Besiedlung Nordamerikas Speerspitze in Mastodonknochen deutet auf frühe Großwildjäger

Sie hatten es auf Mammuts und Mastodonten abgesehen: In Nordamerika erlegten Menschen bereits vor rund 13.800 Jahren große Rüsseltiere. Das belegt ein fossiler Mastodonknochen samt Speerspitze. Der Fund rüttelt an der Theorie zur Besiedlung Amerikas - dafür ist er tausend Jahre zu alt.

CSFA/ Texas A&M University

Hamburg - Mit Speeren rückten Menschen in Nordamerika vor fast 14.000 Jahren Mammuts und den ähnlich großen Mastodonten auf den Leib. Nun haben Forscher eine Spur dieser frühen Jäger ausgewertet: einen fossilen Mastodon-Rippenknochen, in dem noch ein Teil einer Waffenspitze steckt.

Demnach wurde das Tier vor etwa 13.800 Jahren erlegt - und damit fast tausend Jahre, bevor die Clovis-Kultur aufblühte. Deren Vertreter galten bisher als erste Großwildjäger des amerikanischen Kontinents.

Damit seien die Clovis-Menschen auch nicht allein verantwortlich für den späteren Niedergang dieser großen Tiere in Nordamerika, schreiben die Wissenschaftler aus Dänemark und den USA im Wissenschaftsmagazin "Science".

Der Rippenknochen stammt aus einer Grabungsstelle im Bundesstaat Washington. Dort hatten Forscher bereits Ende der siebziger Jahre ein einzelnes Amerikanisches Mastodon (Mammut americanum) ausgegraben. Einzelne Knochen des Tieres waren zerbrochen, von anderen waren Stücke abgeschlagen worden. So kamen bald Zweifel auf, ob der Rippenknochen samt Spitze tatsächlich zu dem Skelett gehörte oder später an die Fundstelle gelangt war.

Waffe aus Mastodonknochen hergestellt

Die Forscher um Michael Waters von der Texas A&M University in der Stadt College Station datierten jetzt mit Hilfe einer Kohlenstoffanalyse den Rippenknochen sowie die beiden Stoßzähne des Mastodons neu. Die Untersuchung ergab, dass alle Proben gleich alt sind, nämlich etwa 13.800 Jahre. Eine Computertomografie zeigte weiter, dass es sich bei der Projektilspitze um ein zugespitztes Stück Knochen handelt. Sie drang etwa 2,5 Zentimeter in die Rippe ein und brach dann ab.

Genetische Untersuchungen ergaben schließlich, dass die speerartige Waffe aus einem Mastodonknochen hergestellt worden war. Sie durchdrang Haare und Haut des Tieres und bohrte sich dann 25 bis 30 Zentimeter durch einen großen Muskel, bevor sie auf die Rippe traf, schreiben die Forscher. Sie nehmen deshalb an, dass die Spitze mindestens 27 bis 32 Zentimeter lang war. So lang waren auch die Spitzen der Wurf- oder Stichwaffen, die die Clovis-Menschen später aus Holz und Stein fertigten.

Es gebe auch an anderen Grabungsorten Hinweise, dass Menschen in Nordamerika bereits vor der Clovis-Kultur Großwild jagten. Die nordamerikanischen Großtierarten unterlagen somit einer sehr viel längeren Zeit einem Jagddruck, folgern die Wissenschaftler. Einen "Clovis-Blitzkrieg", wie von einigen Forschern vermutet, habe es nicht gegeben. Aber die von den Clovis-Menschen entwickelten neuen Waffen - sie bestanden vor allem aus Feuerstein - haben den Niedergang der großen Tiere vermutlich beschleunigt.

wbr/dpa

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