Auszeichnung Chemie-Nobelpreis für Forscher aus Frankreich und USA

Zwei US-Forscher und ein französischer Wissenschaftler teilen sich den diesjährigen Nobelpreis für Chemie. Robert Grubbs, Richard Schrock und Yves Chauvin erhalten die Auszeichnung für ihre Forschung im Bereich der organischen Synthese.


Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften würdigte insbesondere die Entwicklung der sogenannten Metathese. Bei dieser Methode wird die Doppelbindung zweier Substanzen gebrochen, und es werden neue Bindungen geschaffen.

Nobelpreis-Medaille Physik und Chemie: Höchste Auszeichnung für Forscher
The Nobel Foundation

Nobelpreis-Medaille Physik und Chemie: Höchste Auszeichnung für Forscher

Die schwedische Akademie verglich den Prozess mit Tänzern, die den Partner tauschen: Zwei Paare von doppelt gebundenen Kohlenstoffatomen binden sich aneinander, bilden für kurze Zeit ein Quadrat und trennen sich wieder. Die Partner sind anschließend vertauscht. Auf diese Weise bauen die Katalysatoren Kohlenstoffverbindungen aus Erdöl zielgerichtet um, so dass Kunststoffe und Arzneimittel daraus entstehen können - auf umweltschonendere Art als zuvor.

Das Verfahren werde täglich in der chemischen Industrie angewandt, erklärte das Nobelkomitee. "Dies ist ein großer Schritt in Richtung einer 'grünen Chemie'", hieß es. "Die Metathese zeigt beispielhaft, wie wichtige Grundlagenforschung zum Nutzen der Menschheit, der Gesellschaft und der Umwelt angewandt wird."

Das Verfahren wurde von Chauvin 1971 erstmals theoretisch detailliert erklärt. Richard Schrock war 1990 der erste, der im Bereich der metallorganischen Chemie einen wirksamen Katalysator für die Praxis entwickelte. Zwei Jahre später verbesserte Robert Grubbs diesen Katalysator so, dass er auch außerhalb des Labors zur Anwendung kommen konnte.

Chauvin forscht am Institut Français du Pétrole Rueil-Malmaison, Grubbs am California Institute of Technology in Pasadena und Schrock am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge. Sie erhalten jeweils ein Drittel des Preisgelds von umgerechnet 1,1 Millionen Euro (10 Millionen Schwedische Kronen).

Seit bald zwanzig Jahren ist der Nobelpreis nicht mehr an Deutsche gegangen. 1988 erhielten ihn die deutschen Chemiker Johann Deisenhofer, Robert Huber und Hartmut Michel für ihre Forschung zur Photosynthese. Der erste Nobelpreis für Chemie wurde 1901 an den Niederländer Jacobus Henricus van't Hoff für seine Arbeit über die Gesetze der chemischen Dynamik verliehen. Ein Jahr später erhielt ihn der deutsche Hermann Emil Fischer, der über Zucker- und Puringruppen geforscht hatte.

Die Auszeichnung für Chemie ist in jedem Jahr der dritte von fünf Nobelpreisen, die als Vermächtnis des schwedischen Erfinders und Industriellen Alfred Nobel vergeben werden. Nobel wollte Forscher ehren, "die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben". Die Preise werden im Dezember überreicht.

Traditionsgemäß folgen am Donnerstag voraussichtlich der Nobelpreis für Literatur und am Freitag der Friedensnobelpreis. Seit 1969 gibt es als sechsten Nobelpreis eine Auszeichnung im Bereich der Wirtschaftswissenschaften, deren Träger am kommenden Montag bekannt gegeben wird.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.