Bahnstrecken-Neubau in Sachsen-Anhalt Forscher finden 4000 Jahre alte Skelette

Archäologen haben in Sachsen-Anhalt spektakuläre Funde gemacht. Bei Bauarbeiten für eine neue ICE-Strecke gab die Erde mehrere Gräber aus der Bronzezeit frei. Die Toten waren übereinander bestattet.

DPA / LDA Halle/Saale

Oechlitz/Halle - Vor rund 4000 Jahren wurden sie begraben, jetzt hat die Erde sie wieder freigegeben: Bei Ausgrabungen sind die sterblichen Überreste von Menschen aus der frühen Bronzezeit entdeckt worden, die im heutigen Sachsen-Anhalt lebten. Archäologen haben die übereinander bestatteten Toten an der künftigen ICE-Strecke Erfurt-Halle/Leipzig entdeckt. Neben diesen Etagen-Gräbern fanden sie nahe Oechlitz auch mehrmals benutzte Grabstätten, teilte das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie an diesem Montag in Halle mit.

Seit mehr als einem Jahr untersuchen acht Grabungsteams eine rund hundert Hektar große Fläche auf der Querfurter Platte zwischen den Tälern von Saale und Unstrut. 75 Hektar haben die Archäologen bislang erkundet und dabei mehr als 55.000 Funde geborgen. Die mit 7300 Jahren bisher ältesten gab es im Saalekreis. Es handelt sich um mehr als 300 teils gut ausgestattete Gräber, die zur linienbandkeramischen Kultur der frühen Jungsteinzeit gehören.

In Gräbern aus verschiedenen Epochen fanden die Experten kupferne Haarspiralen, Kupfer- und Bernsteinschmuck, eine kleine Dolchklinge sowie Hunderte durchlochter Hundezähne und Tausende kleine Muschelscheiben, die ursprünglich als Schmuck oder Verzierung auf der Kleidung getragen wurden.

Einmalige Chance für Archäologen

Die Querfurter Platte wird seit mindestens 7500 Jahren besiedelt: Die fruchtbaren Böden haben jahrhundertelang Menschen angelockt. Die Forscher fanden auch Relikte aus jüngerer Vergangenheit, wie etwa ein slawisches Gräberfeld aus dem 9. bis 10. Jahrhundert nach Christus. "Die große Bandbreite der Spuren archäologischer Kulturen und die Zahl und Qualität der einzelnen Funde belegen die hohe Bedeutung, die der Region seit Tausenden von Jahren nicht nur als Siedlungsgebiet, sondern auch als Verkehrsroute zukommt", teilte das Landesamt in Halle mit.

Wegen des Neubaus der ICE-Trasse biete sich nun die einmalige Chance, auf einer Länge von 22 Kilometern einen vollständigen Schnitt durch eine der bedeutendsten Siedlungsregionen Mitteldeutschlands zu ziehen. Die Grabungen laufen noch bis Mitte des kommenden Jahres, danach werden die Funde bis zum Frühjahr 2011 inventarisiert und dokumentiert.

mbe/dpa



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