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Biotechnologie: Neues Verfahren ändert Blutgruppe von Blutkonserven

Forscher haben einen Weg gefunden, das gefragte Blut der Gruppe Null aus anderen Blutgruppen herzustellen. Sollte das Verfahren in Tests bestehen, könnten Krankenhäuser das Problem zu knapper Blutkonserven-Vorräte zumindest zum Teil beheben.

Immer wieder werden auch in Deutschland die Blutkonserven knapp, weil es nicht genug Spender gibt. Vor allem zur Ferienzeit rufen das Deutsche Rote Kreuz und Krankenhäuser deshalb regelmäßig zum Spenden auf. Zumindest einen Teil des Problems könnte ein neues biotechnologisches Verfahren lösen, das Henrik Clausen und seine Kollegen von der Harvard University in Boston entwickelt haben. Damit lässt sich aus Blut der Gruppen A, B und AB das besonders gefragte Blut der Gruppe 0 herstellen.

Blutspender: Neues Verfahren könnte Mangel an Blutkonserven in Krankehäusern lindern
DPA

Blutspender: Neues Verfahren könnte Mangel an Blutkonserven in Krankehäusern lindern

Auf der Oberfläche von roten Blutkörperchen der Gruppen A, B und AB sitzen aus Zuckerketten aufgebaute Teilchen, die A- und B-Antigene genannt werden und die auf den Blutzellen der Gruppe 0 nicht vorhanden sind. Patienten der Gruppe 0 kann bei einer Transfusion kein Blut der anderen drei Gruppen verabreicht werden, da ihr Immunsystem die A- und B-Antigene als fremd erkennt, und die Blutkörperchen als Folge der Abwehrreaktionen verklumpen.

Allerdings kann Blut der Gruppe 0 auch Patienten anderer Blutgruppen verabreicht werden - und deshalb ist diese Blutsorte oft knapp. Das führt besonders in kleineren, abgelegenen Krankenhäusern zu Problemen, die sich keine großen Blutbanken leisten können. Um mehr Blut der Gruppe 0 zur Verfügung zu haben, suchen Wissenschaftler seit mehreren Jahrzehnten nach Möglichkeiten, die A- und B-Antigene von den roten Blutkörperchen zu entfernen - mit Hilfe einer Klasse von Eiweißen, die auf die Auftrennung von Zuckerketten spezialisiert ist. Doch bisher ist dies erst bei der Blutgruppe B gelungen.

Clausen und seine Kollegen haben nun weitere Eiweiße bei 2500 Pilzen und Bakterien untersucht. Dabei fanden sie in zwei Bakterien nicht nur eins, das A-Antigene von roten Blutkörperchen abschneidet, sondern auch ein Eiweiß, das B-Antigene in kürzerer Zeit und unter kostengünstigeren und einfacher zu kontrollierenden Laborbedingungen entfernt. Wie die Wissenschaftler im Fachblatt "Nature Biotechnology" (Bd. 25, S. 427) berichten, könnten mit diesen bakteriellen Eiweißen künftig große Mengen Blut der Gruppe 0 hergestellt werden. Das Team von Clausen will die Verträglichkeit der Konserven schon bald in einer klinischen Studie untersuchen.

hda/ddp

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