.

Die australische Pilotenvereinigung verlangt von der Polizei vermehrte Anstrengungen, landesweit die Besitzer von starken Lasergeräten zu ermitteln. Schätzungsweise sind derzeit rund 100.000 Laser auf dem Markt. Die Bundesregierung in Canberra erwägt inzwischen ein Einfuhrverbot von starken Lasergeräten und Strafverschärfung. Bisher können Laserattacken auf Flugzeuge mit zwei Jahren Haft und Geldstrafen bis zu 20.000 australischen Dollar geahndet werden. Erst im Januar dieses Jahres wurde ein Flughafenanwohner festgenommen, der kurz nach einer Strahlenattacke auf zwei kleinere Maschinen mit einem 125 Milliwatt-Laser angetroffen wurde. In Westaustralien wird gegen drei Männer ermittelt, die zu Ostern vermutlich mehrere Laseranschläge auf Polizeihelikopter verübt haben.

Laser bedrohen auch anderswo auf der Welt zunehmend die Luftfahrt. Selbst aus Abu Dhabi wird ein Fall gemeldet. Dort zielte im vergangenen Oktober ein junger Araber mit einem Laserstift auf einen Hubschrauber. Der Polizei sagte er, er habe den von einem asiatischen Straßenhändler gekauften Laser nur mal ausprobieren wollen.

Laser-Scharfschütze im Fußballstadion

In den USA fürchtet das FBI seit Jahren Terrorattacken durch blendende Laserstrahlen auf Flugzeuge. Schon 2004 wurde nach mehreren Versuchen offiziell vor solchen Anschlägen gewarnt. Wenn Pilot und Copilot kurz vor dem Landen gleichzeitig geblendet werden, kann es zu schweren Aufschlag-Unfällen kommen.

Die deutsche Vereinigung Cockpit wiegt sich noch in Sicherheit. "Bei uns ist das noch nicht vorgekommen", sagte Cockpit-Sprecher Markus Kirschneck zu SPIEGEL ONLINE. Der Himmel sei noch sicher. Dafür wurden Fußballer das Ziel von Laserschützen. Schon bei der Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 versuchten Fans, missliebige Spieler mit Laserpointern auszuschalten. Beim Spiel der deutschen Nationalmannschaft im Februar gegen Österreich nahm ein Laser-Scharfschütze mehrere deutsche Spieler ins Visier, darunter Torwart Jens Lehmann.

Mittlerweile sind die neuen batteriebetriebenen Taschen-Laserpointer so stark, dass sie über Hunderte Meter ein kleines anvisiertes Ziel aufleuchten lassen können. "Selbst kleine Ein-Watt-Laser können aus 100 bis 200 Metern Entfernung die Netzhaut verletzten", sagt Marco Stümpel von der Firma Lightline Lasertechnik in Osnabrück, die Laser für Lichtshows entwickelt und verkauft.

Blenden ist strafbar

Seine Firma Lightline halte bei Open-Air-Shows einen Sicherheitsabstand zu Flughäfen und informiere die Flugsicherung im Vorhinein. Zudem lasse man vor jeder Veranstaltung vom TÜV ein Gutachten erstellen, um eine Gefährdung des Publikums auszuschließen, sagt Stümpel. Sein bester, gerade mal schuhkartongroßer Lichtshow-Laser kostet 20.000 Euro. Aber Stümpel weiß: "Gebraucht im Internet sind solche High-Power-Laser mit exzellenter Strahlenqualität schon ab 1000 Euro zu erwerben."

Einschränkungen für den Handel solcher Geräte gibt es in Deutschland keine. "Jeder darf einen leistungsstarken Laser der Klassen 3 oder 4 kaufen und zum Beispiel in seinem Keller nutzen", sagt Diethelm Stehr, Experte für Lasertechnik beim TÜV Nord. Sobald der Laser aber gewerblich oder öffentlich eingesetzt werde, müssten die Betreiber die Fachkunde als Laserschutzbeauftragter nachweisen - der sogenannte Laserführerschein.

Laser der Klassen 3 und 4 sind gefährlich: Sie können die Netzhaut zerstören, Haut verbrennen, Kleidung in Brand setzen. Laserpointer, die zur Klasse 2 gehören, sind im Vergleich dazu harmlos, weil sie zumindest keine dauerhaften Schäden verursachen, wenn man nur kurz in die Lichtquelle blickt.

Potentielle Nachahmer von Laserattacken wie in Australien warnt der TÜV-Experte Stehr ausdrücklich: "Wer mit einem Laser Autofahrer oder Piloten blendet, macht sich strafbar."

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Laserangriff: Pilot geblendet im Landeanflug


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