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Bronzezeit: Mädchen pendelte zwischen Schwarzwald und Dänemark

Frau aus der Bronzezeit: Pendeln für die Zweckehe Fotos
Natmus

Sie legte 2400 Kilometer in 15 Monaten zurück - erstmals haben Forscher die Wanderroute eines prähistorischen Menschen exakt bestimmt: Das Mädchen war vom Schwarzwald nach Jütland gezogen, vermutlich für einen Mann.

Vor mehr als drei Jahrtausenden hat eine junge Frau vermutlich zwischen ihrem Geburtsort im Schwarzwald und der dänischen Halbinsel Jütland 2400 Kilometer innerhalb von 13 bis 15 Monaten zurückgelegt. Zu diesem Ergebnis kommen dänische Wissenschaftler, die die sterblichen Überreste der vermutlich im Alter von 16 bis 18 Jahren 1370 vor Christus gestorbenen Frau aus der Bronzezeit analysiert haben.

Die sehr gut erhaltene, in eine Rinderhaut gewickelte Leiche war 1921 in dem dänischen Dorf Egtved in einem hohlen Baumstamm entdeckt worden. Die Forscher analysierten die langen Haare, die Zähne, die Fingernägel und die Kleider der Toten. Die wissenschaftlichen Auswertungen hätten es erstmals erlaubt, die Wanderroute eines prähistorischen Vorfahren präzise zu verfolgen, berichtet Karin Frei vom dänischen Nationalmuseum, im Fachmagazin "Scientific Reports".

Zähne und Haare verraten die Route

Den Forschern zufolge stammte das "Egtved Mädchen" keinesfalls aus dem Dorf, wo ihre Leiche gefunden wurde, sondern wahrscheinlich aus dem rund 800 Kilometer entfernten Schwarzwald. Besonders aufschlussreich war den Autoren zufolge die chemische Analyse der 23 Zentimeter langen Haare sowie der Fingernägel des Mädchens.

Sie zeigt den langen Weg auf, den die junge Frau zurückgelegt hat. Etwa 15 Monate vor ihrem Tod sei sie in ihrer Geburtsregion gewesen, berichtet Frei. Dann sei sie in Richtung Jütland aufgebrochen, wo sie etwa neun Monate geblieben sei. Anschließend sei sie in ihre Heimat im Schwarzwald zurückgekehrt - um vier oder fünf Monate später wieder in Richtung Egtved aufzubrechen. Dort sei sie etwa einen Monat nach ihrer Ankunft gestorben.

Zweckverheiratet nach Jütland

Für die Wanderroute spricht auch die Analyse der Zähne, berichtet Frei: Das in Lebensmitteln enthaltene chemische Element Strontium setze sich während der Zahnbildung im Schmelz fest. Es liefere Hinweise auf das geologische Umfeld, in dem ein Mensch als Kleinkind lebte, und auf die Nahrung, die er erhielt.

Als weiteres Indiz nennen die Wissenschaftler die Kleider der Toten - ein Oberteil aus Wolle und ein Rock aus Bändern, die mit Wolle und Rindsleder gefertigt wurden. "Die Schafe, von denen die Wolle stammte, haben auf Weiden gegrast, die den geologischen Eigenschaften des Schwarzwalds entsprechen", so Frei.

Vermutlich sei die junge Frau mit einem Mann aus Jütland verheiratet worden, erläutert Kristian Kristiansen von der Universität Kopenhagen. In der Bronzezeit habe es enge Beziehungen zwischen Dänemark und dem Süden Deutschlands gegeben, nicht zuletzt wegen des Handels mit Bernstein und Bronze. Denkbar sei, dass zwei einflussreiche Familien mit dieser Hochzeit ein Bündnis schmieden wollten.

jme/AFP

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Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
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Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.


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