Bevölkerungswachstum Die Welt ist nicht genug

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2. Teil: Hunger und Verschwendung - warum es eigentlich genug zu essen gibt, die Hälfte davon aber im Müll landet


Die Größe der Weltbevölkerung und die Ausbeutung von Ressourcen seien untrennbar miteinander verbunden, meint der britische Forscher Sulston. Damit spricht er die vielleicht größte Furcht an, die unter Fachleuten und Politikern umgeht: Dass der Ressourcenhunger sich nicht vom Bevölkerungswachstum abkoppeln lässt. Sollte das wahr sein und der Pro-Kopf-Verbrauch auf heutigem Niveau verharren oder gar noch steigen, wird die Menschheit im Jahr 2050 womöglich drei Erden benötigen, schrieb WWF-Mann Clay kürzlich im Wissenschaftsmagazin "Nature".

Hälfte der Lebensmittel wird nie gegessen

Noch in den sechziger und siebziger Jahren sah die Lage weit entspannter aus. Moderne Hochleistungsgetreidesorten verbesserten insbesondere in Entwicklungsländern die Ernährungslage dramatisch. Die Landwirtschaft produzierte zeitweise mehr, als die Menschen essen konnten. Die sogenannte Grüne Revolution hat die Bevölkerungsexplosion auf diese Weise erst ermöglicht.

Doch inzwischen hat sich die Situation ins Gegenteil verkehrt: Die Technologie droht, den Anschluss an den ständig wachsenden Bedarf der Menschheit zu verlieren. Immer mehr landwirtschaftliche Flächen werden erschlossen, meist auf Kosten gigantischer Zerstörungen von Regenwäldern und anderen wichtigen Ökosystemen. Dennoch ist es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Hungersnöten in unterschiedlichen Entwicklungsländern gekommen.

Die Tragik besteht darin, dass es im Grunde reichlich Nahrung gibt. "Wir könnten sogar neun, zehn, elf Milliarden Menschen satt machen", sagt Joel Cohen von der New Yorker Rockefeller University. "Das Getreide ist da, schon heute." Aber nur 46 Prozent würden gegessen. "34 Prozent werden an Tiere verfüttert, der Rest ist Biosprit und Schmierstoff." Eine Milliarde Menschen habe ständig Hunger. "Kein Wunder, wenn wir mehr als die Hälfte unserer Nahrungsmittel lieber an Vieh und Maschinen als an Menschen verfüttern", meint Cohen.

WWF-Experte Clay schlägt eine Reihe von Maßnahmen vor, um Nahrungsmittel effektiver bereitzustellen. So müsse man schonender mit Land umgehen. Allein in den vergangenen 150 Jahren habe die Welt die Hälfte ihrer fruchtbaren Böden verloren. Auch könne man es sich nicht leisten, bei der Zucht neuer Getreidesorten auf die Gentechnik zu verzichten. "Die Produktivität pro Hektar muss verdoppelt werden", meint Clay. Ansonsten werde man den steigenden Bedarf niemals decken. Ob das aber gelingen kann, steht zu bezweifeln: "In den kommenden 40 Jahren", sagt Clay, "müssen wir die gleiche Menge an Lebensmitteln herstellen wie in den letzten 8000 Jahren zusammen."

Ein Brandbeschleuniger namens Klimawandel

Zudem ist die drohende Nahrungsknappheit nicht die einzige Ressourcenkrise. Hinzu kommen das bevorstehende Versiegen fossiler Energiequellen und der Klimawandel. Er wird - das halten die allermeisten Wissenschaftler für eine Gewissheit - für viele Bevölkerungsprobleme wie ein Brandbeschleuniger wirken. Die landwirtschaftliche Produktion etwa wird voraussichtlich in vielen Erdteilen sinken, extreme Wetterereignisse werden öfter die Städte treffen.

Auch in den Meeren, die ohnehin stellenweise bereits leergefischt sind, könnte die globale Erwärmung schwerwiegende Folgen haben. Da ein Teil des Kohlendioxids in den Ozeanen landet und sie immer saurer werden lässt, werden Schalentiere angegriffen. Korallen, die Basis des Artenreichtums in vielen tropischen Gebieten, reagieren äußerst empfindlich auf Temperaturerhöhungen. Besonders bedrohlich: Das pflanzliche Plankton, die Basis der Nahrungspyramide, ist seit 1950 global um 40 Prozent geschwunden.

Dass ein heftiger Klimawandel mit gravierenden Folgen abgewendet werden kann, ist derzeit unwahrscheinlicher denn je: Die internationalen Bemühungen liegen weitgehend auf Eis, der Treibhausgasausstoß steigt schneller als je zuvor. Was erst geschehen wird, wenn viele Millionen Menschen in Schwellenländern wie China und Indien Autos und Klimaanlagen benutzen wollen, mögen sich viele Umweltschützer gar nicht vorstellen. Das Ziel, die Erwärmung langfristig auf zwei Grad im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten zu begrenzen, liegt in weiter Ferne.

Der australische Unternehmer und Umweltschützer Paul Gilding glaubt, dass das Problem schlicht zu groß und allumfassend ist, um von den Menschen frühzeitig angegangen zu werden. Denn das würde nicht weniger als einen tiefgreifenden Wandel des gesamten Lebensstils, ja vielleicht sogar des Weltbilds voraussetzen. Realitätsverweigerung sei in einem solchen Fall die natürliche Reaktion, schreibt Gilding in seinem im März erschienenen Buch "The Great Disruption".

Zwar glaubt er, dass die Menschheit die Kurve kriegt - allerdings erst, nachdem die Krise mit voller Wucht zugeschlagen hat. "Unsere Antwort wird dann entsprechend dramatisch sein", schreibt Gilding. Innerhalb weniger Jahrzehnte würde das gesamte Wirtschaftssystem umgekrempelt, inklusive des Verkehrs- und Energiesektors. "Wir werden uns in einem Ausmaß und mit einer Geschwindigkeit ändern, die wir uns heute kaum vorstellen können", so Gilding. "Wir werden mobil machen wie im Krieg."

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Ingmar E. 27.10.2011
1. Die folgenden Fehler traten bei der Verarbeitung auf:
Es braucht nicht mehr Fläche, sondern Umstellung der Ernährungsgewohnheiten. Es braucht keine 2kg Fleisch die Woche, 300g reichen völlig aus. Man muss auch nicht doppelt soviel Nahrungsmittel kaufen, wie man verbraucht (wie in der westlichen Welt üblich). Umstellung auf weniger Fleischkonsum, besseres Einkaufsverhalten, und dann keine Flächen mehr für Energieproduktion nutzen. Von 17Mio Hektar Agrarfläche werden in Deutschland allein 2Mio Hektar für Energieproduktion genutzt. Wir schmeissen soviel Nahrungsmittel weg, und produzieren sinnlos riesige Mengen Fleisch, verschwenden Ackerfläche für Energiepflanzen. Die Welt könnte locker 10-12Mrd Menschen ernähren, aber nicht mit dem jetzigen westlichen Lebensstil. Nicht wenn unser Lebensstil Vorbild für die restliche Welt bleibt und alle uns nacheifern wollen.
saako 27.10.2011
2. am dt. wesen
auch hier könnte deutschland vorbild sein und, statt die einwanderung zu fördern, die bevölkerungsdichte sinken lassen
Katzenfreund, 27.10.2011
3. Was wir
Was wir dringend benötigen ist ein Stopp des Bevölkerungswachstums. Und zwar schnellst möglich. Alles andre ist Wunschdenken.
manque_pierda 27.10.2011
4. wenigstens
ist der Artikel folgenbewusst und nicht wie immer noch oft als Verheißung zum Weltbevölkerungswachstum geschrieben. Aber die Sprengkraft ist in Wissenschaftssprech noch immer verborgen und die ist für mich nicht primär in der Kannibalisierung der natürlichen Ressourcen zu suchen, sondern in der tatsächlichen Endlichkeit der Versorgungsfähigkeit dieser Weltbevölkerung und den Folgen, die früher Wikingerfahrt, Kreuzzüge, Maya-Bürgerkrieg auf Yucatán hießen oder aktuell islamischer Dschihad heißen. Selbstbeschränkung ist nicht nur in Ernährungsgewohnheiten zu suchen, sondern eben auch in der Reproduktion, egal wie moralisch oder ethisch zweifelhaft dies bewertet wird.
Katzenfreund, 27.10.2011
5. Reines Wunschdenken
Zitat von Ingmar E.Es braucht nicht mehr Fläche, sondern Umstellung der Ernährungsgewohnheiten. Es braucht keine 2kg Fleisch die Woche, 300g reichen völlig aus. Man muss auch nicht doppelt soviel Nahrungsmittel kaufen, wie man verbraucht (wie in der westlichen Welt üblich). Umstellung auf weniger Fleischkonsum, besseres Einkaufsverhalten, und dann keine Flächen mehr für Energieproduktion nutzen. Von 17Mio Hektar Agrarfläche werden in Deutschland allein 2Mio Hektar für Energieproduktion genutzt. Wir schmeissen soviel Nahrungsmittel weg, und produzieren sinnlos riesige Mengen Fleisch, verschwenden Ackerfläche für Energiepflanzen. Die Welt könnte locker 10-12Mrd Menschen ernähren, aber nicht mit dem jetzigen westlichen Lebensstil. Nicht wenn unser Lebensstil Vorbild für die restliche Welt bleibt und alle uns nacheifern wollen.
Fakt ist aber das der Rest der Weltbevölkerung genau nach dem westlichen Lebensstil strebt. Und wer will es ihnen verdenken.
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