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Beißende Dämpfe: Mysteriöser Meteorit macht Peruaner krank

Peruanische Behörden sind beunruhigt: Hunderte Menschen sind nach einem Meteoriteneinschlag in den Anden erkrankt - aus dem Krater steigen beißende Dämpfe auf. Nach Berichten von Einwohnern eines nahegelegen Dorfes verweigert das Vieh seit dem Zwischenfall die Nahrung.

Lima - Die peruanische Nachrichtenagentur Andina berichtet, ein "nicht-identifiziertes, leuchtendes Objekt" sei "vom Himmel gefallen" und habe den sechs bis acht Meter tiefen und 30 Meter durchmessenden Krater gerissen. Der Einschlag habe sich nahe des Dorfes Carancas etwa 1300 Kilometer südlich von Lima in der Nähe der Grenze zu Bolivien ereignet. Die Dorfbewohner klagen nun über eine rätselhafte Übelkeit mit Erbrechen, Kopfschmerzen und Atemwegsbeschwerden.

Der stechende Rauch habe seine Nase und seinen Hals gereizt, obwohl er eine Maske getragen habe, sagte ein Wissenschaftler. Nach Angaben des Ingenieurs Renan Ramirez vom peruanischen Institut für Atomenergie wurde am Krater keine Strahlung gemessen. Falls es Überreste des Meteoriten selbst geben sollte, sind diese bislang nicht zu sehen, weil der Krater mit schlammigem Wasser gefüllt ist. Der Rand des Kraters mache einen verbrannten Eindruck. Erste Bewegtbilder von der Einschlagsstelle zeigen Männer, die mit Krümeln von gräulich verfärbtem Gestein oder Boden hantieren.

"Es hat sich in den Boden gegraben" sagte ein Anwohner der BBC über das mysteriöse Objekt. Man fordere eine Untersuchung, weil "wir uns um unsere Leute Sorgen machen. Sie fürchten sich. Ein Stier ist tot und ein paar andere Tiere sind bereits krank."

Jorge Lopez, Leiter der Gesundheitsbehörde in Puno, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, man habe "etwa 100 Menschen untersucht, die in die Nähe des Kraters gekommen sind, die an Erbrechen und Kopfschmerzen leiden". "Die Leute haben Angst", fügte Lopez hinzu.

Vieh verweigert die Nahrung

Die Dämpfe könnten nach erster Einschätzung von Wissenschaftlern Auslöser der Übelkeit sein, weil sie möglicherweise Schwefel, Arsen oder andere giftige Substanzen enthielten. Jorge Lopez machte dafür toxische Gase aus dem Krater verantwortlich. Die 200 erkrankten Bewohner von Carancas würden medizinisch behandelt, sagte der Bürgermeister des Nachbarorts Desaguadero, Nestor Quispe. Ein lokaler Radiosender berichtet sogar von 600 erkrankten Anwohnern.

Die Menschen seien in Sorge, dass die Dämpfe dauerhafte Gesundheitsschäden verursachen könnten. "Außerdem haben sie Angst, dass weitere Objekte aus dem All herunterfallen könnten." Der Meteorit habe bei seinem Aufprall den Boden erzittern lassen. Sogar das einheimische Vieh verhalte sich seitdem seltsam und verweigere die Nahrung, berichtete Quispe.

Am Samstag hatten Anwohner von einem lauten Krach und einer starken Erschütterung des Bodens berichtet. Die Meteoritenexpertin Ursula Marvin vom Smithsonian Astrophysical Observatory im US-Staat Massachusetts äußerte die Vermutung, dass eine Staubwolke mit Partikeln der Erdoberfläche die Gesundheitsprobleme verursacht haben. Eine Expertin vom Institut für Bergbau, Geologie und Metallurgie in Lima sagte Reuters dagegen, eine Wechselwirkung zwischen den Elementen in dem Meteoriten und der Erdoberfläche könnte Gase erzeugt haben, die sich nun verteilen. Das Geophysikalische Institut in Peru leitete eine Untersuchung ein.

Reuters zitiert den Leiter des Institutes, Hernando Tavera, mit den Worten, in der Andengegend im südlichen Peru seien auch 2002 und 2004 schon Meteoriten vom Himmel gefallen. In der Region Arequipa gab es erst im vergangenen Juni einen Meteoriteneinschlag.

cis/AP/AFP/rtr

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Peru: Dämpfe aus dem Krater


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