Ausgegraben

Legendärer Kopfschutz Bataver-Helm per 3D-Drucker repariert

Museum Het Valkhof/ R. Meijers

Sie schützten Krieger im Kampf für Rom: Bataver-Helme sind legendär, aber selten. Bislang haben Archäologen nur vier Stück gefunden. Ein beschädigtes Exemplar konnten sie nun rekonstruieren - mit einem 3D-Drucker.

Der Krieger, dessen Helm auf dem Hunnerberg nahe des niederländischen Nijmegen gefunden wurde, muss ein furchterregender Anblick gewesen sein. Eine solide Maske bedeckte sein Gesicht, den Schädel schützte eine Kalotte, die mit kunstvoll geflochtenen kleinen Zöpfen aus Pferdehaar beklebt war. Wer diesen Helm sah, wusste: Darunter steckt ein Anführer der Bataver. Viele Krieger des westgermanischen Volksstammes aus der römischen Provinz Belgica heuerten bei den Römern an - wie offenbar auch der Träger des Helms, denn auf dem Hunnerberg lag ein römisches Legionslager.

Die Bataver-Helme sind legendär, doch bislang haben Archäologen nur vier davon gefunden, drei davon in Nijmegen und einen in Xanten. "Die drei Helme wurden auf einem Haufen zusammen unter dem Hauptgebäude des Militärlagers gefunden", sagt Ronny Meijers, Restaurator am Museum Het Valkhof in Nijmegen. Von einem der Helme aus Nijmegen sind nur noch Teile erhalten - und von der Maske lediglich die rechte Hälfte. Ohr, Augenpartie und Schläfe der linken Seite fehlen.

"Es war immer mein Wunsch, die Maske wieder komplettzumachen", sagt Meijers. "Aber es gab bisher keine geeigneten Techniken, um die rechte Seite zu spiegeln. Und die linke Seite frei zu modellieren, wäre zu aufwendig gewesen."

Spiegeln und ausdrucken

Die Lösung des Problems war ein kleiner weißer Apparat, etwas größer als ein Fön, den Meijers Kollegin Vivianne Veenemans mit ins Museum brachte: ein Artec 3-D-Scanner. Damit fuhren die beiden Restauratoren mehrmals über die rechte, noch erhaltene Maskenhälfte und den Bruchrand auf der linken Seite - ähnlich wie mit einer Videokamera. Am Rechner konnten sie dann die rechte Seite spiegeln und an den Bruchrand der linken Seite anpassen.

Das fertig errechnete Modell des fehlenden Stücks druckten Meijer und Veenemans mit einem 3D-Drucker aus. "Die Prints sind per Epoxidharz mit dem Originalmaterial verklebt", berichtet Meijers. "Dem Harz haben wir Tixotropiepulver, Pigmente und Füllstoffe beigemischt." Rein optisch ist der Druck nicht vom Original zu unterscheiden.

Damit hat das Museum nun eine weitere vollständige Bataver-Visiermaske in der Ausstellung. Schon das Original war eine technische Meisterleistung. Vor einigen Jahren untersuchte der Restaurator Frank Willer das Xantener Exemplar. Er fand heraus, dass die Kalotte aus achtlagigem Weicheisen besteht, das dreimal gefaltet wurde. Am Ende war das Material dadurch ähnlich hart wie Damaststahl, was Belastungstests mit römischen Waffen belegen konnten.

Exklusive Maßanfertigung

Vor allem aber die Verzierung des Xantener Helms hat es in sich. Mit einer Art Zweikomponentenkleber befestigten die Bataver Pferdehaare auf dem glatten Metallhelm. Der Kleber war gemischt aus Birkenharz, Bitumen und tierischem Fett. Dieser Superkleber blieb in der Winterkälte geschmeidig und in der Sommerhitze hart. Zwei bis drei Pferde mussten für einen Prachthelm ihren Schweif lassen. Gut 250 Stunden Flechtarbeit stecken in einem Helm.

Die Maske wurde mit einem Scharnier an der Kalotte befestigt, damit der Krieger sie hochklappen konnte. Jeder Helm passte aber nur genau einem Reiter, denn die Anpassung an die individuellen Gesichtszüge war Maßarbeit. Nur wenn die Maske passgenau saß, konnte der Reiter durch die engen Augenschlitze das Kriegsgeschehen verfolgen. Alles zusammen - Helm und Maske - wog fast vier Kilo. Ein Bataver-Helm war nichts für Schwächlinge.

Wer aber war der Bataver, dessen Helm auf dem Hunnerberg lag? Wahrscheinlich tatsächlich ein Kavallerist im Dienste Roms. "Diese Reiter kannten sich in dem sumpfigem Gebiet bestens aus und konnten mit ihren Pferden sogar die Flüsse durchschwimmen", erklärt Meijers.

Die Bataver galten als Freunde der Römer und kämpften Seite an Seite mit ihnen - zumindest bis zum Bataver-Aufstand im Jahr 69. Bei der Revolte germanischer und keltischer Stämme gegen die römische Besatzung Niedergermaniens wurden sowohl das römische Legionslager auf dem Hunnerberg als auch die danebenliegende zivile Siedlung zerstört. Nach einem Jahr hatten die Römer wieder die Oberhand in Niedergermanien. Aus dem ehemaligen Lager entstand die Stadt Ulpia Noviomagus Batavorum - das heutige Nijmegen.



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6 Leserkommentare
Reg Schuh 11.08.2014
mchunter 11.08.2014
gwyar 11.08.2014
western_skies 11.08.2014
Björn Borg 11.08.2014
hjmmeij 15.08.2014

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