Brustkrebs-Früherkennung Kernspin viel treffsicherer als Röntgen

Mit einem Kernspintomographen können Mediziner frühe Brusttumore mit deutlich größerer Zuverlässigkeit erkennen als mit herkömmlichen Röntgenapparaten. Ein baldiger Masseneinsatz von Tomographen in der Krebsvorsorge ist jedoch unwahrscheinlich: Die Technik ist derzeit viel zu teuer.

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Im Kampf gegen den Brustkrebs setzen Mediziner in Deutschland unter anderem auf sogenannte Mammographie-Screenings. Möglichst alle Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren sollen ihre Brüste routinemäßig alle zwei Jahre röntgen lassen. Das Verfahren ist jedoch unter anderem wegen der vielen Falsch-Positiv-Diagnosen in der Kritik, die Betroffene psychisch stark belasten können, auch wenn sie gar keinen Tumor in sich tragen.

Mammographie (an der Universität Greifswald): MRT laut Studie treffsicherer
DPA

Mammographie (an der Universität Greifswald): MRT laut Studie treffsicherer

Radiologen der Universität Bonn haben nun festgestellt, dass es ein deutlich zuverlässigeres Diagnoseverfahren für Brustkrebs gibt: die Kernspintomographie - auch als Magnetresonanztomographie (MRT) bezeichnet. Über fünf Jahre sei bei der Untersuchung von gut 7300 Frauen festgestellt worden, dass Vorstufen von Brustkrebs mittels Kernspintomographie doppelt so häufig aufgespürt wurden wie mit einer Röntgen-Mammographie.

Kernspintomographie könne Brustkrebs gezielt finden, bevor er gefährlich werde, berichten Christiane Kuhl und ihre Kollegen im Fachblatt "The Lancet" (Bd. 370, S. 485). Unter den 7319 untersuchten Frauen, die in der Bonner Klinik über fünf Jahre zu Früherkennung und Diagnostik kamen, wurde bei 167 ein sogenanntes Duktales Carcinoma In Situ (DCIS) entdeckt, also Vorstufen von Brustkrebs, die sich noch im Milchgang befinden. Diese wurden mit Hilfe der Kernspintomographie in 92 Prozent der Fälle richtig diagnostiziert. Die Mammographie konnte das DCIS nur in 56 Prozent identifizieren, wie die Forscher berichten.

Es war bekannt, dass die Kernspintomographie der Mammographie bei der Brustkrebs-Diagnostik überlegen ist. Die Suche nach der Brustkrebs-Vorstufe, also dem DCIS, habe aber stets als Domäne der Mammographie gegolten, erklären die Bonner Forscher. Mit dieser "Lehrbuchweisheit" räume die neue Studie nun auf.

Sehen, was ein Röntgenapparat nicht findet

Stefan Delorme vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg bezeichnete die Arbeit seiner Bonner Kollegen als "sehr wichtige Studie". Brusttumorzellen produzierten in der späten Phase Kalk, der einen Zehntelmillimeter dick sei oder weniger. "Es gibt offenbar Tumorformen, die keine Verkalkungen ausbilden, die man deshalb mit der Mammographie nicht sehen kann", sagte er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Mit einem MRT ließen sich die Krebszellen hingegen aufspüren, weil sich in ihrem Umfeld die Durchblutung leicht verstärke.

Delorme glaubt jedoch nicht, dass schon bald MRT im Screening anstelle der Mammographie genutzt wird. "Selbst mittelfristig sehe ich keine Chance für einen Masseneinsatz." Beide Verfahren seien überhaupt nicht vergleichbar - auch vom Zeitaufwand nicht. Eine Untersuchung mit dem Kernspintomographen kostet etwa 600 Euro, für eine Röntgenuntersuchung werden pro Frau nach Angaben der "Ärztezeitung" rund 65 Euro berechnet. Die Röntgenprozedur dauere nur Minuten, ein MRT erfordere eine halbe Stunde, erklärte Delorme.

Wer soll's bezahlen?

"Es würde an Experten und zugleich an Geräten mangeln, um MRTs im Brustkrebs-Screening einzusetzen", sagte Delorme. Zugleich warnte der Heidelberger Krebsforscher davor, die Risiken der Kernspintomographie zu vernachlässigen. "Bei etwa 1,5 Prozent der Untersuchten zeigt das Kontrastmittel unerwünschte Nebenwirkungen, zum Beispiel allergische Reaktionen."

Auch die Bonner Krebsforscher halten das Mammographie-Screening als Basis-Untersuchung zur Früherkennung weiterhin für unverzichtbar - allein schon wegen der deutlich geringeren Kosten. "Man muss aber auch bedenken, dass es unglaublich viel Geld und vor allem Leben - kostet, wenn erst einmal Brustkrebs entstanden ist", sagte Kuhl. Es stelle sich die Frage, ob man da am richtigen Ende spare.

Da Krankenkassen die Kosten für eine MRT-Vorsorgeuntersuchung in naher Zukunft wohl kaum übernehmen werden, könnte schon bald ein grauer Markt für Kernspin-Screenings entstehen. Frauen, die mit modernsten Methoden untersucht werden wollen, müssten dafür dann selbst bezahlen: So oder so ein einträgliches Geschäft für die Hersteller von MRT-Geräten und Ärzten, die eine Brustkrebsvorsorge für Selbstzahler anbieten.

mit Material von dpa



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