2050 leben auf der Erde mehr Senioren als Kinder. Viele Staaten könnte diese Entwicklung überfordern. Besonders rasant steigt die Lebenserwartung in Jordanien, Vietnam, Nicaragua und der Mongolei.
Immer wieder warnen Wissenschaftler vor einer Überalterung der Gesellschaft, die westlichen Ländern droht. Der nun erstmals vorgestellte Global Agewatch Index zeigt jedoch, dass vor allem Entwicklungs- und Schwellenländern mit einer besonders rasanten Alterung der Bevölkerung rechnen müssen. Im Jahr 2050 werden erstmals auf der Erde mehr Senioren (ab 60) als Kinder (unter 15) leben.
Entwickelt wurde der Global Agewatch Index von der Hilfsorganisation Helpage International und dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (United Nations Population Fund, UNFPA). Das Ranking beruht auf Bevölkerungsstatistiken sowie Daten von WHO und Weltbank.
Der Global Agewatch Index wird aus vier Komponenten berechnet: Einkommenssicherheit, Gesundheit, Beschäftigungsstand und Bildung sowie Lebensbedingungen wie Sicherheit, Freiheit und Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Jede dieser vier Komponenten wurde für jedes Land als Prozentwert berechnet, wobei 100 Prozent den unerreichten Idealzustand bilden.
Angeführt wird die Liste von Schweden, das im Index auf einen Wert von 89,9 Prozent kommt. Deutschland erreicht Rang drei (89,3 Prozent). Die letzten beiden Plätze gehen an Tansania (4,6 Prozent) und Afghanistan (3,3 Prozent). Das Ranking umfasst jedoch nicht alle Länder der Erde - nur für 91 Staaten lagen aussagekräftige Statistiken vor.
Die Unterschiede von Staat zu Staat können sehr groß sein: Die Lebenserwartung im letztplatzierten Land Afghanistan beispielsweise liegt bei 59 Jahren (Männer), Frauen kommen auf 61 Jahre. Die weltweiten Mittelwerte liegen bei 68 Jahren (Männer) beziehungsweise 72 Jahren (Frauen).
Besonders schnell steigt die Lebenserwartung in Ländern wie Jordanien, Laos, Mongolei, Nicaragua und Vietnam. Hier rechnen die Experten mit einer Verdreifachung der Seniorenzahl bis 2050. Das dürfte die betroffenen Staaten vor große Probleme stellen, denn im Global Agewatch Index liegen sie in der unteren Hälfte. Als Senioren gelten alle Menschen ab 60 Jahren.
Viele Länder würden trotz der großen Herausforderungen nichts unternehmen, weil sie die Kosten fürchteten, sagte Silvia Stefanoni von HelpAge International. Japan und Deutschland bewiesen jedoch, dass auch Länder mit vergleichsweise alter Bevölkerung gute Bedingungen für Senioren schaffen könnten. "Es gibt keinen Beweis dafür, dass eine gealterte Gesellschaft wirtschaftlich benachteiligt ist", sagte sie.
Wohlstand allein garantiert übrigens auch nicht, dass Senioren gut leben. Schwellenländer wie Brasilien, Russland, Indien und China liegen im Index hinter ärmeren Staaten wie Uruguay, Costa Rica und Panama.
hda/AP
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