Studie zu Bildmanipulationen Wurde dieses Foto gefälscht?

Fotos lassen sich leicht fälschen - doch wie gut erkennen Menschen solche Manipulationen? Anhand unterschiedlicher Versuche erklären Forscher, warum manche Schummeleien auffliegen und andere nicht.

Sophie Nightingale/ Cognitive Research

Retuschierte Falten oder strahlend weiße Zähne für das Covermodel: Oft sind es nur Kleinigkeiten, mit denen Bildbearbeitungsprofis Details in digitalen Fotos verändern. Doch im schlimmsten Fall können sie zur gezielten Manipulation genutzt werden - wie etwa bei einem Waffentest 2008, bei dem die iranische Regierung bei einem Raketenbild trickste. Auch der Versuch eines deutschen Extremsportlers wurde bekannt, der mit einer Bildfälschung eine Südpol-Expedition nachweisen wollte.

Manchmal sind solche Manipulationen gut gemacht, manchmal sind sie aber auch deutlich. Doch die meisten Menschen erkennen solche Veränderungen in Fotos meist relativ schlecht, selbst wenn es sich um grobe Manipulationen handelt und sie gezielt danach gefragt werden.

Zu diesem Schluss kommen Forscher der britischen University of Warwick, nachdem sie Hunderten Probanden unterschiedlich stark verfälschte Aufnahmen zur Beurteilung vorgelegt hatten. Die Wissenschaftler montierten beispielsweise ein Boot auf einen See, während im Vordergrund ein Mann einen Fisch zeigt - diese Aufnahme ist oben abgebildet. Bei anderen Fotos veränderten sie die Lichtverhältnisse, wie sie sie im Fachblatt "Cognitive Research: Principles and Implications" berichten.

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Bildmanipulationen: Original oder Fälschung?

Frühere Studien mit computergenerierten Bildern hätten gezeigt, dass viele Menschen Ungereimtheiten bei geometrischen Formen nicht erkennen können, schreibt die Gruppe um Sophie Nightingale. Die Forscher wollten nun wissen, wie gut Menschen Manipulationen auf echten Alltagsfotos erkennen können. "Bilder haben einen starken Einfluss auf unsere Erinnerungen. Wenn also Menschen nicht zwischen realen und gefälschten Details in Fotos unterscheiden können, könnten Manipulationen häufig verändern, was wir glauben und woran wir uns erinnern", sagte Co-Autor Derrick Watson laut einer Mitteilung.

Bei einem Onlinetest legten die Forscher 707 Probanden jeweils zehn Fotografien vor, davon fünf echte und fünf verfälscht. Die Aufnahmen stammten aus der Google-Bildersuche. Einige Veränderungen gelten als plausibel hinsichtlich physikalischer Gesetze - das Boot ist etwa stimmig angeordnet. Doch die Wissenschaftler manipulierten die Bilder auch auf unplausible Art: Eine Baumgruppe im Hintergrund wurde verzerrt oder Schatten von Bäumen entfernt, obwohl sie in einer Wasserspiegelung noch zu sehen waren (siehe Fotostrecke).

Die Versuchsteilnehmer sollten sagen, ob das Bild manipuliert wurde oder nicht. In 66 Prozent der Fälle lagen sie dabei richtig. Doch nach dem Fälschungsverdacht sollten die Probanden den Fehler in einem Raster lokalisieren. Das gelang nur in 45 Prozent der Fälle. Teilnehmer erkannten physikalisch nicht plausible Veränderungen etwas besser als physikalisch plausible.

Skeptische Grundhaltung hilfreich

"Wegen der großen Anzahl an Bildern und möglicherweise gefälschten Aufnahmen, denen Menschen täglich durch soziale Netzwerke, anderen Internetseiten und den Medien ausgesetzt sind, hat das gravierende Konsequenzen", sagte Sophie Nightingale.

Bei einem zweiten, ähnlich aufgebauten Experiment fanden die Forscher heraus, dass die Fälschungen umso eher erkannt wurden, je mehr Bildpixel von den Manipulationen betroffen waren. Zudem waren Probanden wesentlich besser darin, eine Verfälschung in einem Bild gezielt zu finden, als generell ein manipuliertes von einem echten Bild zu unterscheiden. Probanden mit einer skeptischen Grundhaltung gegenüber der Echtheit von Bildern schnitten in den Experimenten ein wenig besser ab.

Mit moderner Software zur Bildbearbeitung können Profis Fotos relativ einfach verändern. Mittlerweile gibt es sogar spezielle Computerprogramme, die verfälschte Fotografien entlarven sollen. Sogenannte Bildforensiker suchen damit gezielt nach Manipulationen.

joe/dpa

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