Bioethik: Wie viel Mensch darf im Tier sein?

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Dürfen Mensch und Tier für den medizinischen Fortschritt vermischt werden? Forscher experimentieren mit Mischwesen, die Politik hinkt der Entwicklung hinterher. Jetzt hat der Deutsche Ethikrat seine Empfehlung zu dem brisanten Thema vorgelegt.

Bonobos: Was wäre, wenn unsere engsten Verwandten genetisch menschlicher würden? Zur Großansicht
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Bonobos: Was wäre, wenn unsere engsten Verwandten genetisch menschlicher würden?

Die Embryonen, die britische Forscher im Labor erschaffen hatten, waren zu 99,9 Prozent menschlich. Was die Welt aber erregte, war das restliche Zehntelprozent: Es stammte von einer Kuh. Prompt war von Mischwesen die Rede, es kursierten Fotomontagen von Menschen mit Rinderköpfen.

Natürlich ging es in dem Experiment im Jahr 2008 nicht darum, ein lebensfähiges Mischwesen zu schaffen - sondern darum, in der Petrischale Stammzellen herzustellen, ohne dafür menschliche Embryonen zu zerstören. Die Wissenschaftler hatten Genmaterial aus menschlichen Hautzellen in ausgehöhlte Eizellen von Kühen eingefügt - und diese dann mit einem elektrischen Impuls dazu angeregt, zu einem zytoplastischen Hybriden ("Zybrid") heranzuwachsen.

Die Forscher zeigten damit nicht nur, was machbar ist, sondern auch den Handlungsbedarf für den Gesetzgeber: Sechs Monate später genehmigte das britische Unterhaus solche Forschungen im Nachhinein. In Deutschland kam der Nationale Ethikrat zusammen, um eine entsprechende Empfehlung an Politik und Forschung zu formulieren.

Je größer die Eingriffsmöglichkeiten, desto größer das Missbrauchsrisiko

Jetzt, dreieinhalb Jahre später, hat das unabhängige Sachverständigengremium in Berlin das Ergebnis präsentiert. Die 98 Seiten lange Stellungnahme zum Umgang mit "Mensch-Tier-Mischwesen in der Forschung" bemüht sich um Pragmatismus, will aber auch eine Grenze definieren, hinter der gesetzliche Verbote angezeigt wären. Es gelang nur in Teilen.

Ähnlich wie bei den Debatten um Stammzellenforschung und berührt auch die Frage nach Mischwesen zahlreiche moralisch-ethische, kulturelle, religiöse und juristische Aspekte. Dass es in den vergangenen Jahren trotzdem keine vergleichbar heiße Debatte um transgene Tiere und andere genetische Manipulationen gab, hat vor allem zwei Gründe:

  • Arbeit dieser Art ist längst Alltag, weil die Technologien seit 1989 zielgerichtet eingesetzt und ihre wertvollen Resultate auch in der therapeutischen Praxis angewendet werden.
  • So gut wie niemand stellt ihren generellen Nutzen, ihr weiterhin großes Potential und auch die ethische Vertretbarkeit zumindest der bisherigen Praxis in Frage. Das bescheinigt auch die Stellungnahme des Ethikrats: Was bisher unternommen wurde, ist kein Stoff für düstere Mahnungen.

Doch nicht nur das britische Beispiel lässt Befürchtungen wachsen, dass sich das irgendwann ändern könnte. Je größer die Eingriffsmöglichkeiten werden, desto größer wird das Risiko des Missbrauchs. Fragt sich nur, wo der beginnt.

Die Forschung sucht Lösungen, keine neuen Lebewesen

Begonnen hatte alles mit den sogenannten Knockout-Mäusen, denen Forscher einzelne Gene gezielt abschalteten. Mit Hilfe solcher Versuchstiere suchen Wissenschaftler heute gezielt nach Heilungsmethoden für einige der schlimmsten Krankheiten. Die Bedeutung solcher Methoden fand ihre Würdigung im Jahr 2007: Mario Capecchi, Martin Evans und Oliver Smithies wurden als Väter der Knockout-Maus mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet.

Inzwischen ist man weiter. "Knock-in" ist das Zauberwort, das beschreibt, wie man einem Genom nicht etwa Funktionen abschaltet, sondern hinzufügt - unter anderem durch Addition genetischen Materials eines anderen Lebewesens. Ethisch problematisch ist das vor allem, weil dafür immer öfter menschliches Genmaterial mit tierischem verbunden wird. Macht das nicht auch das Tier selbst menschlicher?

Die laut Ethikrat "lange Zeit selbstverständliche Grenzziehung zwischen Mensch und Tier" ist nicht zuletzt eine juristische Frage. Mit dem Grundgesetzartikel 20a ist der Tierschutz in der Verfassung verankert. Wirbeltiere sind dabei strenger geschützt als wirbellose Tiere. "Diese Differenzierung", führt der Ethikrat aus, "basiert letztlich auf der unterschiedlichen 'Menschenähnlichkeit' der Tiere. Je mehr ein Wesen dem Menschen ähnelt, desto weiter reicht sein Schutz."

Was, wenn Tiere durch Einbringung menschlichen Genmaterials nicht nur körperlich analoge Reaktionen zum Menschen zeigten, sondern auch anderweitig verändert würden? Wenn beispielsweise Eingriffe ins Hirn Chimären produzierten, die intelligenter, kommunikativer und sich selbst bewusster wären als ihre Artgenossen? Aus Sicht des Ethikrates ist das ein Worst-Case-Szenario, das es zu verhindern gilt - genauso wie das Einbringen tierischer DNA ins menschliche Genom.

Die Stellungnahme: keine Klarheit

Doch seine Empfehlungen schaffen keine größere Klarheit. So tritt der Ethikrat klar gegen die Schaffung "echter Mischwesen" ein: Es dürften "keine Mensch-Tier-Mischwesen in eine Gebärmutter übertragen werden, bei denen man vorweg absehen kann, dass ihre Zuordnung zu Tier oder Mensch nicht hinreichend sicher möglich ist."

Nur: Bisher hat kein seriöser Forscher ernsthaft vorgeschlagen, ein Mischwesen von einer Frau austragen zu lassen. Zudem bleibt der Ethikrat mit dieser Formulierung im Ungefähren. Wie viel Mensch darf denn nun im Tier sein (und umgekehrt), so dass die Zuordnung "hinreichend sicher möglich ist"? Ist das eine prozentuale Frage, eine qualitative, in IQ-Werten zu messende, eine Ermessensfrage - oder gar eine der Optik? Außerdem: Wer will das vor einem Forschungsversuch abschätzen, bei dem nicht klar ist, was dabei herauskommt?

Dort, wo schon Gesetze greifen, wird die Empfehlung klarer. Der Ethikrat bekräftigt die im Embryonenschutzgesetz definierten Grenzen und schlägt Erweiterungen vor: Keine Einpflanzung menschlicher befruchteter Eizellen in ein Tier, keine Erzeugung von Interspezies-Hybriden oder Chimären. Verhindert werden sollte weiterhin, dass Mischwesen aus Befruchtungen oder der Fusion menschlicher und tierischer Zellen entstehen. Zudem schlägt der Ethikrat vor, künftig auch Folgendes zu verbieten:

  • die Einpflanzung befruchteter tierischer Eizellen in den Menschen,
  • die Einbringung tierischen Materials in den Erbgang des Menschen,
  • Verfahren, die zur Bildung menschlicher Ei- oder Samenzellen im Tier führen können.

All das klingt durchdacht, aber ist es wirklich das letzte Wort? Was wäre, wenn man durch "Einbringung tierischen Materials in den Erbgang des Menschen" eine Krankheit wie Alzheimer, Parkinson oder Huntington nicht nur heilen, sondern sogar durch eine fürderhin vererbbare Resistenz verhindern könnte? Erschiene das, was sich uns jetzt als nicht ratsam, vielleicht sogar eklig oder als Sünde darstellt, immer noch nicht bedenkenswert?

Primatenschutz: halte Abstand!

Noch interessanter wird die Stellungnahme da, wo es um genetische Eingriffe ins Gehirn geht, vor allem bei Primaten: "Die Generierung von Hirnchimären durch die Übertragung von menschlichen Zellen auf Säugetiere ist, soweit nicht Primaten betroffen sind, ethisch statthaft, wenn die Hochrangigkeit des Forschungsziels gegeben ist." Bei Primaten dagegen soll das Einfügen "hirnspezifischer menschlicher Zellen" ins Hirn nur nach strenger Prüfung erlaubt sein, bei Menschenaffen hält der Ethikrat einen solchen Eingriff für völlig tabu.

Wie ist das zu verstehen? Offenbar als Maßnahme zur Abstandswahrung: Was auch immer da entsteht, es soll uns nicht zu ähnlich werden.

Bezeichnend für die Stellungnahme des Ethikrats ist das Sondervotum der Molekularbiologin Regine Kollek, die sich den Empfehlungen des Rats nicht anschließen wollte. Für sie wurden die eigentlich maßgeblichen Fragen nicht beantwortet, zum Teil noch nicht einmal angesprochen: "Die Mensch-Tier-Grenze ist konstitutiv für unsere Gesellschaft. Sie entscheidet ausschlaggebend darüber, wer zum Kreis der privilegierten Rechtssubjekte gehört."

Eine echte Empfehlung, an der sich auch gesetzgeberisches Handeln orientieren könnte, spricht der Rat nicht aus, und letztlich ist das gut so: Es hält die Debatte zumindest offen, statt sie mit scheinbarer Autorität beenden zu wollen (und, wie in Deutschland zu oft üblich, Forschung zu behindern). Wie auch, wo sich die Ratsmitglieder in einzelnen Fragen offenbar uneinig waren. Bei den eingangs erwähnten Zybriden etwa empfiehlt die Hälfte des Gremiums ein Verbot, die andere Hälfte das Gegenteil.

Man könnte die Empfehlung auch in einem Satz zusammenfassen: "Halte dich an bestehendes Recht und lasse Menschenaffen in Ruhe!"

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insgesamt 222 Beiträge
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1. Krone der Schöpfung
Rübezahl 27.09.2011
Würde der Mensch sich nicht für die Krone der Schöpfung halten , so würde er erkennen, dass er nur der große Bruder des Affen ist . Nein ,zu einer solchen Wissenschaft !
2. Chimären
Tabris01 27.09.2011
Zitat von sysopDürfen*Mensch und Tier für den medizinischen Fortschritt vermischt werden? Forscher experimentieren mit Mischwesen, die Politik hinkt der Entwicklung hinterher. Jetzt hat der deutsche Ethikrat seine Empfehlung zu dem brisanten Thema vorgelegt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,788386,00.html
Es ist gut, die Existenz künstlicher genetischer Chimären auf die Forschung zu beschränken. So sehr mich diese Wissenschaft, biologisch wie ethisch fasziniert, dies ist ein Weg, den wir nicht all zu weit gehen dürfen, wenn wir unsere eigene "Seinsform" nicht in Frage stellen wollen.
3. Ontos
exkeks 27.09.2011
Zitat von Tabris01Es ist gut, die Existenz künstlicher genetischer Chimären auf die Forschung zu beschränken. So sehr mich diese Wissenschaft, biologisch wie ethisch fasziniert, dies ist ein Weg, den wir nicht all zu weit gehen dürfen, wenn wir unsere eigene "Seinsform" nicht in Frage stellen wollen.
Warum sollten wir unsere Seinsform nicht in Frage stellen? Also ich fände das spannend.
4. Fragen wir dochmal anders herum
felisconcolor 27.09.2011
Wieviel Tier ist noch im Mensch drin? Vielleicht relativiert sich ganz schnell unserer kleine Überheblichkeit anderer Spezies gegenüber. Denn das andere Spezies unfallfrei auf zwei Beinen laufen und in der Nase bohren können steht wohl einwandfrei fest. Hat man Angst zum Planet der Affen zu werden?
5. Bald gibt es echte Monster
metzelkater 27.09.2011
Zitat von sysopDürfen*Mensch und Tier für den medizinischen Fortschritt vermischt werden? Forscher experimentieren mit Mischwesen, die Politik hinkt der Entwicklung hinterher. Jetzt hat der deutsche Ethikrat seine Empfehlung zu dem brisanten Thema vorgelegt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,788386,00.html
Wenn man mensch und Echsen kreuzt, braucht man sich nciht wundern, wenn irgendwann die Locust aus meinem neuen Lieblingsspiel zu einer ganz realen Bedrohung werden.
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Lexikon
DNA
Die DNA (chemisch: Desoxyribonukleinsäure) ist ein in allen Lebewesen und DNA-Viren vorkommendes Biomolekül und Trägerin der Erbinformation. Sie enthält unter anderem die Gene, die für RNA (Ribonukleinsäuren) und Proteine kodieren, welche für die biologische Entwicklung eines Organismus und den Stoffwechsel in der Zelle notwendig sind. Vom Aufbau her ist die RNA der DNA ähnlich, beide bestehen aus verketteten Grundbausteinen, den Nukleotiden. RNA-Moleküle sind – im Gegensatz zur doppelsträngigen DNA – in der Regel einzelsträngig.
Boten-RNA
Als Boten-RNA, fachlich auch Messenger-RNA, wird die "Abschrift" eines Proteingens bezeichnet. Sie dient dann der "Übersetzung" der genetischen Bauanweisung in das entsprechende Protein.
Mikro-RNA
Bei Mikro-RNAs (fachlich kurz: miRNAs) handelt es sich um einzelsträngige RNA-Moleküle von etwa 21 Nukleotiden Länge. Sie spielen bei der Steuerung einer Vielzahl von zellulären Prozessen eine entscheidende Rolle: Bei Pflanzen regulieren sie Wachstum und Blütenbildung, in der Taufliege den programmierten Zelltod, in menschlichen Zellen die Differenzierung von potentiell unsterblichen Stammzellen zu spezialisierten Geweben.
Spleißen
Spleißen heißt ein wichtiger Schritt bei der Bearbeitung der primären RNA-Abschrift vieler Gene im Zellkern, die eine Art Informationsmosaik enthalten. Dabei entsteht aus der recht langen Primärabschrift durch Herausschneiden und Zusammenfügen (Spleißen) relevanter Abschnitte erst die reife Boten-RNA. Auf diesem Weg kann die Zelle auch mehr als eine Proteinsorte nach demselben Gen erzeugen.
Ribozyme
Ribozyme von Ribonukleinsäure (RNA) und Enzym sind katalytisch aktive RNA-Moleküle, die wie Enzyme chemische Reaktionen katalysieren.
Transgene Organismen
Transgene Organismen sind gentechnisch veränderte Lebewesen, denen man zusätzliche Gene aus anderen Arten eingebaut hat.

Stammzellen - die zellulären Multitalente
Embryonale Stammzellen (ES)
DPA
Sie gelten als die zellulären Alleskönner: Reift eine befruchtete Eizelle zu einer Blastozyste, einem kleinen Zellklumpen, heran, entsteht in deren Inneren eine Masse aus embryonalen Stammzellen. Die noch nicht differenzierten Stammzellen können sich zu jeder Zellart des menschlichen Körpers entwickeln. Voraussetzung ist, dass sie mit den richtigen Wachstumsfaktoren behandelt werden.
Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS)
MPI Münster / Jeong Beom Kim
Körperzellen einfach in Stammzellen umprogrammieren - das gelang Forschern durch das Einschleusen ganz bestimmter Steuerungsgene. Aus den dabei entstandenen maßgeschneiderten Stammzellen züchteten sie erfolgreich verschiedene Körperzellen. Diese Methode ist nicht nur elegant, sondern auch ethisch unbedenklich, da dabei kein Embryo hergestellt und zerstört wird. Allerdings birgt die Methode noch Risiken, weil für das Einschleusen der Gene Viren benötigt werden. Die Gene werden vom Virus verstreut im Genom eingebaut, wichtige Gene der Zelle können dabei beschädigt werden, die Zelle kann entarten. Es besteht Krebsgefahr. Zudem bauen auch die Viren ihr Erbgut ein. Forschern gelang jedoch mittlerweile die Reprogrammierung ohne Viren und mit anschließender Entfernung der Gene.
Proteininduzierte pluripotente Stammzellen (piPS)
Zellen reprogrammieren - nur durch Zugabe von Molekülen und ohne Veränderung des Erbgutes. Dies gelang Forschern erstmals im April 2009. Damit räumten sie potentielle Risiken aus, die das Einschleusen der Reprogrammiergene barg.
Keimbahn abgeleitete pluripotente Stammzellen (gPS)
Keimbahn-Stammzellen können normalerweise nur Spermien erzeugen. Aber man kann sie auch in pluripotente Stammzellen verwandeln. Diese germline derived pluripotent stem cells (gPS) bieten ein großes Potential, denn ihr Erbgut ist noch relativ unbeschädigt. Forschern gelang die Verwandlung an Hodenzellen von Mäusen - nur durch ganz bestimmte Zuchtbedingungen.
Adulte Stammzellen
Nicht nur Embryonen sind eine Quelle der Zellen, aus denen sich verschiedene Arten menschlichen Gewebes entwickeln können. In etwa 20 Organen inklusive der Muskeln, der Knochen, der Haut, der Plazenta und des Nervensystems haben Forscher adulte Stammzellen aufgespürt. Sie besitzen zwar nicht die volle Wandlungsfähigkeit der embryonalen Stammzellen, bereiten aber auch keine ethischen Probleme: Einem Erwachsenen werden die adulten Stammzellen einfach entnommen und in Zellkulturen durch Zugabe entsprechender Wachstumsfaktoren so umprogrammiert, dass sie zu den gewünschten Gewebearten heranreifen.
Ethik und Recht
Die Stammzellforschung birgt ethische Konflikte. Embryonale Stammzellen werden aus Embryonen gewonnen, die entweder eigens hergestellt werden oder bei künstlichen Befruchtungen übriggeblieben sind. Dabei wird der Embryo zerstört. Die Argumentation der Befürworter: Die Embryonen würden ohnehin vernichtet. Kritiker sprechen dagegen von der Tötung ungeborenen Lebens.

In Deutschland ist das Herstellen menschlicher Embryonen zur Gewinnung von Stammzellen verboten. In Ausnahmefällen erlaubt das Gesetz aber den Import von Stammzellen, die vor dem 1. Mai 2007 hergestellt wurden. In Großbritannien und Südkorea ist das therapeutische Klonen ausdrücklich erlaubt, ebenso in den USA.
Gen-Vokabular
Das menschliche Genom
Der Mensch hat in jeder seiner Körperzellen zweimal 23 Chromosomen. Die sind nichts anderes als lange Stränge von Desoxyribonukleinsäure, kurz DNA. Sie setzt sich unter anderem zusammen aus vier Grundbausteinen, den Nukleinbasen Adenin, Cytosin, Guanin und Thymin (abgekürzt A, C, G und T). In der DNA-Doppelhelix sind die Basen in Paaren angeordnet. Die menschliche DNA besitzt etwa drei Milliarden Basenpaare. Bestimmte Abschnitte von Basenpaaren bilden Gene - die Blaupause für die Proteine. Nach derzeitiger Schätzung hat der Mensch etwa 25.000 Gene.
SNPs
Das Erbgut zweier Menschen ist sich zu 99,9 Prozent ähnlich, alle angeborenen Unterschiede werden von weniger als 0,1 Prozent der DNA bestimmt. Ein großer Teil dieser Variationen sind sogenannte Single Nucleotide Polymorphisms (SNPs oder "Snips") - Teilstücke der langen Buchstabensequenz aus A, C, G und T, die sich in genau einem Buchstaben unterscheiden, etwa wie diese beiden: GATCGA - GATGGA. Viele der häufigsten Krankheiten können mit dem Auftreten bestimmter SNPs in Verbindung gebracht werden. Jeder einzelne SNP hat aber unter Umständen nur einen schwachen Effekt.
Haplotyp
Haplotyp nennt man Gegenden auf dem DNA-Strang eines Chromosoms, in denen bestimmte SNPs gehäuft auftreten. Größere Gruppen von Menschen teilen oft den gleichen Haplotyp. Wer an einer bestimmten Stelle ein A und an einer anderen ein C hat, bei dem lässt sich dann vorhersagen, wie alle anderen SNPs in der betreffenden Sequenz aussehen - ohne, dass man jeden Buchstaben einzeln untersuchen muss.
HapMap
Im Oktober 2007 wurde die HapMap (die Haplotyp-Karte) publiziert. Mit großem Aufwand sammelte ein internationales Konsortium von Wissenschaftlern dafür DNA von Menschen aus verschiedenen Weltgegenden. Nahezu alle Haplotypen, die häufiger als bei fünf Prozent der Menschheit vorkommen, sollen auf der HapMap erfasst sein. Das spart bei Genom-Untersuchungen Arbeit: Kennt man einige entscheidende SNPs einer Person, kann man nun auf den Haplotyp in dieser Region der DNA schließen, weiß also automatisch über alle anderen SNPs der Person in diesem Bereich bescheid. Analysen werden einfacher - und billiger. Die HapMap-Daten sind frei verfügbar.