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Beeinträchtigte Hirnfunktionen CIA-Folter war kontraproduktiv

Waterboarding (nachgestellte Szene aus einem Film von Amnesty International): Erinnerungslücken irgendwie ausfüllenZur Großansicht
dpa

Waterboarding (nachgestellte Szene aus einem Film von Amnesty International): Erinnerungslücken irgendwie ausfüllen

Brutale Verhörmethoden wie Schlafentzug oder simuliertes Ertrinken können bei den Befragten schwere Hirnschäden auslösen. Zu diesem Schluss kommt ein irischer Forscher. Er warnt davor, dass Terrorverdächtige sogar falsche Informationen liefern könnten - nur damit die Qualen enden.

Washington - Vom ethischen Standpunkt aus war ohnehin mehr als problematisch, was Mitarbeiter der US-Geheimdienste in den vergangenen Jahren mit Terrorverdächtigen angestellt haben. Doch nicht nur das: Verhörmethoden wie das sogenannte Waterboarding, bei der das Gefühl des Ertrinkens simuliert wird, sind offenbar auch kontraproduktiv bei der Informationsgewinnung. Das schreibt der irische Neurowissenschaftler Shane O'Mara vom Trinity College in Dublin im Fachmagazin "Trends in Cognitive Sciences" (Vol. 13, Issue 10).

Die von US-Präsident Barack Obama abgeschafften harschen Verhörmethoden des Geheimdienstes CIA hätten bei den betroffenen Verdächtigen bleibende Schäden angerichtet, berichtet O'Mara. So seien bei Terrorverdächtigen wahrscheinlich Erinnerungsvermögen und Hirnfunktionen beeinträchtigt worden - und damit ihre Fähigkeit, genau die detaillierten Informationen zu liefern, die die CIA haben wollte. Der Wissenschaftler konnte selbst keine Betroffenen untersuchen. Er hatte vielmehr durch Literaturrecherchen zusammengestellt, welche Folgen die öffentlich beschriebenen CIA-Foltertechniken auf die solcherart Befragten gehabt haben müssen.

Ein CIA-Sprecher setzte mit seiner Kritik auch bei diesem Punkt an. Das Verhörprogramm sei legal gewesen und habe der Regierung Informationen zur Terrorabwehr geliefert, sagte Geheimdienstsprecher George Little. Und der Forscher habe eben keinen direkten Kontakt zu den Befragten gehabt.

Doch O'Mara ist sich sicher: Die vom damaligen Präsidenten George W. Bush genehmigten harten Verhörmethoden wie das Waterboarding hätten die Fähigkeit der Vernommenen gemindert, sich detaillierte Informationen merken und diese abrufen zu können. Derart unter Druck gesetzte Verdächtige könnten dann versucht haben, Erinnerungslücken irgendwie auszufüllen - dieses Phänomen ist beispielsweise bei Alzheimer-Patienten als Konfabulieren bekannt.

O'Mara schreibt, die mittlerweile verbotenen Verhörmethoden beruhten offenbar nicht auf den modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen darüber, wie Erinnerung und kognitive Gehirnfunktionen arbeiteten. CIA-Techniken wie langer Schlafentzug, die Fesselung in schmerzhaften Körperhaltungen, das Ausnutzen von Ängsten der Gefangenen und Waterboarding seien für das Verhörziel biologisch kontraproduktiv gewesen.

chs/AP

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"An den Rand des Todes und zurück" - Folterberichte
AP
Abu Subeida, ein mutmaßlich enger Vertrauer von Osama Bin Laden, wurde im März 2002 in Pakistan gefasst und dabei schwer verletzt. Die CIA sorgte dem Bericht zufolge ausdrücklich dafür, dass er gesundgepflegt wurde - nur um ihn dann foltern zu können. Dazu sei er zwischen mehreren CIA-Lagern hin- und hertransportiert worden.

"Ich erwachte, nackt, an ein Bett gefesselt, in einem sehr weißen Raum. Der Raum maß ungefähr vier mal vier Meter. (...) Nach einiger Zeit, ich glaube, dass es mehrere Tage waren, wurde ich zu einem Stuhl gebracht, an den ich an Händen und Füßen gekettet wurde, für die nächsten zwei bis drei Wochen, glaube ich. In der Zeit bekam ich durch das dauerhafte Sitzen Blasen an der Unterseite meiner Beine. (...) In den ersten zwei oder drei Wochen bekam ich, während ich auf dem Stuhl saß, keine feste Nahrung. Mir wurde nur Ensure (ein Proteingetränk, Anm.d.Red.) und Wasser zu trinken gegeben. Anfangs musste ich mich von dem Ensure übergeben, aber das wurde mit der Zeit besser. (...) Die Zelle und der Raum waren klimatisiert und sehr kalt. Die ganze Zeit spielte sehr laute Brüllmusik. Sie wiederholte sich alle 15 Minuten, 24 Stunden am Tag. Manchmal stoppte die Musik und wurde von lautem Zischen oder Knattern abgelöst. (...) Zwei schwarze Holzkisten wurden in den Raum außerhalb meiner Zelle gebracht. Eine war hoch, etwas größer als ich und schmal. (...) Die andere war kleiner. (...) Ich wurde aus meiner Zelle geholt, und einer der Vernehmenden wickelte ein Handtuch um meinen Hals, und dann benutzten sie das, um mich herumzuschleudern und mich wiederholt gegen die harte Wand des Raums zu schmettern. Auch wurde ich wiederholt ins Gesicht geschlagen. (...) Dann wurde ich in die große Kiste gesteckt, ich glaube für rund eine bis eineinhalb Stunden. Die Kiste war innen und außen total schwarz. (...) Sie bedeckten die Außenseite der Kiste mit einem schwarzen Tuch, um das Licht zu verdunkeln und meine Luftzufuhr zu drosseln. Es war schwer zu atmen. (...) Nach dem Verprügeln wurde ich in die kleine Kiste gesteckt. (...) Da sie nicht hoch genug war, um aufrecht zu sitzen, musste ich mich zusammenkrümmen. Wegen meiner Wunden war das sehr schwer. (...) Die Wunde an meinem Bein öffnete sich und begann zu bluten. Ich weiß nicht, wie lange ich in der kleinen Kiste blieb, ich bin vielleicht eingeschlafen oder ohnmächtig geworden. (...) Dann wurde ich aus der kleinen Kiste gezerrt, ohne dass ich ordentlich laufen konnte, und auf etwas geschnallt, was wie ein Krankenhausbett aussah, und mit engen Gurten sehr eng daran gefesselt. Ein schwarzes Tuch wurde über mein Gesicht gepresst, und die Vernehmer nahmen eine Mineralwasserflasche, um Wasser auf das Tuch zu kippen, so dass ich nicht atmen konnte. Nach ein paar Minuten wurde das Tuch weggenommen und das Bett in eine aufrechte Position gedreht. Der Druck der Gurte auf meine Wunden tat sehr weh. Ich erbrach mich. Dann wurde das Bett wieder in eine horizontale Position gedreht und die gleiche Folter wiederholt, mit dem schwarzen Tuch über meinem Gesicht und dem Wasser aus der Flasche. Diesmal hing mein Kopf mehr in einer rückwärtigen, nach unten gerichteten Position, und das Wasser wurde länger ausgeschüttet. Ich kämpfte mit den Gurten, versuchte zu atmen, doch es war hoffnungslos. Ich dachte, ich würde sterben. Ich verlor die Kontrolle über mein Urin. Seitdem verliere ich auch heute noch die Kontrolle über mein Urin, wenn ich unter Stress stehe. (...) Das dauerte etwa eine Woche. In der Zeit wurde die ganze Prozedur fünfmal wiederholt. (...) Einmal wurde das Ersticken dreimal hintereinander wiederholt. (...) Mehrmals brach ich dabei zusammen und verlor das Bewusstsein. Dann wurde die Folter durch die Intervention eines Arztes gestoppt."

Quelle: ICRC/Mark Danner/"New York Review of Books"






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