Umstrittene Chemikalie EU-Behörde senkt Grenzwert für Bisphenol A

Bisphenol A ist in zahlreichen Kunststoffen enthalten - und gilt seit Langem als potenzielle Gesundheitsgefahr. Jetzt hat die EU-Lebensmittelbehörde reagiert: Sie senkt den Grenzwert auf weniger als ein Zehntel der bisherigen Schwelle.

Grenzwert gesenkt: Biphenol A findet sich in Plastikflaschen, Konserven- und Getränkedosen
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Grenzwert gesenkt: Biphenol A findet sich in Plastikflaschen, Konserven- und Getränkedosen


Parma - Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat den "sicheren Grenzwert" für die in Verpackungen vorkommende umstrittene Chemikalie Bisphenol A (BPA) gesenkt. Der Grenzwert betrage nun vier statt wie bisher 50 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, erklärte die im italienischen Parma ansässige EFSA am Mittwoch.

Zugleich kam die EFSA in ihrer neuen Risikobewertung zu dem Schluss, dass BPA "bei der derzeitigen Verbraucherexposition", also so wie es heute im täglichen Leben vorkommt, "für keine Altersgruppe ein Gesundheitsrisiko darstellt".

Bisphenol A steckt in zahlreichen Lebensmittelverpackungen: In Plastikflaschen, Konserven- und Getränkedosen, aber auch in Mehrweg-Plastikgeschirr und Kochutensilien. Zudem ist es in Kassenbons aus Thermopapier und zahlreichen weiteren Alltagsgegenständen wie etwa Hüllen von CDs enthalten.

Chemikalie in Konservendosen

Die Chemikalie steht seit Jahren massiv in der Kritik. Sie beeinflusse die Fortpflanzung, wurde geltend gemacht. Forschern zufolge gibt es zudem Anzeichen dafür, dass Bisphenol A die Gehirnentwicklung bei Ungeborenen und Kleinkindern schädige. Genannt wurde die Chemikalie auch im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Problemen und Krebs.

In Babyfläschchen ist der Stoff seit Januar 2011 EU-weit verboten. Als erstes EU-Land hat Frankreich zum 1. Januar 2015 die Chemikalie sogar in allen Lebensmittelverpackungen untersagt.

Die neue Risikoeinschätzung der EFSA ist auch eine Reaktion auf diese Debatte. Die Behörde kommt darin unter anderem zu dem Schluss, dass BPA "in hohen Konzentrationen", die den Grenzwert um mehr als das Hundertfache überschreiten, "sich wahrscheinlich schädlich auf Leber und Nieren auswirkt".

Zugleich stellt die Behörde fest: "Auswirkungen auf die Fortpflanzungsorgane, das Stoffwechsel-, Herz-Kreislauf-, Nerven- und Immunsystem sowie auf die Entstehung von Krebserkrankungen werden derzeit nicht als wahrscheinlich erachtet, konnten aber anhand der verfügbaren Daten nicht ausgeschlossen werden." Sie seien daher für den neuen verschärften Grenzwert berücksichtigt worden.

Die EFSA kann den Grenzwert zwar feststellen, aber nicht bindend vorschreiben. Für die Festsetzung bindender BPA-Werte in Lebensmittelverpackungen und anderen Waren sind die nationalen Gesetzgeber zuständig.

nik/AFP/dpa

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