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Auszeichnung: Physik-Nobelpreis für die Herren des Lichts

Ohne ihre Arbeit hätte es die Digitalkamera-Revolution und das weltweite Datennetz nie gegeben: Der britisch-amerikanische Forscher Charles Kuen Kao und seine US-Kollegen Willard Boyle und George Smith haben lichtempfindliche Chips und Glasfaserkabel entwickelt. Dafür bekommen sie jetzt den Physik-Nobelpreis.

Physik-Nobelpreis: Die Herren des Lichts Fotos
AP

Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an den britisch-amerikanischen Wissenschaftler Charles Kuen Kao sowie die US-Amerikaner Willard Boyle und George Smith. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mit.

Kao hat mit seiner Arbeit einen Durchbruch auf dem Gebiet der schnellen Datenübertragung durch Glasfasern ermöglicht, so die Akademie. Boyle und Smith teilen sich die zweite Hälfte des Preises für die Erfindung des lichtempfindlichen CCD-Chips, der heute in den meisten Digitalkameras eingebaut ist. Die höchste Auszeichnung für Physiker ist in diesem Jahr mit umgerechnet knapp einer Million Euro (zehn Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

Wie es in der Begründung der Akademie heißt, hat Kao die Übermittlung von Lichtsignalen in Glasfaserkabeln sorgfältig berechnet. Mit einer Faser aus reinstem Glas ist es demnach möglich, Lichtsignale über bis zu 100 Kilometer zu versenden. Mit den Fasern, die in den sechziger Jahren verfügbar waren, sei nur eine Distanz von 20 Metern möglich gewesen. "Kaos Enthusiasmus hat andere Forscher inspiriert, seine Vision des zukünftigen Potentials von Glasfasern zu teilen", so die Akademie. Schon 1970 sei die erste ultrareine Faser hergestellt worden.

Inzwischen ist die Technologie allgegenwärtig. Würde man alle Glasfaserkabel der Welt entwirren, erhielte man eine einzelne Faser mit einer Länge von über einer Milliarde Kilometern. Mit ihr könne man die Erde mehr als 25.000-mal umwickeln. In jeder Stunde kämen weltweit tausende Kilometer hinzu. Kao wurde 1933 in Shanghai geboren und besitzt die britische sowie die amerikanische Staatsbürgerschaft. Er war unter anderem am Imperial College in London, an den Standard Telecommunication Laboratories im britischen Harlow und an der Chinese University of Hong Kong tätig.

Auszeichnung für Entwicklung des CCD-Sensorszise

Jeweils ein Viertel des Nobelpreises geht an den US-Amerikaner George Smith und seinen amerikanisch-kanadischen Kollegen Willard Boyle. 1969 haben die beiden erstmals erfolgreich mit Hilfe eines digitalen Sensors Bilder produziert. Der sogenannte CCD-Sensor (kurz für Charge-Coupled Device) steckt heute nicht nur in den meisten Digital- und Videokameras, sondern auch in Teleskopen sowie wissenschaftlichen und medizinischen Geräten.

Boyle kam 1924 im kanadischen Amherst zur Welt. Er arbeitete an der McGill University in Kanada und leitete später die Kommunikationsforschungsabteilung der berühmten Bell Laboratories in Murray Hill (US-Bundesstaat New Jersey). Smith wurde 1930 in White Plains (US-Bundesstaat New York) geboren und promovierte an der University of Chicago. Später war er ebenfalls in leitender Position bei den Bell Laboratories beschäftigt.

Im vergangenen Jahr hatten sich der US-Forscher Yoichiro Nambu und seine japanischen Kollegen Makoto Kobayashi und Toshihide Maskawa den Preis geteilt. Sie waren für fundamentale Erkenntnisse in der Teilchenphysik ausgezeichnet worden. Die Entdeckung und Erklärung bestimmter sogenannter Symmetriebrechungen hatte das Verständnis der Natur entscheidend verbessert.

Am Montag war der Medizin-Nobelpreis den US-Forschern Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak zugesprochen worden, die bahnbrechende Entdeckungen zur Alterung von Zellen gemacht hatten. Am Mittwoch werden die Träger des Chemie-Nobelpreises benannt. Die feierliche Überreichung findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

mbe/dpa/Reuters

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Forum - Nobelpreis für Glasfaser und Foto-Chips - gerechtfertigt?
insgesamt 19 Beiträge
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1.
danielpet 06.10.2009
Eine reichlich sinnfreie Frage. Wie man dem SPIEGEL ONLINE-Artikel über den diesjährigen Physik-Nobelpreis leider nicht entnehmen kann, erfolgt die Verleihung wieder mal an ein paar uralte Männer, deren gewürdigte Forschungsarbeiten aus den 60er Jahren stammen. (Der jüngste Preisträger ist 76.) Damals hat wohl niemand bei Lichtwellenleitern an Internetzugänge und bei CCD-Sensoren an Consumer-Digitalkameras oder Youtube gedacht. Insofern handelt es sich natürlich um Grundlagenforschung. Die Frage, die sich vielmehr stellt, ist, ob es nicht sinnvoller wäre, etwas jüngere Forscher mit dem Nobelpreis auszuzeichnen anstatt dieser Greise. "Jünger" kann in diesem Zusammenhang z. B. bedeuten: 55 Jahre. Auf jeden Fall sollte die Auszeichnung etwas zeitnäher erfolgen und die Preisträger sollten noch aktiv sein. Die Bedeutung des CCD-Sensors müsste sich dem Nobelkommitee eigentlich schon in den 80er Jahren erschlossen haben.
2. Lebenswerk
mavoe 06.10.2009
Zitat von danielpetEine reichlich sinnfreie Frage. Wie man dem SPIEGEL ONLINE-Artikel über den diesjährigen Physik-Nobelpreis leider nicht entnehmen kann, erfolgt die Verleihung wieder mal an ein paar uralte Männer, deren gewürdigte Forschungsarbeiten aus den 60er Jahren stammen. (Der jüngste Preisträger ist 76.) Damals hat wohl niemand bei Lichtwellenleitern an Internetzugänge und bei CCD-Sensoren an Consumer-Digitalkameras oder Youtube gedacht. Insofern handelt es sich natürlich um Grundlagenforschung. Die Frage, die sich vielmehr stellt, ist, ob es nicht sinnvoller wäre, etwas jüngere Forscher mit dem Nobelpreis auszuzeichnen anstatt dieser Greise. "Jünger" kann in diesem Zusammenhang z. B. bedeuten: 55 Jahre. Auf jeden Fall sollte die Auszeichnung etwas zeitnäher erfolgen und die Preisträger sollten noch aktiv sein. Die Bedeutung des CCD-Sensors müsste sich dem Nobelkommitee eigentlich schon in den 80er Jahren erschlossen haben.
Betrachten Sie mal den Herrn Mößbauer, genau, der mit "seinem" Effekt. Ziemlich jung mit dem Nobelpreis "geadelt" worden. Ich hab den mal gesehen und gehört, und der kam, für mich, ziemlich arrogant daher. Laser, Digitalkameras. Wer hats prinzipiell erfunden? Einstein! Und hiermit begrüße ich, dass Leute diese Ideen realisiert haben. Diese Nobelpreise sind, für mich, zurecht vergeben worden!
3. Alle Weltendten lauern gespannt auf die diesjährige Ziehung der Knobel-Preiträger!
Der.PolyTicker 06.10.2009
http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,653556,00.html
4.
Mad Mace 06.10.2009
Zitat von sysopIst es an der Zeit, dass die Wegbereiter der digitalen Revolution für ihre Verdienste gewürdigt werden? Oder hat das mit Grundlagenforschung nichts mehr zu tun?
Bei manchen Threads frage ich mich schon worauf die zu Grunde liegende Frage eigentlich abzielt. Wenn die Kommission es für gerechtfertigt hält dem Yamba!-Team einen Nobelpreis zu verleihen weil "Der verrückte Frosch" als der innovativste Mobiltelefonsound der letzten Jahre gewertet wird - wen kümmert das schon? Nobelpreise sind mit viel Geld dotiert, das ist schön für die Leute die sie bekommen. Aber die Juroren brauchen sich nicht zu rechtfertigen.
5. ...
mörk 06.10.2009
Der "wichtigste Nutzen" für die Menschheit, tja, das sind Leistungen, die bis heute mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt werden, aber dessen Raum ist bei SPON verwschwindend gering.
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Wer hat das Zeug zum Nobelpreisträger? Einmal im Jahr ist es so weit: Das Nobel-Komitee verleiht seine Preise. Lassen wir die ganze Forschung mal beiseite - das SPIEGEL-ONLINE-Quiz macht fit für den Rest: Anreise, Small-Talk und die noble Zeremonie!

Physik-Nobelpreisträger seit 1999
2015
2014
Isamu Akasaki, Hiroshi Amano und Shuji Nakamura aus Japan für die Entwicklung von Leuchtdioden, die blaues Licht emittieren. Sie bilden die Grundlage für weiße LEDs.
2013
François Englert (Belgien) und Peter Higgs (Großbritannien) für die Entwicklung des Mechanismus, der zum Verständnis des Ursprungs der Masse subatomarer Teilchen beiträgt. Dieser wurde durch die Entdeckung des Higgs-Bosons im Jahr 2012 am Kernforschungszentrum Cern bestätigt.
2012
David Wineland (USA) und Serge Haroche (Frankreich) für ihre Arbeit zur Wechselwirkung zwischen Licht und Materie. Ihnen war es gelungen, einzelne Quantenpartikel zu messen und zu kontrollieren, ohne sie zu zerstören, was den Weg zu revolutionären Quantencomputern ebnen könnte.
2011
Die Amerikaner Saul Perlmutter und Adam Riess sowie der US-Australier Brian Schmidt für ihre Forschungen zur Ausdehnung des Universums durch die Beobachtung ferner Sternenexplosionen, sogenannter Supernovae.
2010
Andre Geim und Konstantin Novoselov erhalten die Auszeichnung für die fundamentale Entdeckung der zweidimensionalen Kohlenstoffstruktur Graphen.
2009
Charles Kuen Kao für seine Arbeit auf dem Gebiet der schnellen Datenübertragung durch Glasfasern. Willard Boyle und George Smith teilen sich die zweite Hälfte des Preises für die Erfindung des lichtempfindlichen CCD-Chips, der heute in den meisten Digitalkameras eingebaut ist.
2008
Yoichiro Nambu (USA), Makoto Kobayashi (Japan) und Toshihide Maskawa (Japan) für die Entdeckung und Erklärung sogenannter Symmetriebrechungen in der Teilchenphysik, die das Verständnis der Natur entscheidend verbessert haben.
2007
Peter Grünberg (Deutschland) und Albert Fert (Frankreich) für die Entdeckung des "Riesenmagnetowiderstands" , durch den sich die Speicherkapazität von Computer-Festplatten drastisch erhöhen ließ.
2006
John C. Mather und George F. Smoot (beide USA) für die Entdeckung der Saat der Galaxien in der kosmischen Hintergrundstrahlung, dem "Echo des Urknalls".
2005
Roy J. Glauber (USA) für Grundlagen der Quantenoptik sowie John L. Hall (USA) und Theodor W. Hänsch (Deutschland) für die Entwicklung einer laserbasierten Präzisionsmesstechnik für Lichtfrequenzen.
2004
David J. Gross , H. David Politzer und Frank Wilczek (alle USA) für Erkenntnisse zur Kraft zwischen den kleinsten Materieteilchen im Atomkern, den Quarks.
2003
Alexej Abrikosow (USA und Russland), Vitali Ginsburg (Russland) und Anthony Leggett (USA und Großbritannien) für bahnbrechende Arbeiten zu Supraleitern und Supraflüssigkeiten.
2002
Raymond Davis (USA), Masatoshi Koshiba (Japan) und Riccardo Giacconi (USA) für die Entdeckung kosmischer Röntgenstrahlen und Neutrinos.
2001
Wolfgang Ketterle (Deutschland), Eric A. Cornell (USA) und Carl E. Wieman (USA) für die Erschaffung des Bose-Einstein- Kondensats, der fünften Erscheinungsform der Materie neben fest, flüssig, gasförmig und dem Plasma.
2000
Herbert Kroemer (Deutschland), Zhores Alferow (Russland) und Jack Kilby (USA) für die Herstellung integrierter Schaltkreise und des Halbleiter-Lasers.
1999
Gerardus 't Hooft und Martinus J.G. Veltman (beide Niederlande) für ihre Beiträge zur Theorie der elektroschwachen Wechselwirkung.

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