Intelligenztests Blondinen sind nicht dümmer

Blonde Frauen gelten als attraktiv, aber als nicht besonders schlau. Intelligenztests zeigen jedoch, dass das Klischee nicht stimmt.

Blondine mit Spiegel
Corbis

Blondine mit Spiegel


Das Klischee vom dummen Blondchen ist allgegenwärtig. Jeder kennt mindestens einen Blondinenwitz. Eine Google-Suche danach ergibt über 100.000 Treffer, Amazon hat mehr als ein Dutzend Bücher zu dem Thema im Sortiment.

Doch gibt es wirklich einen Zusammenhang zwischen der Haarfarbe und der Intelligenz? Jay Zagorsky von der Ohio State University hat IQ-Tests von mehr als 10.000 US-amerikanischen Frauen und Männern getrennt voneinander ausgewertet und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Blondinen sind keinesfalls dümmer. Im Gegenteil: Ihr IQ liegt sogar minimal über dem von brünetten, schwarz- oder rothaarigen Frauen.

"Das Klischee der dummen Blondine ist ein Mythos", schreibt Zagorsky im Fachblatt "Economics Bulletin". Die Studie bestätigt frühere Untersuchungen, in denen Psychologen vergeblich nach Belegen für die angeblich geringere Intelligenz blonder Frauen gesucht hatten.

Kein Zusammenhang nachgewiesen

Zagorsky hat in seiner Arbeit Daten des National Longitudinal Survey of Youth 1979 (NLSY79) ausgewertet. Darin waren ab 1979 Tausende Amerikaner im Alter zwischen 14 und 21 Jahren wiederholt befragt und getestet worden. Eine Frage lautete: "Wie ist Ihre natürliche Haarfarbe?" Um mögliche Verzerrungen zu vermeiden, wurden Studienteilnehmer mit afrikanischen und lateinamerikanischen Wurzeln aus der Datenauswertung ausgeschlossen.

Jugendliche und Frauen mit blonden Haaren haben demnach einen mittleren IQ von 103,2 und liegen damit über den Werten von Brünetten (102,7). Dieser Unterschied sei jedoch statistisch nicht signifikant, betont Zagorsky. Rothaarige kommen auf einen IQ von 101,2 und Schwarzhaarige auf einen Wert von 100,5 - liegen also ebenfalls nur knapp dahinter. Mit anderen Worten: Es gibt bei Frauen keinen Zusammenhang zwischen Haarfarbe und Intelligenz. Für männliche Studienteilnehmer, auch das zeigte die Analyse, gilt das genauso.

Übrigens sind nur etwa fünf Prozent aller Frauen tatsächlich blond. Weil sich aber viele ihre Haare färben und Blondinen auch auf Zeitschriftencovern überdurchschnittlich häufig zu finden sind, liegt der Anteil hellhaariger Frauen zumindest gefühlt deutlich höher.

Aussehen in manchen Jobs wichtig

So eindeutig die Ergebnisse der IQ-Tests auch sind, in der Praxis müssen blonde Frauen trotzdem mit Vorurteilen kämpfen und werden in bestimmten Situationen auch benachteiligt. Psychologen haben beispielsweise festgestellt, dass Blondinen in Berufen Vorteile haben, bei denen das Aussehen eine wichtige Rolle spielt, etwa als Empfangsdame.

Unter Börsenmaklerinnen sind blonde Frauen hingegen unterrepräsentiert, wie eine Untersuchung in Großbritannien ergab. Ihre Haarfarbe erweist sich offenbar als Nachteil, wenn Arbeitgeber Bewerber mit hohen intellektuellen Fähigkeiten suchen.

Nicht unterschätzt werden darf dabei auch nicht die Wirkung des Klischees vom dummen Blondchen auf die Frauen selbst. Jens Förster von der International University in Bremen hatte vor einigen Jahren Frauen mit unterschiedlichen Haarfarben untersucht. Ein Teil der Frauen musste Witze über dumme Blondinen vorlesen, bevor ihre Intelligenz getestet wurde. Die andere Gruppe machte den Test ohne vorherige Witzlektüre.

Das Ergebnis war frappierend: Blonde Frauen, die die Witze vorher gelesen hatten, schnitten schlechter ab als Blondinen, die die Witze nicht vorgelegt bekommen hatten. Offenbar hatten die dummen Scherze über ihre Haarfarbe die Probandinnen so sehr verunsichert, dass sie tatsächlich dümmer erschienen.

hda

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