Beschleunigungshilfe Antike Weitspringer schwangen Gewichte

Schon die alten Griechen griffen im Wettkampf zu technischen Hilfsmitteln: Wie Forscher jetzt berechnet haben, konnten sich Weitspringer mit hantelähnlichen Sportgeräten um einige Zentimeter verbessern.


Hanteleinsatz beim Weitsprung (Darstellung auf einer antiken Vase): Anspruchsvolle Technik
The British Museum

Hanteleinsatz beim Weitsprung (Darstellung auf einer antiken Vase): Anspruchsvolle Technik

Beim Weitsprung zählte bei altgriechischen Athleten nicht nur Training: Sie steigerten ihre Leistung auch durch hantelähnliche Gewichte. Welchen Effekt die so genannten Halteres hatten, konnten Sportwissenschaftler aus Großbritannien jetzt mit Computersimulationen und Experimenten zeigen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen sie in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Nature".

Die Hanteln aus Stein oder Blei kamen vermutlich erstmals bei den Olympischen Spielen im Jahr 708 vor Christus zum Einsatz. Beim Weitsprung aus dem Stand nahmen die Athleten in jede Hand ein solches Gewicht. Wie Alberto Minetti und Luca Ardigó von der Manchester Metropolitan University berechnet haben, konnte ein Drei-Meter-Satz durch geschicktes Schwingen um mindestens 17 Zentimeter verlängert werden.

Griechisches Sportgerät: Verbesserung um mindestens 17 Zentimeter
Alberto E. Minetti/ Manchester Metropolitan University

Griechisches Sportgerät: Verbesserung um mindestens 17 Zentimeter

Nach einem anfänglichen Hin- und Herschwingen riss der Athlet die Gewichte beim Absprung und in der ersten Flugphase nach vorne. Ein noch besseres Ergebnis ließ sich wahrscheinlich, so die Forscher, durch eine etwas anspruchsvollere Technik erzielen: Dazu musste der Sportler die Halteres kurz vor der Landung wieder nach hinten schnellen lassen.

Mit einer jeweils drei Kilogramm schweren Hantel in jeder Hand, so ergab die Simulation, konnte ein Athlet sein Absprungtempo um zwei Prozent steigern. Die positive Wirkung nahm, wie auch Experimente mit Freiwilligen zeigten, erst bei Gewichten von mehr als sechs Kilogramm deutlich ab. Dieses Ergebnis deckt sich gut mit den archäologischen Fundstücken, die zwischen einem und knapp fünf Kilogramm wiegen.

Die Halteres könnten den Forschern zufolge die ersten passiven Werkzeuge darstellen, mit denen Sportler die menschliche Bewegungsfähigkeit verbesserten. Auf die Vermutung, die Gewichte hätten von Anfang an nur dem Zentimeterschinden gedient, wollen sich Minetti und Ardigó aber nicht festlegen lassen: Womöglich wurde das Sportgerät ursprünglich eingeführt, um den Wettkampf technisch schwieriger zu gestalten.



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