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Baden-Württemberg: Archäologen bergen keltisches Fürstengrab

Das Grab ist erstaunlich gut erhalten, die Beigaben aus Gold und Bernstein prunkvoll: Archäologen schwärmen über einen neuen Fund im Umfeld der Heuneburg. Das rund 2600 Jahre alte Keltengrab könnte mehr über die frühe Kultur verraten. 

Heuneburg: Prunk aus der frühen Keltenzeit Fotos
Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg

Antikenforscher jubeln: Ein 2500 Jahre altes Fürstengrab soll die Geschichte der Kelten erhellen. Archäologen haben bei Herbertingen in Baden-Württemberg ein keltisches Fürstengrab aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus geborgen. Das vier mal fünf Meter große Kammerschachtgrab im Umfeld der Heuneburg ist ihren Angaben zufolge außerordentlich gut erhalten.

Normalerweise würden die Eichenhölzer, aus denen der Kammerboden gezimmert ist, durch Grundwasser und Staunässe im Boden spurlos vergehen, sagte Restauratorin Nicole Ebinger-Rist. Doch in diesem Fall wurden sie konserviert. Das Grab enthalte zudem reiche Schmuckbeigaben aus Gold, Bernstein, Bronze und Pechkohle - bisher freigelegte Gräber im Gebiet der Heuneburg waren von Grabräubern geplündert.

Der gute Zustand sollte es ermöglichen, das Alter der Kammer genau zu bestimmen - mit Hilfe der Jahresring-Datierung, da die Jahresringe des Holzes Aufschluss darüber geben können, in welchem Zeitraum der Baum gewachsen ist. In der Keltenforschung sei eine exakte Datierung eine Seltenheit, da die Kelten kaum Schriften hinterließen, und ihre meist aus Holz und Lehm gebauten Häuser bis heute längst verrottet sind, erklärt Grabunsleiter Dirk Krausse. Der Fund sei daher ein "Meilenstein für die Rekonstruktion der Sozialgeschichte der Kelten", schwärmt der Landesarchäologe.

Der Archäologe geht aufgrund der bereits geborgenen Beigaben davon aus, dass es sich um das Grab einer Frau aus dem Heuneburg-Adel handelt. Allerdings könne man dies noch nicht mit Sicherheit sagen, dafür seien weitere Untersuchungen unter Laborbedingungen notwendig. Bisher wurde nur ein kleiner Teil der Kammer freigelegt.

Per Tieflader abtransportiert

Die Bergung der kompletten Grabkammer war ein anspruchsvolles Projekt: Zwei Schwerlastkräne hoben sie samt Inhalt und setzten sie auf einen Spezialtieflader. Der gesamte Block misst sechs mal siebeneinhalb Meter und wiegt rund 80 Tonnen. Er wird in den Großraum Stuttgart transportiert, wo Experten das Grab in einem Labor genau analysieren. Erste Ergebnisse wollen die Wissenschaftler im Juni 2011 präsentieren.

Der einstige Fürstensitz Heuneburg an der Donau gilt als die älteste frühstädtische Siedlung nördlich der Alpen. In der Zeit zwischen 620 und 480 vor Christus stellte der Ort wahrscheinlich ein wichtiges Handelszentrum dar.

Zwischen 1950 und 1976 fanden großflächige Ausgrabungen auf dem Burgberg statt, auch der Bereich um die Burg herum wurde in den vergangenen zehn Jahren intensiv erforscht.

Das Grab und seine Beilagen sollen 2012 in der geplanten Ausstellung "Die Welt der Kelten. Zentren der Macht - Kostbarkeiten der Kunst" in Stuttgart zu sehen sein.

wbr/dpa/dapd

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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.


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