Bodensee Taucher bergen mehr als 3000 Jahre altes Boot

Rund 170 Meter vom Strand entfernt hatte ein Taucher einen Einbaum am Grund des Bodensees gesichtet. Nun wurde das mehr als 3000 Jahre alte Boot an die Oberfläche gebracht.

BGfU

Es war ein Zufallsfund, den Schnorchler Christoph Schmid vor rund drei Jahren gemacht hat. Er war nahe der Eschbach-Mündung bei seinem Heimatort Wasserburg im Bodensee unterwegs, rund 170 Meter vom Strand entfernt. Auf dem Grund bemerkte er damals einen eigenartigen, länglichen Gegenstand, bedeckt von einer nur dünnen Schlammschicht.

Mittlerweile ist klar: Was der Mann dort vor sich sah, ist Bayerns ältestes bekanntes Wasserfahrzeug, ein mehr als 3000 Jahre alter Einbaum. Wahrscheinlich hatte er vergleichsweise kurze Zeit an der Fundstelle gelegen und war vom Wasser dorthin gespült worden.

Am Donnerstag wurde der fast sieben Meter lange Einbaum nun geborgen. In einer Pressemitteilung berichtet das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, das Uralt-Boot sei aus Eichenholz gefertigt, aus der Hälfte eines mindestens 1,20 Meter starken Baumes. Während das Heck nahezu vollständig erhalten sei, weise der Bug größere Schäden durch Erosion auf. Er sei teilweise ausgebrochen. Die Bordwände seien nur noch wenige Zentimeter hoch zu sehen.

Taucher der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie hatten den seltenen Fund in sechs Tauchgängen dokumentiert. Dabei hatten sie auch Proben für die Datierung des Einbaums entnommen. Bei der Holzaltersbestimmung kamen die Experten des Landesamtes zum Ergebnis, dass das Holz des Baumes wohl um das Jahr 1130 vor Christus gefällt wurde.

Richtiges Konservieren ist wichtig

Die Archäologische Staatssammlung soll den geborgenen Einbaum nun konservieren. Wie wichtig das ist, beweist ein Fall aus Mecklenburg-Vorpommern. Dort waren in den Nullerjahren mehrere, bis zu 7000 Jahre alte Einbäume in einem archäologischen Depot verrottet.

Solche Funde müssen zunächst feucht gelagert werden. Anschließend wird in einem Spezialverfahren das Wasser in den Poren des Holzes durch Kunstharz ersetzt. Erst dieses sorgt für dauerhafte Stabilität. In Mecklenburg-Vorpommern war das unterblieben. Ermittlungen wegen Sachbeschädigung gegen die zuständigen Archäologen wurden eingestellt - weil die Vorfälle zu diesem Zeitpunkt bereits zu lange zurücklagen.

Aber noch einmal zurück zum Bodensee: Das Gewässer hat Archäologen schon viel Freude bereitet. So sind die Überreste von mehr als 70 Pfahldörfern bekannt, die Jäger und Fischer der Stein- und Bronzezeit dort errichtet hatten. Die ungewöhnlichen Bauten gehören mittlerweile zum Welterbe der Unesco.

Die Menschen der Region hatten etwa 4000 vor Christus begonnen, die quasi über dem Wasser schwebenden Pfahlbauten zu errichten - und rund 3000 Jahre lang an dem Konzept festgehalten. Warum das passierte, ist nicht ganz klar. Neben einem steigenden Wasserspiegel könnte auch die Invasion feindlicher Krieger eine Rolle gespielt haben.

chs



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gandhiforever 12.04.2018
1. Bayerns?
Wie weit in den Bodensee ragen denn die bayrischen Hoheitsrechte? Im See selbst gilt naemlich nicht die uebliche Mitte als Grenze. Der ganze See, abgesehen von der Uferzone, wird von allen drei Anliegern gemeinsam verwaltet.
lies.das 12.04.2018
2. Ein ähnlicher Einbaum wie im Bodensee liegt auch im Starnberger See
Ein ähnliches Boot wie aus dem Bodensee liegt noch zerbrochen im Starnberger See vor Almannshausen. , darum könnten sich die Forscher auch mal kümmern. Ich habe es selbst gesehen, als ich mit Pressluft-Ausrüstung im Starnberger See vor Almannshausen tauchte. Wir fanden, 200 Meter vom Ufer weg, in etwa 30 Meter Tiefe ein verrottetes, offenkundig spitz behauenes Holzstück, das aus dem laubbedeckten Bodenschlamm herausragte. Wie ein Einbaum. Im trüben Dämmerlicht der Taucherlampen spülten wir es mit vorsichtig frei, zogen es mit einem langen Seil unter einem Schlauchboot in die Höhe und schleppten es unter Wasser bis nahe ans Ufer. Da sahen wir durch unsere Tauchermasken einen uralten weitgehend erhaltenen Einbaum, mit durchgefaultem, Boden, doch mit Beil-behauenen Seitenwänden - und mit einem gut erhaltenen Heck mit Abtrennwand und hinten im Rumpf mit einer Schlitzkerbe, in die man wohl ein primitives Steuerruder einlegen konnte. Ich meldete den Fund telefonisch an die Polizei und ans Archäologische Museum - kein Interesse. "Das ist wohl sehr alt" meinte der Direktor lediglich. Einige Tage später war das schwere, morsche Boot in zwei Teile zerbrochen, vermutlich durch Badegäste, die es ganz herausziehen wollten. Wir zogen die beiden Hälften zur Sicherung wieder zurück und ließen sie an der Unterwasser-Steilwand ins sauerstoffarme Wasser die Tiefe sinken. Dort haben wir das Boot allerdings später nie wieder gefunden, weil es dort tiefer als 45 Meter war (Tiefenrausch-Gefahr) - und außerdem war im dunklen, schlammigen Wasser trotz Taucher-Taschenlampen kaum ein Meter Sicht. Das war Anfang der Achziger Jahre.. Es würde sich lohnen, dort noch einmal mit erfahrenen Archäologie-Tauchern nach dem versunkenen Einbaum zu suchen.
alpstein 12.04.2018
3.
Zitat von lies.dasEin ähnliches Boot wie aus dem Bodensee liegt noch zerbrochen im Starnberger See vor Almannshausen. , darum könnten sich die Forscher auch mal kümmern. Ich habe es selbst gesehen, als ich mit Pressluft-Ausrüstung im Starnberger See vor Almannshausen tauchte. Wir fanden, 200 Meter vom Ufer weg, in etwa 30 Meter Tiefe ein verrottetes, offenkundig spitz behauenes Holzstück, das aus dem laubbedeckten Bodenschlamm herausragte. Wie ein Einbaum. Im trüben Dämmerlicht der Taucherlampen spülten wir es mit vorsichtig frei, zogen es mit einem langen Seil unter einem Schlauchboot in die Höhe und schleppten es unter Wasser bis nahe ans Ufer. Da sahen wir durch unsere Tauchermasken einen uralten weitgehend erhaltenen Einbaum, mit durchgefaultem, Boden, doch mit Beil-behauenen Seitenwänden - und mit einem gut erhaltenen Heck mit Abtrennwand und hinten im Rumpf mit einer Schlitzkerbe, in die man wohl ein primitives Steuerruder einlegen konnte. Ich meldete den Fund telefonisch an die Polizei und ans Archäologische Museum - kein Interesse. "Das ist wohl sehr alt" meinte der Direktor lediglich. Einige Tage später war das schwere, morsche Boot in zwei Teile zerbrochen, vermutlich durch Badegäste, die es ganz herausziehen wollten. Wir zogen die beiden Hälften zur Sicherung wieder zurück und ließen sie an der Unterwasser-Steilwand ins sauerstoffarme Wasser die Tiefe sinken. Dort haben wir das Boot allerdings später nie wieder gefunden, weil es dort tiefer als 45 Meter war (Tiefenrausch-Gefahr) - und außerdem war im dunklen, schlammigen Wasser trotz Taucher-Taschenlampen kaum ein Meter Sicht. Das war Anfang der Achziger Jahre.. Es würde sich lohnen, dort noch einmal mit erfahrenen Archäologie-Tauchern nach dem versunkenen Einbaum zu suchen.
so vernichtet man ein Kulturdenkmal
Celegorm 12.04.2018
4.
Zitat von lies.dasEin ähnliches Boot wie aus dem Bodensee liegt noch zerbrochen im Starnberger See vor Almannshausen. , darum könnten sich die Forscher auch mal kümmern. Ich habe es selbst gesehen, als ich mit Pressluft-Ausrüstung im Starnberger See vor Almannshausen tauchte. Wir fanden, 200 Meter vom Ufer weg, in etwa 30 Meter Tiefe ein verrottetes, offenkundig spitz behauenes Holzstück, das aus dem laubbedeckten Bodenschlamm herausragte. Wie ein Einbaum. Im trüben Dämmerlicht der Taucherlampen spülten wir es mit vorsichtig frei, zogen es mit einem langen Seil unter einem Schlauchboot in die Höhe und schleppten es unter Wasser bis nahe ans Ufer. Da sahen wir durch unsere Tauchermasken einen uralten weitgehend erhaltenen Einbaum, mit durchgefaultem, Boden, doch mit Beil-behauenen Seitenwänden - und mit einem gut erhaltenen Heck mit Abtrennwand und hinten im Rumpf mit einer Schlitzkerbe, in die man wohl ein primitives Steuerruder einlegen konnte. Ich meldete den Fund telefonisch an die Polizei und ans Archäologische Museum - kein Interesse. "Das ist wohl sehr alt" meinte der Direktor lediglich. Einige Tage später war das schwere, morsche Boot in zwei Teile zerbrochen, vermutlich durch Badegäste, die es ganz herausziehen wollten. Wir zogen die beiden Hälften zur Sicherung wieder zurück und ließen sie an der Unterwasser-Steilwand ins sauerstoffarme Wasser die Tiefe sinken. Dort haben wir das Boot allerdings später nie wieder gefunden, weil es dort tiefer als 45 Meter war (Tiefenrausch-Gefahr) - und außerdem war im dunklen, schlammigen Wasser trotz Taucher-Taschenlampen kaum ein Meter Sicht. Das war Anfang der Achziger Jahre.. Es würde sich lohnen, dort noch einmal mit erfahrenen Archäologie-Tauchern nach dem versunkenen Einbaum zu suchen.
Das können sich die Forscher ziemlich sicher sparen, denn durch Ihren unnötigen Aktionismus wurde das Stück vermutlich zerstört oder zumindest wissenschaftlich völlig entwertet. Alleine die Entfernung von Gegenständen aus dem Fundkontext führt meist dazu, dass diese weitgehend bedeutungslos werden. Das ist ja gerade das Fatale an all der Raubgräberei und Hobby-Buddelei: selbst wenn die Fundstücke unbeschadet bleiben oder eingesackt werden, die Veränderung der Fundsituation macht einen Grossteil der möglichen Erkenntnisse zunichte.
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