Brustkrebs-Studien Ohne Industrie-Gelder fallen Arznei-Tests schlechter aus

Knapp die Hälfte aller Studien zu Brustkrebstherapien werden von Pharma-Unternehmen unterstützt. Das wirkt sich auf die Ergebnisse aus: Studien mit Industrie-Beteiligung beurteilen die Wirkung der Arzneien durchweg positiver als unabhängige Analysen. Das wird oft schon durchs Design vorbestimmt.


Der Ruf nach unabhängigen Medikamenten-Untersuchungen schallt immer wieder durch die Forschergemeinde. Doch ohne das Geld von Pharma-Unternehmen würde die internationale Studienlandschaft vielleicht nicht komplett brach liegen, aber zumindest weitaus weniger Ergebnisse liefern als derzeit der Fall. Wie valide diese Resultate allerdings sind, ist unter Wissenschaftlern mitunter umstritten. Denn Ärzte und Patienten fürchten, dass profitorientierte Unternehmen die Ergebnisse solcher Untersuchungen beeinflussen.

Medikamenten-Wirkung: Wenn Pharmafirmen an Studien beteiligt sind, fallen die Ergebnisse oft besser aus
AP

Medikamenten-Wirkung: Wenn Pharmafirmen an Studien beteiligt sind, fallen die Ergebnisse oft besser aus

US-Wissenschaftler von der University of North Carolina haben deshalb jetzt analysiert, inwiefern sich Industrie-finanzierte Studien zu Brustkrebstherapien von staatlich gesponsorten Studien unterscheiden. Wie das Team um den Mediziner Jeffrey Peppercorn vorab in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrfit "Cancer" berichtet, wurden dazu 140 Brustkrebs-Studien aus zehn englischsprachigen Fachmagazinen der Jahrgänge 1993, 1998 und 2003 genauer unter die Lupe genommen.

An knapp der Hälfte aller Untersuchungen war die Industrie beteiligt: Mitarbeiter standen als Mitautoren auf der Verfasserliste, das Geld floss aus einem Unternehmen, oder eine Firma stellte die untersuchten Medikamente kostenlose zur Verfügung. Im Laufe der Jahre hat dieses Engagement deutlich zugenommen: Beteiligte sich die Industrie 1993 noch an 44 Prozent der Studien, waren es 2003 schon 58 Prozent.

Ob Placebos genau so gut wirken, wird seltener untersucht

Nach den Analysen der Forscher lieferten die von Pharma-Firmen unterstützten Studien häufiger positive Ergebnisse zur Wirksamkeit der untersuchten Arzneien als unabhängige Untersuchungen. Zudem wurden in erstgenannten die bei den Versuchspersonen beobachteten Resultate seltener mit einer Kontrollgruppe verglichen. Die Angehörigen dieser Gruppe schlucken bei sogenannten Placebo-kontrollierten Untersuchungsdesigns nur ein Scheinmedikament. Damit soll der Wirkstoff-unabhängige Placebo-Effekt erhoben und mit dem Resultaten verglichen werden, zu denen das zu testende Medikament führt.

Ein weiterer Unterschied fiel den Forscher um Peppercorn ins Auge: Häufiger als unabhängige Untersuchungen werteten die gesponsorten Analysen Daten von Patientinnen mit fortgeschrittener Erkrankung aus. Denn oft geht es den Firmen zunächst darum herauszufinden, ob neue Medikamente überhaupt wirken. Bei welcher Dosis jedoch Nebenwirkungen auftreten, wie lang eine Therapie dauern sollte, und für welche Patientinnen sie in Frage kommt, können diese Studien hingegen weniger gut beantworten.

"Es wäre sicherlich nicht fair, aufgrund unserer Analysen die Aussage zu treffen, dass sich die Unterschiede gezwungenermaßen auf eine einseitige Auslegung der Ergebnisse zurückführen lassen", kommentierte Peppercorn seine Erkenntnisse vorsichtig. Dennoch habe die Industrie-Beteiligung in der Summe einen messbaren Einfluss auf die Resultate - ein Verdacht, der schon früher geäußert wurde. Peppercorn sagte: "In verschiedenen medizinischen Bereichen fanden sich immer wieder Hinweise darauf,dass von der Pharmaindustrie unterstützte Studien eher positive Resultate liefern."

hei



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